Bibelvers der Woche 30/2026

Denn die Grube ist von gestern her zugerichtet; ja sie ist auch dem König bereitet, tief und weit genug; der Scheiterhaufen darin hat Feuer und Holz die Menge. Der Odem des HErrn wird ihn anzünden wie ein Schwefelstrom.
Jes 30,33

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Worauf kommt es an?

Das klingt wahrhaft bedrohlich. Der Spruch Jesajas richtet sich gegen Sanherib, den König von Assyrien. Zum Zeitpunkt der Niederschrift unseres Verses hatte (vermutlich) Assyrien den Nordstaat Israel bereits vernichtet, im Jahr 722 v. Chr., und nun bedrohte die Supermacht das Südreich.

Hiskia, König von Juda, suchte sich durch Bündnisse mit Ägypten abzusichern. Ägypten war die andere Supermacht, sie stellte sich der Expansion Assyriens entgegen. Jesaja wendet sich hier und anderswo strikt gegen ein Bündnis mit Ägypten. Das Volk Judas solle sich nicht auf die Krieger, Streitwagen und Rosse Ägyptens verlassen, sondern auf ihren Bund mit Gott dem Herrn. Dieser werde das Volk für seine Abwendung von Gott strafen (V. 8-17), ihm aber auch wieder gnädig sein (V. 18-26). 

Um Assyrien will Gott sich selbst kümmern (V. 27-33). Das Großreich ist Gottes Werkzeug bei der Bestrafung Israels und Judas, gerät am Ende aber selbst unter Gottes schreckliches Gericht. Sanherib fällt schließlich in spektakulärer Weise dem Gericht Gottes anheim, so sagt es unser Vers. 

Haltet stille, und vertraut auf Gott, sagt Jesaja, versucht nicht, euch durch Machtspiele zu sichern. Nicht Angst wird euch retten, sondern Vertrauen auf Gott den Herrn.

Als ich den Spruch las und seinen Kontext verstand, regte sich Widerspruch in mir. In der Lage Hiskias hätte jeder vernünftige Herrscher Ausschau nach Bündnispartnern gehalten, und Ägypten war die logische Adresse. In der Zeitung lese ich, dass die Bundeswehr sich kurzfristig an einer Nuklearübung mit Frankreich beteiligen will. Und wer sich von China bedroht fühlt, wird das Einvernehmen mit den USA suchen. So geht Politik, damals wie heute. Und die Aussicht darauf, dass nach der Zerstörung Judas der Aggressor irgendwann bestraft würde, kann für Hiskia nicht relevant sein. 

Man sollte aber Kapitel 30 nicht als Gutachten eines externen militärpolitischen Beraters lesen. Jesaja weist auf die tieferliegenden Ursachen des Konflikts hin. Das Volk hat sich von Gott dem Herrn abgewendet, dem Fels, auf dem es steht. In der Rückkehr zu Gott sollte die Priorität liegen, die Suche nach Bündnissen kann hierfür kein Ersatz sein.

Hat jemand Herzbeschwerden und erhält eine ungünstige Diagnose, so tut er gut daran, die verschriebenen Medikamente zu nehmen und die Einschränkungen zu akzeptieren, die seine Krankheit mit sich bringt. Aber langfristig ist es noch wichtiger, würde Jesaja sagen, nach den tieferliegenden Ursachen zu suchen. Wo hat er Raubbau getrieben an seinen Kräften? Was bedeutet gesundes Leben wirklich? Was will er tun mit diesem Leben, dessen Ende sich nun klarer zeigt? Worauf kommt es an? 

Für die kommende Woche wünsche ich uns allen einen ungetrübten Blick auf das Wesentliche. Gott sei mit uns,
Ulf von Kalckreuth 

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