Da aber Pharao sah, dass er Luft gekriegt hatte, verhärtete er sein Herz und hörte sie nicht, wie denn der HErr geredet hatte.
Ex 8,11
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Let my people go!
Gott schickt Mose zum ägyptischen Pharao. Er soll das Volk Israel freigeben. Die Hebräer sind Bausklaven, eine wertvolle Ressource im Land der Pyramiden und der Auftrag hat von vornherein nur geringe Chancen. Noch dazu kündigt der Herr an, er werde das Herz des Pharao verhärten. Auf der anderen Seite aber stattet Gott den Mose mit einer fast unbegrenzten Machtfülle aus — es fällt der unglaubliche Satz (Ex 7,1): Siehe, ich habe dich zum Gott gesetzt für den Pharao, und Aaron, dein Bruder, soll dein Prophet sein.
Und es beginnt ein Schauspiel, dass immer surrealer und gewalttätiger wird, bis die Bühne in Blut ertrinkt. Am Anfang ist es eine Art Wettzaubern. Mose soll seine Kraft beweisen und wirft seinen Stab zu Boden. Eine Schlange wird daraus. Die Weisen und Zauberer des Pharao tun dasselbe: jeder wirft seinen Stab zu Boden und die Stäbe verwandeln sich in lebendige Schlangen. Moses Schlange aber frisst die Schlangen der ägyptischen Zauberer. Der Kern der Geschichte ist sehr alt. Die Zauberkraft der ägyptischen Weisen wird nicht in Abrede gestellt — aber Moses Kraft ist größer.
Ganz wie im Kampf Elias gegen die Baalspriester. Mose und die ägyptischen Zauberer wetteifern, und der Pharao ist Herr und Richter in diesem Wettkampf. Bei ihm liegt die Macht — scheinbar.
Nun bringt Mose Plagen über das Land. Die Gewässer werden in Blut verwandelt. Die Biosphäre verwandelt sich in Frösche. Auch in diesen beiden Runden vermögen die ägyptischen Zauberer noch, es dem Mose nachzutun. Auf Bitten des Pharao nimmt Mose die Plagen wieder zurück. Das Herz des Pharao aber verhärtete sich, so heißt es Mal um Mal, so auch in unserem Bibelvers oben.

Dann kippt das Bild. Die dritte Plage, Stechmücken, vermögen die Zauberer nicht nachzutun. Sie warnen den Pharao: das ist Gottes Finger! Bei der Beschreibung der nächsten beiden Plagen, Stechfliegen und Viehpest, werden sie nicht erwähnt. An den Blattern schließlich erkranken die Zauberer selbst und können Mose nicht mehr gegenübertreten. Ein letztes Mal warnen seine Weisen den Pharao — umsonst.
Neues Level — kein Wettzaubern mehr. Vor dem König spielt sich nun eine Folge von Szenen ab, die immer stärker an die Apokalypse erinnern. Um sein Volk und sich selbst zu retten, muss er nachgeben — aber er kann es nicht. Gott macht es ihm unmöglich. Im BdW 25/2025 wird beschrieben, wie Gott Macht ausübt, indem er das mentale Koordinatensystem der vordergründig „Mächtigen“ verschiebt. Der eigentliche Plot des Dramas enthüllt sich: Der Pharao ist in Wahrheit gänzlich machtlos.
Die letzte der Plagen schließlich kostet alle männlichen erstgeborenen Kinder der Ägypter das Leben. Dann lässt der Pharao die Israeliten ziehen. Gott macht sich mit seinem Volk auf den Weg.
Die Geschichte steht am Anfang der großen Befreiungstat Gottes. Ja. Aber ich habe kein gutes Gefühl, wenn ich sie lese und an die Mächtigen der Welt denke, die Präsidenten Putin, Trump und Xi, oder an Führer wie Netanjahu und Kim Jong-un. Ist es denkbar, dass der Glaube dieser Männer an ihre eigene unumschränkte Macht in Wahrheit eine Strafe Gottes ist? Wenn ja, für wen? Wie geht das Spiel an der Straße von Hormus weiter und im Luftraum über der Ukraine und am Boden, wo die Menschen sterben? Kann denn da am Ende etwas Gutes stehen?
Der Herr sei mit uns und verschone uns!
Ulf von Kalckreuth
PS: Ich werde alt und der Blog auch. Beim Korrekturlesen und Nachsuchen stelle ich fest, dass es zu Ex 8 bereits eine durchaus verwandte Betrachtung gibt, den BdW 44/2019 — fast sieben Jahre alt, noch vor Corona! Der Vergleich ist interessant. Das unangenehme Gefühl bei der Geschichte hatte ich schon damals. Aber ich hatte ich keine Anschauung in der Politik, die Pointe ist deshalb eine andere. Und ja, ich kann wohl nicht Woche um Woche die Schrift kommentieren, ohne mich zu wiederholen.




