Ja, Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern, den Haarschädel derer, die da fortfahren in ihrer Sünde.
Ps 68,22
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Gottes Feinde
Starker Tobak, nicht wahr? Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern, den Haarschädel derer, die da fortfahren in ihrer Sünde. Da wächst nichts mehr, kein Gras und auch kein Haar.
Psalm 68 ist ein Lied vom Sieg Gottes. Wir hatten daraus früher schon den BdW 17/2022, ich bitte Sie, hineinzuschauen, dort ist der Psalm auch vollständig wiedergegeben. Nur zwei Wochen später gab es den BdW 19/2022, ein Vers, der dem jetzt gezogenen unmittelbar folgt.
Ein altorientalisches Lied vom Siege Gottes, als großer König seines Volks und der Welt, und als Herrscher, der sich um die Seinen liebevoll kümmert, um die Schwachen zuvörderst. Die Härte unseres Verses ist sicherlich auch durch diese Form bedingt — die Siege der Könige über ihre Feinde wurden seinerzeit mit sehr starker Sprache gefeiert.
Heute singen und beten wir nicht mehr auf diese Weise. Ähnliche Schwierigkeiten gibt es mit den Stellen, die von den persönlichen Feinde des Betenden handeln. Im Psalter wird kaum eine Verwünschung, kaum ein Todesfluch ausgelassen. Im Gottesdienst werden solche Verse vermieden, aber es gibt sie, und sie sind hier wiederkehrendes Thema, siehe erst vor kurzem den BdW 05/2026.
Hier nun die Feinde Gottes… wer oder was ist das? Was auffällt, ist die Körperlichkeit des Verses, die physische Unmittelbarkeit. So spricht man nicht über Abstraktes: „die Sünde“, „die Häresie“, „den Götzendienst“. Wer so dichtet und singt, hat etwas oder jemanden sehr konkret vor Augen, dessen Haarschädel er zerschmettert sehen will, in unbändiger Vorfreude. Bei der Betrachtung habe ich zwei Zugänge gefunden. Vielleicht finden Sie eigene.
Das Neue Testament, beschreibt das Leben der Nachfolger Jesu als Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Im Epheserbrief wählt Paulus martialische Bilder:
Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph 6,12-17)
Ein Freund, der mit seiner Familie in schwierigem Fahrwasser ist, sprach in der vergangenen Woche davon, dass all die existenziellen Angriffe, Krankheit, Unsicherheit, Überforderung, nicht auf diese Welt gehören. Das ist nicht Gottes Wille. „Und wir müssen dies beten“, sagt er. „Dies hier ist Jesu Land, hier haben die Feinde nichts zu suchen. Wir müssen es klar sagen, wir müssen unsere Grenzen ziehen und verteidigen. Geht fort, geht woanders hin! Im Namen Jesu, Amen!“
Da habe ich recht deutlich unseren Vers gehört, in der moderateren Sprache unserer Zeit. Und ich wiederhole es gern hier, für ihn und seine Familie und auch für die meine. Amen.
Aber vielleicht ist es noch konkreter? Könnten ganz bestimmte Feinde Gottes und Israels gemeint sein? Ausländische Herrscher, die das Land bedrohen, Tyrannen, Unruhestifter?
Man darf davon ausgehen, dass solche Feinde Gottes keine Menschenfreunde sind. Wie würde eine ukrainische Mutter diesen Psalm lesen? An wessen Haarschädel müsste ein russischer Regimegegner denken? Die Opfer Epsteins und seiner Partnerin, Ghislaine Maxwell, wen wohl hätten die vor Augen? Und wäre denn das falsch, unchristlich?
Wer Gottes Feind ist, das weiß nur Gott allein. Aber es ist uns erlaubt, Vermutungen zu bilden. Und ja: Gott wird seine Feinde vernichten. Das ist es. Und daran läßt die Bibel nirgends den geringsten Zweifel.
Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche — die Feinde Gottes ausgenommen!
Ulf von Kalckreuth






