…und ganz Israel musste hinabziehen zu den Philistern, wenn jemand hatte eine Pflugschar, Haue, Beil oder Sense zu schärfen.
1 Sam 13,20
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Freiheit, die ich meine
Haben Sie es auch gelesen? Die amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump hat hinsichtlich der KI-Modelle Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 jegliche Nutzung durch „ausländische Staatsangehörige“ verboten. Angeführt werden „Sicherheitsgründe“, ohne weitere Erläuterungen. Der US-Anbieter Anthropic hat die beiden Modelle daraufhin vom Markt genommen.
Längst ist der Zugang zu den Grundlagen und Komponenten für IT zur scharfen Waffe im globalen Machtkampf geworden. China setzt diese Waffe ebenso ein wie die USA. Künstliche Intelligenz ist Schlüsseltechnologie. Kulturgeschichtlich wird man einst unsere Zeit nach ihr benennen: Wir stehen heute am Beginn der KI-Zeit. Gegen 1200 v. Chr. begann im Nahen Osten die sogenannte Eisenzeit. Mit Eisen wurde vieles möglich und alles einfacher: in der Landwirtschaft, der Waffentechnik, demTransportwesen. Eisen war Hi-Tech und Schmiede waren angesehene Spezialisten. Denken Sie an Wieland den Schmied und an Daedalos.
Die Israeliten waren ihrem Schicksal als Bausklaven in Ägypten entflohen. Über Jahrzehnte hatten sie nomadisierend in der Wüste gelebt, bis sie in Kanaan Fuß fassen konnten. Die Erzählung der großangelegter Eroberung weiter Teile des Landes im Buch Josua ist nicht vollständig, um das mindeste zu sagen. In den Bergen Judäas lebten die Hebräer zurückgezogen und in Abhängigkeit von den Philistern. Diese hatten an der Küste fünf reiche Stadtstaaten gegründet und kontrollierten den Handel über das Meer ebenso wie die Verkehrswege von Norden nach Süden in der Ebene.
Die Hebräer auf ihren kargen Bergen unterlagen nicht formal der Herrschaft der Philister, aber — frei waren sie nicht. Sie durften keine Waffen aus Eisen besitzen und Geräte aus Metall nicht selbst herstellen, oder bearbeiten, ja nicht einmal ihre Sensen durften sie selbst schärfen. Das Bergland war durchsetzt von philistäischen Befestigungen.

Solche Beschränkungen gab es auch in der europäischen Kolonialzeit. Die Briten verteuerten durch Zölle und Steuern die indischen Textilwaren, so dass die indische Textilindustrie unterging — zugunsten der englischen. In vielen afrikanischen Kolonien verhinderten die Kolonialherren bewusst die Entstehung von Schwerindustrie.
Für die Philister waren die Hebräer marginalisierte, auf Viehwirtschaft beschränkte Bergbewohner, eine Bedrohung der Sicherheit, weil sie in der Sommerdürre immer wieder einmal ins Tiefland einfielen.
Sklaven waren sie nicht mehr, aber sie verfügten nicht selbst über die Grundlagen für ihre Entwicklung.
In Sam 13 wird weiter erzählt, wie Jonathan, der Sohn Sauls, mit seinem Schwertträger eine wundergleiche Einzeltat vollbrachte und damit in einer atemberaubenden Kaskade die latenten Kräfte des Volks freisetzte. Das durfte ich im vergangenen Jahr ausführlich kommentieren, siehe den BdW 09/2024.
Unser Vers erinnert in diesem Zusammenhang daran, was Freiheit wirklich ist: nicht die Freiheit von Läusen und Krankheit, und auch nicht die Freiheit zum Strandurlaub, sondern die Freiheit, die eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen. Autonomie.
Diese Freiheit ist ein Gottesgeschenk, vielleicht das größte, und es will erworben, bewahrt, genutzt, verteidigt und entwickelt werden.
Kollektiv und individuell. Und wenn wir alt werden, bis zum Tod.
Morgen ist der längste Tag des Jahres. Ein Höhepunkt aus Licht. Und das ist der Wunsch für diese Woche und auch den Rest dieses Jahrs: Der Herr helfe uns, unsere Freiheit zu finden und richtig zu gebrauchen.
Ulf von Kalckreuth
