Bibelvers der Woche 11/2026

Also schlug der HErr den Benjamin vor den Kindern Israel, dass die Kinder Israel auf den Tag verderbten fünfundzwanzigtausend und hundert Mann in Benjamin, die alle das Schwert führten.
Ri 20,35

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Die Tür

Es ist eine der dunkelsten Geschichten, die die Bibel zu bieten hat, und das will etwas heißen. Sie beginnt beinahe idyllisch und endet im Herzen der Finsternis. Ich tue es nicht gern, aber ich muß die Geschichte erzählen, bevor ich etwas dazu sagen kann. Sie spielt in der Zeit nach der Landnahme der Israeliten, noch bevor sich ein Königtum etablieren kann. Es gibt zwei Teile: der erste handelt von Individuen, der andere von großen Kollektiven. 

Die Menschen — Richter 19

Die Nebenfrau eines Leviten trennt sich im Streit von ihrem Mann und geht zurück zu ihrem Vater nach Bethlehem in Juda. Nach vier Monaten reist der Ehemann reist ihr nach, versöhnt sich mit ihr und der Vater bittet sie, noch einige Tage zu bleiben, und sie essen und trinken. Auf ihrer Reise zurück ins Gebirge Ephraim wollen die Eheleute in der Stadt Gibea übernachten, im Land Benjamin, dem kleinsten Stamm der Israeliten. 

Niemand will ihnen Obdach geben. Als sie daher im Freien auf dem Platz der Stadt kampieren wollen, nimmt ein alter Mann sie in sein Haus. Er kommt aus der gleichen Gegend wie die Reisenden und sagt, sie dürften nicht auf dem Patz übernachten. Als es ganz dunkel wird, umstellen Männer aus Gibea das Haus und verlangen von dem alten Mann, seinen Gast herauszugeben, damit sie ihn mißbrauchen können. Der alte Mann verweigert das und bietet der Meute seine eigene Tochter und die Nebenfrau des Leviten an. Den Männern reicht das nicht. Da packt der Levit seine Nebenfrau und liefert sie den Männern aus. Dann schließt sich die Tür des Hauses.

Am Morgen öffnet sie sich wieder. Der Levit war aufgestanden und will weiterziehen. Er sieht seine Nebenfrau vor der Tür liegen. Sie lebte nicht mehr. Die Männer draußen hatten die Frau die ganze Nacht über vergewaltigt und erst gehen lassen, als der Tag anbrach. Sie schleppte sich zur Tür des alten Mannes geschleppt und war dort liegen geblieben. Der Levit packt den Leichnam auf seinen Esel und zieht zurück in sein Haus im Gebirge Ephraim. Dort zerstückelt er den Körper der Frau in zwölf Teile. Diese Teile schickt er an die Stämme in ganz Israel und verlangt ein Urteil.

Die Stämme — Richter 20

Und die Stämme versammeln sich. Das Urteil ist einhellig — Blutrache! Elf Stämme ziehen nach Gibea. Benjamin soll die Vergewaltiger herausgeben. Aber der Stamm verweigert das, und so wird die Stadt belagert. In Bethel fragen die Israeliten Gott, was zu tun sei. Der Herr spricht: Juda soll den ersten Angriff führen. Die Kämpfer von Juda attackieren die Stadt und werden nach einem Ausfall der belagerten Benjaminiter vernichtend geschlagen — 22.000 Gefallene. Gott verlangt einen weiteren Angriff, diesmal von allen Stämmen gemeinsam. Aber nach einem gewaltigen Ausbruch der Belagerten scheitert auch dieser Versuch. Noch einmal 18.000 Gefallene auf Seiten der verbündeten Israeliten. 

Beim dritten Mal wenden die Angreifer eine List an. Die Israeliten teilen sich in zwei Heerhaufen. Der erste wendet sich gut sichtbar gegen Gibea und greift an. Der zweite Haufen hält sich versteckt. Als die Kämpfer von Benjamin wiederum einen Ausfall machen, fliehen die Kämpfer der ersten Armee und die Verteidiger setzen nach. Da kommt der zweite Heerhaufen aus dem Hintergrund, fällt in die unverteidigte Stadt ein und setzt sie in Brand. Die Kämpfer aus Gibea ausserhalb der Stadt  sehen den Rauch und wenden sich erschrocken um. Aber jetzt geraten sie zwischen die beiden israelitischen Heerhaufen und werden zerrieben. 

Das ist unser Vers. Eine echte Katastrophe. Aus Benjamin fallen 25.100 Kämpfer, so steht es geschrieben, und die Stadt ist vernichtet. Mit den Opfern aus den ersten beiden Schlachten zählt man aber auf beiden Seiten mindestens 65.100 Gefallene, und es müssen noch viel mehr sein: die Erzählung zählt für jede der Schlachten nur die Gefallenen der unterlegenen Seite, und über den unbewaffneten Teil der Einwohnerschaft Gibeas, darunter Frauen und Kinder, wird gar nicht erst gesprochen. 

Was soll das? Was haben uns diese vielen Toten zu sagen?

Die Bibel spricht hier mit sich selbst. Der erste Teil ist deutlich sichtbar und in Teilen fast wörtlich ein Re-enactment der Vorgeschichte zum Untergangs von Sodom, siehe Gen 19 und den BdW 25/2023. Des Herrn Wertung ist bekannt: Gott selbst vernichtet Sodom vollständig. Auch der zweite Teil ist ein sprechendes Zitat: Die List der Israeliten hatte in exakt derselben Weise schon Josua bei der Eroberung von Ai in Kanaan gebraucht hatte, siehe Jos 8, 15-17. Das Vorhaben der vereinten Israeliten gelingt erst dann, als sie den Krieg so führen wie weiland bei der Einnahme des Heiligen Landes — als Bannkrieg also, mit vollem Einsatz und ohne jede Rücksicht auf den Feind. So muß man vorgehen, wenn Volksgenossen das Gesetz des Herrn verletzen, sagt die Geschichte. Solche Menschen stellen sich ausserhalb des Bundes. Sie sind Gottes Feinde und müssen so behandelt werden. 

Beide Teile der Geschichte werfen viele Fragen auf. Was denken Sie über das Verhalten des alten Mannes? Und über das des Ehemanns? Er verhält sich seiner Nebenfrau gegenüber kaum besser als die Männer draussen vor der Tür. Und das Ende — am Ende ist der Konflikt gelöst und das Recht wieder hergestellt. Aber was denken Sie, hätte es auch einen weniger blutigen Weg dahin gegeben, mit des allmächtigen Gottes Hilfe? 

Diese letzte Frage ist ein Schlüssel für die Geschichte als Ganze. Im Buch Richter wird immer deutlicher, dass ein Königtum in Israel nötig ist — NOTwendig. Ein starker König hätte die Mittel, den Willen der Marodeure und ihres Stammes einfacher und mit geringeren Folgen zu brechen. Oder noch besser: der Übergriff wäre nie geschehen. Das war vielleicht der Traum desjenigen, der diese Geschichte aufgeschrieben hat. 

Ich habe in dieser Woche einen Bericht einer Missionarin aus Mexiko gelesen. Der Führer eines mächtigen Drogenkartells wurde getötet, und nun herrschen in mehreren Landesteilen bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Menschen dort würden vermutlich alles tun für einen starken und gerechten Staat. Auch solche Geschichten würden sie schreiben, wenn es etwas helfen könnte. Aber die Staatsgewalt ist schwach und korrupt und manchmal selbst kriminell. 

Deutsche neigen dazu, schlecht über ihre Heimat zu reden. Manchmal mit gutem Grund. Und manchmal zeigt es nur, wie wenig sie wissen von der Welt. 

Gott ist gut. Das äußert sich wesentlich auch darin, dass er uns hilft, das Gute zu tun, und nicht das Böse. Angesichts dieser furchtbaren Geschichte will ich das zuspitzen, auch mit Blick auf die Verse der letzten beiden Wochen: Gott ist so gut, wie wir es zulassen!

Vielleicht hilft das, Gibea zu verstehen — und Mexiko und Gaza, die Ukraine, den Iran und den Sudan.

Sein Segen sei mit uns, in dieser Woche und immer,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 10/2026

Aber Zedekia ließ er die Augen ausstechen und ihn in Ketten binden, dass er ihn gen Babel führte.
Jer 39,7

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Gott, der Herr, verläßt uns nicht…!

Hier, mit unserem Vers, ist alles vorbei. Nach langem Kampf, der am Ende sinnlos wurde, ist die Niederlage endgültig, das Reich und die Stadt zerstört, der König geblendet.

Hier kulminieren die vielen Stränge des Jeremiabuchs. Es ist eine Auseinandersetzung des Propheten mit der „herrschenden Meinung“, der Meinung der Herrschenden, repräsentiert durch König Zedekia. Dieser war ursprünglich von Nebukadnezar, König des babylonischen Großreichs, als Vasall eingesetzt. Nun wollte er eine vermeintliche Schwäche des Riesenreichs nutzen und sich selbständig machen. Er stellte die Tributzahlungen ein.

Als Nebukadnezar daraufhin mit einer riesigen Armee anrückte, die Städte Judas eine nach der anderen eroberte und Jerusalem belagerte, wähnten er und seine Generäle sich im Besitz einer Superkraft: Gottes Schutz und Hilfe. In der Theologie gibt es einen Namen dafür: Zionsdogma. Gott wird sein Volk immer und unter allen Umständen schützen, glaubte man. Die Vorstellung ist in vielen Psalmen verankert. Man konnte sich auf frühere Erfahrungen stützen: Jesaja berichtet, dass die assyrischen Eroberer bei erdrückender Übermacht plötzlich abziehen mußten.

Jeremia warnt früh, dass Gott die Stadt zerstören könnte. Anfangs als Ruf zur Umkehr. Später, als der Ring sich enger und enger schloß und Jeremia selbst als innerer Feind behandelt wurde, predigt er, dass der König den sinnlosen Kampf aufgeben müsse, um sich und das Volk zu retten.

Mit dem Zionsdogma setzt sich Jeremia öffentlich in seiner Tempelrede auseinander. „Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel!“, Jer 7,4. Dieser dreifache Ruf war eine Art magischer Schutzspruch. Die Menschen glaubten, dass Gott nicht zulassen könnte, dass sein „Haus“ von den Babyloniern zerstört würde. Jeremia wurde daher gefangengenommen und beinahe getötet (Jer 26). 

Schutz und Hilfe des Herrn sind nicht bedingungslos. Jeremia weist mit zunehmender Verzweiflung darauf hin, dass zu einem Bund zwei gehören. Das Volk muß sich als Gottes Volk verstehen und verhalten, um als Gottes Volk behandelt zu werden. Jer 26 berichtet von einem Showdown mit dem Propheten Hanania: Dieser verspricht den Sieg durch Gottes Hilfe innerhalb von zwei Jahren. Auf offener Bühne sprechen beide Propheten sich wechselseitig ab, vom Herrn gesandt zu sein. Das ist massiv, denn für falsche Propheten sieht das mosaische Gesetz die Todesstrafe vor. Hanania stirbt kurze Zeit später.  

Kurz vor dem Untergang rät Jeremia dem König in einer geheimen Audienz, er möge den Kampf aufgeben, und er werde überleben. Zedekia gesteht seine große Angst vor den Babyloniern und lässt den Kampf fortsetzen — bis zu dem Ende, das unser Vers markiert. 

Was hat er falsch gemacht? Sein magisch gefärbter Glaube hat in der biblischen Geschichte viele Vorbilder, siehe den BdW 43/2025. Wer kann sich auf Gottes wunderbare Hilfe verlassen, wer nicht? Jeremia sagt, Volk und König hätten die Geschäftsgrundlage verlassen. Aber so argumentieren auch die Freunde Hiobs, und sie liegen falsch: Hiobs Existenz wird vernichtet, obwohl er gerecht ist. 

Vielleicht mag ein Zeichen darin liegen, dass Zedekias Blendung, die Zerstörung der Stadt und des Tempels, die Vernichtung des Staatswesens und die Verbannung der Elite tatsächlich nicht das Ende waren. Die Geschichte des Volks Gottes ging weiter. Bis heute, 2500 Jahre lang.

Wird Gott uns immer schützen und bewahren, wenn wir seinen Willen tun? Auf dieser Welt vielleicht nicht — nicht immer jedenfalls. Das lehrt uns die Vita so vieler Märtyrer. Und auch, wie um jeden Zweifel zu beseitigen, das Leben Jesu selbst. Nachts, im Garten Gethsemane, bittet er in Todesangst den Herrn um Verschonung. Er schwitzt dabei Blut, schreibt Lukas. Den Foltertod erleidet er dennoch. 

Es muss einen übergeordneten Zusammenhang geben, denke ich, in dem die Treue zum Herrn ihren Sinn erfüllt. Eine unsichtbare Welt, in der das, was wir tun, einen Unterschied macht. Von uns wird verlangt, in Treue fest zu bleiben im Vertrauen auf eine Welt, die wir nicht sehen. Eine unglaubliche Zumutung, wenn man es bedenkt.

Manchmal, wenn man intensiv fragt, erhält man Antworten zugespült. Gerade sehe ich auf dem Schreibtisch meiner Frau einen Spruch, er steht auf ihrer Urkunde zum 25. Dienstjubiläum: 

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun. Ps 73,28

Der Sinn unseres Tun im Herrn liegt in sich selbst, steht da geschrieben, nicht wahr? Und ich finde noch etwas. In unserer Wohnung hängt ein Kalender mit illustrierten Gedichten von Hanns Dieter Hüsch. Das Gedicht für den März geht an die Grenze des Sagbaren:

Gott, der Herr, verlässt uns nicht,
wenn ich mein Herz mit ihm teile,
so dass ich nichts bin und alles bin,
so dass ich nichts habe und alles habe,
so dass ich nichts werde und doch alles werde
.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 09/2026

Ja, Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern, den Haarschädel derer, die da fortfahren in ihrer Sünde.
Ps 68,22

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Gottes Feinde

Starker Tobak, nicht wahr? Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern, den Haarschädel derer, die da fortfahren in ihrer Sünde. Da wächst nichts mehr, kein Gras und auch kein Haar. 

Psalm 68 ist ein Lied vom Sieg Gottes. Wir hatten daraus früher schon den BdW 17/2022. Ich bitte Sie, hineinzuschauen, dort ist der Psalm auch vollständig wiedergegeben. Nur zwei Wochen später gab es den BdW 19/2022, ein Vers, der dem jetzt gezogenen unmittelbar folgt. 

Ein altorientalisches Lied vom Siege Gottes, als großer König seines Volks und der Welt, und als Herrscher, der sich um die Seinen liebevoll kümmert, um die Schwachen zuvörderst. Die Härte unseres Verses ist sicherlich auch durch diese Form bedingt — die Siege der Könige über ihre Feinde wurden seinerzeit mit sehr starker Sprache gefeiert. 

Heute singen und beten wir nicht mehr auf diese Weise. Ähnliche Schwierigkeiten gibt es mit den Stellen, die von den persönlichen Feinde des Betenden handeln. Im Psalter wird kaum eine Verwünschung, kaum ein Todesfluch ausgelassen. Im Gottesdienst werden solche Verse vermieden, aber es gibt sie, und sie sind hier wiederkehrendes Thema, siehe erst vor kurzem den BdW 05/2026.

Hier nun also die Feinde Gottes… wer oder was ist das? Was auffällt, ist die Körperlichkeit des Verses, die physische Unmittelbarkeit. So spricht man nicht über Abstraktes: die Sünde, die Häresie, den Götzendienst. Wer so dichtet und singt, hat jemanden sehr konkret vor Augen, dessen Haarschädel er zerschmettert sehen will, in unbändiger Vorfreude. Bei der Betrachtung habe ich zwei Zugänge gefunden. Vielleicht finden Sie eigene. 

Das Neue Testament, beschreibt das Leben der Nachfolger Jesu als Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Im Epheserbrief wählt Paulus martialische Bilder:

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph 6,12-17)

Ein Freund, der mit seiner Familie in schwierigem Fahrwasser ist, sprach in der vergangenen Woche davon, dass all die existenziellen Angriffe, Krankheit, Unsicherheit, Überforderung, nicht auf diese Welt gehören. Das ist nicht Gottes Wille. „Und wir müssen dies beten“, sagt er. „Dies hier ist Jesu Land, hier haben die Feinde nichts zu suchen. Wir müssen es ihnen klar sagen, wir müssen unsere Grenzen ziehen und verteidigen. Geht fort, geht woanders hin! Im Namen Jesu, Amen!“ 

Da habe ich recht deutlich unseren Vers gehört, in der moderateren Sprache unserer Zeit. Und ich wiederhole seine Worte hier gern, für ihn und seine Familie und auch für die meine. Amen.

Aber vielleicht ist der Vers noch konkreter gemeint? Zielt er auf ganz bestimmte Feinde Gottes und Israels? Ausländische Herrscher, die das Land bedrohen, Tyrannen, Unruhestifter? 

Man darf unterstellen, dass Feinde Gottes keine Menschenfreunde sind. Wie würde eine ukrainische Mutter diesen Psalm lesen? An wessen Haarschädel könnte ein russischer Regimegegner denken? Die Opfer Epsteins und seiner Partnerin, Ghislaine Maxwell, wen wohl hätten die vor Augen? Und wäre das falsch, unchristlich?

Wer Gottes Feind ist, das weiß nur Gott allein. Aber es ist uns erlaubt, Vermutungen zu bilden. Und ja: Gott wird seine Feinde vernichten. Das ist es. Und daran läßt die Bibel nirgends den geringsten Zweifel.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche — die Feinde Gottes ausgenommen!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 08/2026

Lieblich und schön.

Lieblich und schön sein ist nichts; ein Weib, das den Herrn fürchtet, soll man loben.
Spr 31,30

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Ein Bild von einem Weibsbild

Unser Vers ist aus dem Schluß vom „Lob der Hausfrau“. Das ist ein Abschnitt am Ende des Buchs der Sprüche. Er wird von orthodoxen Juden wöchentlich beim Abendessen zu Beginn des Shabbat am Freitagabend rezitiert — vom Ehemann, versteht sich!

Für den BdW 39/2020 habe ich über diese erstaunliche Stelle schon einmal berichtet, und dort ist sie auch im Wortlaut eingestellt, schauen Sie mal herein. Das Frauenbild dieses altorientalischen Textes ist faszinierend. Die Frau, die sich uns hier vorstellt, ist aktiv, selbstbewußt und selbständig. Sie ist unternehmerisch tätig. In ihrer Gemeinschaft nimmt sie eine allen wohltuende Führungsrolle ein, sie sieht, was vorgeht und steuert gelassen das Schiff ihres Hauses. Dabei steht sie im Einklang mit sich selbst und mit Gott. 

Unser Vers ist der vorletzte des Abschnitts und des ganzen Buchs und sagt, worauf es ankommt: nicht aufs Aussehen, sondern auf die „Furcht des Herrn“. Ein Leben im Einklang mit den Geboten Gottes und in ständigem Austausch mit Ihm. 

Wir leben in einer Welt, die von visuellen Reizen überflutet ist. Dabei sind Bilder junger, attraktiver Frauen mit guter Figur und aktiver, intelligenter Ausstrahlung eine kommunikative Allzweckwaffe: in der Werbung, im Intranet von Unternehmen, auf den Titelseiten von Zeitschriften, auf Buchdeckeln, in Powerpoint-Präsentationen aller Art, den Plakaten der Kirchengemeinden und der politischen Parteien. Diese Bilder sind prominent im Feed von Instagram und Facebook, in Videos und Shows. Sie übermitteln keine Inhalt. Die Frau auf dem Plakat der AFD kann dieselbe sein wie auf dem Plakat der Grünen links daneben. Sie sind Kommunikationsmittel, sie sagen: sieh hin, hier ist es interessant und jung und sexuell attraktiv — genau wie das, was ich dir verkaufen will.

Wie fühlt sich eine Frau, die älter wird und für all dies nicht mehr stehen kann? 

Unser Vers sagt, dass solche Bilder mit dem Wert einer Frau nichts zu tun haben. Empfänglich für visuelle Reize waren die Menschen vor 2500 Jahren durchaus, vielleicht mehr als wir, die wir abgestumpft  sind und vielleicht ein wenig resistent. Aber lieblich und schön sein ist nichts, sagt der Vers. Es kommt darauf an, wie sie, die Frau, sich in die Ordnung Gottes stellt. Und ihre Werke werden sie loben, so sagt es der abschließende Vers. 

Ich habe ein Experiment mit ChatGPT gemacht. Im ersten Schritt habe ich mit der KI das Bild von einer Frau entwickelt, die in möglichst idealer Weise „lieblich und schön“ ist. Von dort aus habe ich, im selben Setting, das Bild einer älteren Frau entworfen, die nicht „lieblich und schön“ ist, aber Wahrheit in sich trägt.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie von dem Bild oben zu dem unteren Bild wechseln? Für mich ist das erste Bild sehr attraktiv. Ein so starkes Ergebnis hatte ich nicht erwartet. Es war jedoch ein längerer Weg dorthin, und ich habe dabei gelernt. Die Schlüsselelemente für die Attraktivität dieses Bilds finden sich auch im zweiten: Zuwendung, Beziehung, Natürlichkeit, selbstvergessene Freude. Die Versace-Frauen, mit denen ChatGPT begonnen hat, waren in einer Weise abstoßend, dass ich beinahe aufgegeben hätte.

Heute ist Valentinstag. Wenn Sie ein Mann sind: was ist Ihnen wichtig an Ihrer Partnerin? Wenn Sie eine Frau sind: Wie möchten Sie gesehen werden?

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche, zumal den Frauen, und ganz besonders meiner geliebten Ehefrau!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 07/2026

Richte mich, Gott, und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten.
Ps 43,1

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Lifehack

Wie vor zwei Wochen: der erste Vers eines Psalms. Wenn man hinschaut, so ist es wohl nicht immer der erste Vers gewesen. Die Psalmen 42 und 43 gehören zusammen, ein Psalm wie ein modernes Lied, mit Strophen und Refrain. Psalm 43 ist die dritte Strophe mit abschließendem Refrain.

Ausgangspunkt ist die vollkommene Verzweiflung. Der Betende wird der feindlichen Welt um ihn nicht mehr Herr. Er ertrinkt, die Fluten rauschen über ihn (Ps 42), den bösen Menschen ist er hilflos ausgeliefert. In unserem Vers ruft er den Herrn an, eingeleitet mit einem trotzigen „Richte mich!“ Die Bitte kulminiert in den Worten:

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Der Betende ist nicht angekommen im sicheren Hafen, nein, aber er stellt es sich vor, er sieht es vor sich. Er glaubt und hofft. Und dann kommt der den Psalmen gemeinsame Refrain:

Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Eine durchaus bemerkenswerte Struktur: Der Betende wartet. Er dankt nicht, aber er antizipiert den Dank, fast so, als gäbe es schon Grund dazu: „Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken…“ Das ist wie Medizin, die Seele wird ruhig. Beklemmung und Lähmung weichen.

Als ich ein Kind war, erzählte mir mein Vater eine Geschichte, der eine oder andere kennt sie vielleicht: Zwei Frösche auf der Suche nach Nahrung fielen in einen großen Krug voll Milch. Die Wand des Krugs war glatt, die Frösche konnten nicht klettern, und springen konnten sie aus der Flüssigkeit heraus auch nicht. Sie paddelten, dann gab einer der Frösche auf: „Es hat keinen Sinn, stundenlang ums Leben zu kämpfen, wenn man am Ende doch ertrinkt!“, und der ertrank in der Milch. Der andere Frosch paddelte weiter, bis an die Grenze seiner Kraft. So bildete sich in der Milch ein Butterklumpen. Dieser trug ihn und er konnte aus dem Krug springen.

Die Kunst besteht darin, die Seele zur Ruhe zu bringen, OBWOHL in der Welt nichts darauf hindeutet, dass sich die Lage bessern oder lösen könnte. Das geht nicht ohne geerdeten Glauben — Glaube und Hoffnung gehen hier eine innige Verbindung ein. Sie werden unmittelbar wirksam: die von ihrer Unruhe befreite Seele wird Wege finden. Der Teufelskreis aus der Übermächtigkeit der „Feinde“ und der eigener Machtlosigkeit ist gebrochen.

Der Lifehack eines Menschen auf seinem Weg mit Gott durchs Leben. Kann ich gut gebrauchen!

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche, mit einem Gruß aus Schlüchtern,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 06/2026

…sondern lass sie nicht wohnen in deinem Lande, dass sie dich nicht verführen wider mich. Denn wo du ihren Göttern dienst, wird dir’s zum Fall geraten.
Ex 23,33

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

38 Enkelkinder

Klar, gemeint sind im Vers die Bewohner des Landes Kana’an (Palästina), das zu erobern die Israeliten aus Ägypten ausgezogen sind. Im unmittelbaren Kontext unseres Verses sichert Gott seinem Volk Gelingen und Sieg bei der Aufgabe zu, die Einwohner Kana’ans zu vertreiben oder zu töten, damit das Gelobte Land für das Volk Gottes gereinigt werden kann. In Teilen der Hebräischen Bibel gibt es obsessive Furcht vor Überfremdung. Solche Texte haben im Nahen Osten eine ungute Aktualität, siehe etwa die Betrachtungen zu BdW 40/2025 (sehr ähnlich, fast gleichlautend) oder zu BdW 49/2024.

Ich weiß, es ist sinnlos, mit Gott zu rechten und dabei auf Seine Gebote zu verweisen. Sie gelten für uns, nicht für ihn. Wir sehen die Zusammenhänge nicht und können nichts einfordern. Hier, in diesem Blog aber stehe ich nicht vor Gott, sondern vor der Bibel. Wie vor einer Person, die über tausend Jahre wächst und reift, hört und spricht, mit Gott, den Menschen und sich selbst, Ideen entwickelt und ausführt, ihre Form immer wieder wandelt, und die dann noch weitere zweitausend Jahre zu uns redet.  

Ich habe zwei Fragen an unseren Vers.

Hier die erste. Ist es denkbar, dass diese Bibel ihre Botschaft selbst nicht immer vollständig kennt? Schon im zweiten Schöpfungsbericht über die Erschaffung von Mann und Frau ist von Liebe die Rede. Am Horeb wird Liebe zwischen Eltern und Kindern gefordert. Später dann Liebe zu allen Volksgenossen und auch zu den Fremden, sehr explizit und deutlich übrigens in Vers 9 von Ex 23. Unser Kapitel gelangt gar in die Nachbarschaft der Feindesliebe. Vers 5 lautet: Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so lass ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf. Jesus und die Apostel endlich machen Liebe zum alles überragenden Bindeglied zwischen Gott und Mensch und der Menschen untereinander. 

Die zentrale Botschaft ist nicht sofort und überall sichtbar. Die Bibel enthüllt sie langsam, wie ein Roman erst die Charaktere seiner Protagonisten entfaltet, den Konflikt aufbaut und schließlich die Lösung zeigt. In Ex 23, dem Umfeld unseres Verses, ist der Vorhang zur Botschaft in merkwürdiger Weise halb offen, halb geschlossen. 

Noch eine andere Frage beschäftigt mich. Wie wäre der Vers in Deutschland zu lesen? Angst vor Überfremdung gibt es hier und heute genug. Müssen wir uns vor fremden Einflüssen hüten, um den Glauben unserer Väter zu bewahren, wie der Vers es verlangt? 

Wohl eher nicht. Meine Frankfurter Gemeinde ist sehr vital, aber ohne Zuwanderer der ersten oder zweiten Generation würde sie vielleicht nicht mehr existieren. Ich denke, das ist nicht untypisch. Im Laufe von nur einer Generation ist Agnostizismus in der ethnisch deutschen Bevölkerung die dominierende Antwort auf die Frage nach den letzten Dingen geworden. Und gleichzeitig schrumpft diese Bevölkerung mit atemberaubender Geschwindigkeit. Die zusammengefasste Geburtenziffer von Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit liegt laut Destatis bei nur noch 1,23. Das muß ich übersetzen: Bei dieser Rate haben 100 (zumeist agnostische) Erwachsene mit deutscher Staatsangehörigkeit 61 Kinder und 38 Enkelkinder…! Siehe unten die Modellrechnung der KfW vom 29. Januar.

Haben diese beiden Entwicklungen etwas miteinander zu tun? Und: wie könnte in diesem Land ohne Zuwanderer der Glaube an Gott eine Zukunft haben?  

Ich wünsche uns eine gesegnete Woche!
Ulf von Kalckreuth

Entnommen aus: Martin Müller, Deutschland schrumpft.
KFW Research, Auf einen Blick, 29.01.2029, mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.

Bibelvers der Woche 05/2026

Ein Psalm Davids, vorzusingen.
Ps 21,1

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, diesmal zur Einheitsübersetzung.

Dank und Triumph

Wir haben die Überschrift des Psalms gezogen, den Einstieg, der den Autor oder die Widmung angibt. Wenn ich dazu schreiben will, muss ich wohl ein wenig an meinen Fingern saugen. Mal sehen, was dabei herauskommt…!

Von den 150 Liedern im Psalter werden 73 David zugeschrieben. In den Überschriften werden sie als „von David“ gekennzeichnet. Zu beachten ist, dass „von David“ und „für David“ auf Hebräisch dasselbe heißt: le David. Manche Psalmen wirken in der Tat so, als seien sie nicht VON David geschrieben, sondern FÜR ihn, oder für einen seiner Nachfolger. In unserem Vers tritt die doppelte Bedeutung ins Rampenlicht. Das „le“ taucht im hebräischen Fassung nämlich zweimal auf: der Vers lautet: le menazeach. le David. Wörtlich übersetzt „Für den Chormeister. Von David.“ So gibt es die Einheitsübersetzung wieder, auf die ich diesmal verlinkt habe. Genauso richtig und eigentlich intuitiver wäre „Vom Chormeister. Für David „

Die Mehrdeutigkeit ist charakteristisch für das, was nachher kommt. Während der erste Teil ein Dankgebet für die Gnade ist, die Gott dem König erweist, also wohl „von David“ kommt, bittet der zweite Teil um Kraft für den König gegen seine Feinde, also eigentlich „für David“. Das „Du“ bezieht sich auf den König. Mit Gottes Hilfe wird er mit seinen Feinden fertig, in recht brutaler Weise übrigens. 

Die Sprache des zweiten Teils klingt für heutige Ohren abstoßend. Man kann damit in verschiedener Weise umgehen. In der Eisenzeit hat man über Gewalt anders gesprochen als heute, was nicht heißen muss, dass Politik in jedem Fall gewalttätiger war. Diesbezüglich lernen wir ja derzeit jeden Tag dazu. Man kann den Psalm auch christologisch deuten. Dann ist Christus der König. Er obsiegt über das Böse, zu dessen Vernichtung er ausgesandt ist. Das ist eine sehr viel jüngere Perspektive. Solche Lesarten versuche ich, zu vermeiden. Bibeltexte sollten aus der Situation ihrer Entstehung heraus verständlich sein — wie sonst hätten sie den weiten Weg durch die Zeit zurücklegen können?

Hier aber kann uns die christologische Lesart einen Fingerzeig geben. Mein Vater legte mir einmal nahe, in den „Feinden“ der Psalmen, BdW 12/2023, das Böse in uns selbst zu sehen. Ich weiß nicht, wie „theologisch“ das ist, aber wenn wir das Gebet so lesen, dann ist es nicht Dank und Triumph eines Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, dann sind wir alle der König, der für Gottes Schutz und Beistand danken kann und der mit Gottes Hilfe dem Bösen widersteht. Je nach Zeitgeist kann solcher Dank recht kernig sein. Hier ist als Beispiel ein Link zu einem Lied aus dem Jahr 1932, das sich auch heute noch in vielen evangelischen Gesangbüchern findet: Herr, wir stehen Hand in Hand. 

In diesem Sinne wünsche ich uns eine gesegnete Woche!
Ulf von Kalckreuth

Nachtrag: Ich bin in Hamburg, und gerade war ich mit meiner Frau im Michel, dem Wahrzeichen der Stadt. Dort gibt es eine Statue des Erzengel Michael. Man sieht, wie er das Böse erschlägt, und man sieht auch, mit welcher Freude er es tut.

Erzengel Michael erschlägt mit dem Schwert das Böse. Statue im Hamburger Michel
Erzengel Michael erschlägt das Böse mit dem Schwert. Statue im Hamburger Michel, Ulf von Kalckreuth 2026.

Bibelvers der Woche 04/2026

Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahinkommt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und wachsend, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen:…
Jes 55,10

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Worte wie Regen in Israel

Der Blog kann ein wenig ruhen — denn es genügt, die engere Umgebung des Verses wiederzugeben. Unser Vers ist ein Bild für das Wirken von Gottes Wort im Leben der Menschen und in der Welt. Hier sind die Verse 8-11 von Jesaja 55, in der Übersetzung von 1984: 

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Dieser Tage ist der Vergleich mit Regen und Schnee in Deutschland nicht eben intuitiv. Wir alle hier hoffen und warten auf Licht. Aber Jesaja ist Israelit, und vielleicht schrieb er diese Zeilen im erbarmungslos heißen Sommer. Das Bild unten zeigt die Blüte einer wilde Lilie in Israel zur Regenzeit. Ein Freund schickte mir dies Foto im Februar 2021. Möge das Wort des Herrn in unseren Tagen blühen wie diese Lilie.

Der Herr segne uns und behüte uns,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 03/2026

Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat.
Joh 5,30

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Weltenrichter

Das letzte Gericht wieder, wie in der vergangenen Woche und in der vorvergangenen und auch schon vor vier Wochen. Nie in meinem Leben mußte ich so viel darüber nachdenken. Vielleicht liegt das auch an unserer Welt. Der Gedanke ans Gericht mag uns daran erinnern, dass es nicht gleichgültig ist, was wir tun und wie wir es tun — im Kollektiv nicht und auch nicht individuell.

Hier im Vers spricht der Richter selbst zu uns. Es ist Jesus Christus, wussten Sie das? Was im Mittelalter jedem gewärtig war, haben wir verdrängt. Jesus ist gütig, milde, barmherzig, er ist Heiler und ein Mittler zu Gott, in dessen Hände wir uns fallen lassen können, der uns trägt, fleischgewordenes Wort Gottes… Aber er ist eben auch König und Richter. Am Ende der Apokalypse, des Untergangs unserer Welt steht in den Schriften des Neuen Testaments das Weltgericht, mit Christus als Richter. 

In unserem Vers sagt Jesus etwas Eigenartiges. „Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich.“ Der Weltenrichter hat drei unabänderliche Vorgaben, die ihn festlegen: das Gesetz Gottes, seinen Auftrag und das, was in der Welt nun einmal geschehen oder unterblieben ist. Nicht seinen Willen sucht er, sondern den seines Vaters. 

Der Herr selbst, JHWH, tritt nicht in Erscheinung. Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren (V. 22f). In den alten Schriften wäre der Weltenrichter ein Erzengel gewesen, Michael vielleicht. Im Neuen Testament ist es der auf die Welt zurückgekehrte Christus, der diese machtvolle, aber ausführende Rolle übernimmt. 

Und gerade eben lese ich folgendes. Auf die Frage, ob es Einschränkungen für seine weltweite Macht gebe, antwortete der amerikanische Präsident Donald Trump, es gebe nur eine Sache: „Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das einzige, was mich stoppen kann.“ (FAZ, 10.01.2026, S.1)

Klingt das nicht sonderbar, im Licht unseres Verses? Gott schütze uns alle, er schütze auch Donald Trump. Der Herr führe uns aus dem Gericht, er führe uns zum wahren Leben schon in dieser Welt,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 02/2026

Blick in einen Kugelsternhaufen, wie in ein Feuerwerk

Darum wird sie auch der Löwe, der aus dem Walde kommt, zerreißen, und der Wolf aus der Wüste wird sie verderben, und der Parder wird um ihre Städte lauern; alle, die daselbst herausgehen, wird er fressen. Denn ihrer Sünden sind zuviel, und sie bleiben verstockt in ihrem Ungehorsam.
Jer 5,6

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Feuerwerk

Mmh. Klingt nicht gerade anheimelnd. Wie ich dies schreibe, ist Silvesterabend, und eigentlich wünscht man sich da etwas Zuspruch für die Zukunft. In der vergangenen Woche gab es einen sehr ähnlich klingenden Vers aus Micha, und vor drei Wochen — erinnern Sie sich? — hatten wir schon einen anderen Vers aus Jeremia 5! Das bleibt nicht ohne Eindruck bei mir.

Der Vers vor drei Wochen, BdW 51/2025 war Jer 5,15, ebenfalls eine Ankündigung von Vernichtung und Strafe, funktional sehr ähnlich. Wo Vers 15 den bevorstehenden Untergang sehr präzise und konkret charakterisiert, ist Vers 6 noch unbestimmt. Er gebraucht starke Bilder, die auf eine Hungersnot ebenso passen würden wie auf eine Seuche oder einen Krieg. Der Vers gilt der Elite des Volks, den „Großen“, von denen Jeremia so enttäuscht ist.

Was tun mit diesem wenig heimeligen Vers?  

Vorhin habe ich versucht, ein Abendessen für unsere Familie zu holen. Das Restaurant liegt in einem kleinen Einkaufszentrum in unserer Nähe. Es war gegen 20:30 Uhr. Auf dem Weg sah ich, wie auf der Straßenseite gegenüber aus einem Hochhaus schwere Böller auf Passanten geworfen wurden, Polizei fuhr vorbei. Überall Krachen. Als ich ankam, war das kleine Einkaufszentrum dunkel und verwaist. Nur eine Familie mit einem Kind war da und böllerte. Auf dem Rückweg war ich auf die Gefahr konzentriert, die von den Hochhäusern ausging, und ich lief in die falsche Richtung. An einem der Hochhäuser stand ein Krankenwagen. Ich eilte zurück nach Hause, ohne Abendessen. Unter dem Tisch zitterte der Hund. 

Vor Zeiten diente der Neujahrslärm dazu, Dämonen zu vertreiben und der Angst in den Raunächten etwas handfestes entgegenzusetzen. Jetzt machen wir sie uns selbst, die Dämonen und die Angst. Tote wird es geben heute Nacht, Verwundete und viele Menschen mit Vergiftungen, Alkohol und anderes.

Die Verse von Jeremia und Micha treffen meinen Gemütszustand und meine Erwartungen. Es geht uns nicht gut, als Gesellschaft meine ich. Was an Entwicklungen offen liegt, kann sich in seiner Dynamik nicht lange fortsetzen, ohne dass sich Grundsätzliches ändert — zum Guten oder zum Schlechten. Es wird unbequem.

Wir sind zum Tod verurteilt, sagt der Vers, unsere Sünden verurteilen uns. Was wir tun, tötet uns, und ebenso auch wie wir es tun — die Gleichgültigkeit, die Lügen, die Ichbezogenheit. Das sagt Jeremia klar und deutlich. Es wird etwas übrig bleiben, sagt Jeremia auch, genug, dass eine neue Welt entstehen kann. Der Untergang macht Platz für Heil. Auch das. Beides gleichermaßen! Und Gott gibt uns einen Schlüssel in die Hand.

Gott spricht: siehe: ich mache alles neu!

Das ist Offenb 21, ganz am Ende der Bibel, die Jahreslosung für 2026. Das Beitragsbild oben ist das Astronomic Picture of the Day für den 28.12.2025, Urheber des Bilds sind ESA/Hubble und NASA. Es ist ein ganz besonderes Feuerwerk — ein Blick in NGC 1898, ein Kugelsternhaufen in der großen Magellan’schen Wolke. Kosmisch ist Werden und Vergehen ein und dasselbe, und es liegt große Schönheit darin.

Was uns beherrscht, den Pardern überlassen, damit Platz wird für Neues, für Heil? Vielleicht ist das neue Jahr ein Schritt dorthin.

Gott sei immer mit uns!
Ulf von Kalckreuth