…und besehet das Land, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt, ob’s stark oder schwach, wenig oder viel ist;…
Num 13,18
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Seid mutig!
Nachdem die Hebräer zwei Jahre lang durch die Wüste gewandert sind, nähern sie sich dem großen Ziel: dem Gelobten Land, das Gott versprochen hat. Die Vision, die sie gemeinsam mit sich tragen, wird nun erstmals mit der Realität konfrontiert.
Ein gefährlicher Augenblick. Kann die Vision bestehen?
Mose schickt Kundschafter aus. Hier ist Num 13, 17-20a, nach der Lutherbibel 1984:
Als sie nun Mose aussandte, das Land Kanaan zu erkunden, sprach er zu ihnen: Zieht da hinauf ins Südland und geht auf das Gebirge und seht euch das Land an, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt, ob’s stark oder schwach, wenig oder viel ist; und was es für ein Land ist, darin sie wohnen, ob’s gut oder schlecht ist; und was es für Städte sind, in denen sie wohnen, ob sie in Zeltdörfern oder festen Städten wohnen; und wie der Boden ist, ob fett oder mager, und ob Bäume da sind oder nicht. Seid mutig und bringt mit von den Früchten des Landes.
Das ist ein Schlüsselmoment. Wenn man aufgefordert ist, die Zukunft zu betrachten — in welcher Haltung sollte man es tun? Mose gibt seinen Kundschaftern das Wichtigste mit: Seid mutig!
Sie sind es nicht. Sie sehen mächtige Städte in Kanaan, gewaltige Krieger, unüberwindliche Hindernisse, sie entwickeln Zerrbilder und Angstvorstellungen und erfinden — gewollt oder ungewollt — noch Phantastereien hinzu, Riesen gar. Nur zwei der Späher, Kaleb und Josua, bleiben objektiv und ruhig. Die Einnahme des Landes sei möglich, sagen sie.
Aber die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Für das Volk ist ein weiteres Vorgehen völlig undenkbar. Eine Revolte bricht aus. Da erscheint die Herrlichkeit des Herrn über der Stiftshütte. Mose hat Mühe zu verhindern, dass Gott sein Volk tötet. Die Israeliten müssen zurück in die Wüste, urteilt Gott, und dort bleiben, bis sie sterben. Erst ihre Nachkommen werden das Gelobte Land sehen — und Kaleb und Josua.
Vierzig Jahre lang wandern die Israeliten durch die Wüste Zin, im Kreis, ohne Perspektive. Das Bild einer kollektiven Depression!
Manchmal öffnet sich die Landschaft und wir können einen Blick auf Möglichkeiten in der Gegenwart und der Zukunft werfen. Ein Studium vielleicht, ein Wohnort, ein Mensch, der in unser Leben tritt, eine Gemeinde, eine neue Aufgabe. Wir dürfen dann nicht durch die Brille unserer Vergangenheit hinschauen. Sonst sehen wir nicht das Neue, das vor uns liegt, Gottes Geschenk, sondern nur unsere eigenen Ängste,
Dann laufen wir im Kreis, in einer Wüste, in der wir nie leben wollten, so lange vielleicht, bis es vorbei ist und wir gar nichts mehr sehen.
Herr — hilf uns zu sehen, was ist, nicht wovor wir Angst haben!
Ulf von Kalckreuth
