Bibelvers der Woche 37/2026

Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.
Joh 4,38

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Liebe Leserinnen und Leser, dies ist ein Gastbeitrag von Yessenia Astheimer. Yessenia ist Studentin der Evangelischen Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt. 

Einleitung

Die Worte aus Joh 4,38 hier, das sind Worte Jesu, die er an seine Jünger richtet, kurz nach seinem Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,1- 42). 

Die Jünger waren währenddessen in die Stadt gegangen, um etwas zu essen zu besorgen (Joh 4,8) und hatten bei ihrer Rückkehr die weibliche Gesprächspartnerin von Jesus Christus wohl knapp verpasst, denn diese war gerade wieder ins Dorf gerannt, um alle anderen ebenfalls einzuladen, ihn kennenzulernen (Joh 4,28-29). 

Mit Essen beginnt auch die Unterhaltung der Jünger mit ihrem “Rabbi” (Lehrer) in Joh 4,31: 

Rabbi, iß! 

Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset. Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu Essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: 

Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. 

Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte? 

Siehe, ich sage euch: 

Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte. Und wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da sät und der da schneidet. 

Denn hier ist der Spruch wahr: 

Dieser sät, der andere schneidet. 

Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen. 

Inzwischen ist auch die Frau mit den Leuten ihres Dorfes wiedergekommen und es heißt: “Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus der Stadt um des Weibes Rede willen” (Joh 4,39). 

Sie bedrängten ihn, noch bei ihnen zu bleiben, was er auch tat. Dann zog er nach zwei weiteren Tagen mit seinen Jüngern weiter. 

In diesem Kontext steht die ausgeloste Stelle für diese Woche aus Joh 4,38. 

Es sind die Worte Jesu Christi, der zu seinen Jüngern sagt: 

“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Die Formulierung aus der Übersetzung aus der Lutherbibel von 1912 meint mit “schneiden” hier effektiv “ernten”, daher ist es so in einigen moderneren Übersetzungen auch genauso gesagt, denn wie “erntet” man ein Getreidefeld? – Indem man die Ähren “schneidet”. 

Ernte

Doch was ist die Ernte, um die es hier geht? 

Wie bereits gezeigt, steht dieses Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern hier nicht im luftleeren Raum. 

Es ist eingebettet in die Geschichte mit Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen, denn diese Frau dient hier als Beispiel. 

Was ist die Ernte, um die es hier geht? — Es sind die Menschen. 

Jesus Christus hatte mit dieser Frau viele theologische Themen angesprochen, unter anderem die richtige Anbetung, die Notwendigkeit des Heiligen Geistes und die Offenbarung von Ihm selbst als Messias. 

Dann ist sie ins Dorf gerannt, um Menschen einzuladen. 

Das kurze Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern folgt. 

Danach geht es weiter damit, dass viele aus dem Dorf zum Glauben kamen wegen der Worte der Frau. 

Die Ernte bezieht sich also auf den Menschen selbst. 

Es ist erst diese Frau, die durch Jesus Christus “geerntet” wurde, denn so beginnt auch dieser Abschnitt: 

“Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset.” 

Was ist diese Nahrung? 

Auch die Jünger sind verwirrt. 

“Hat ihm jemand zu essen gebracht?” 

Doch Jesus sagt: 

“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.” 

Und wer die Ernte einbringt, erhält seinen Lohn: 

“Und wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben” 

Jesus Christus selbst hat die “Ernte” hier eingebracht, in Bezug auf die Frau, denn sie war so verloren und kannte ihn nicht, doch jetzt erkennt sie Ihn: “Kommt, seht einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!” (Joh 4,29). 

Und daher hat Jesus Christus, salopp gesagt, keinen Hunger, denn Er spricht:

“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.” 

Ist so nicht auch dies Sein Lohn? — Die Freude daran, den Willen Seines Vaters zu tun. 

Doch so jedenfalls steht dieses Gespräch zwischen Jesus und Seinen Jüngern nicht im luftleeren Raum, denn es ist eingebettet in diese Geschichte mit Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen, denn sie dient hier als Beispiel. 

“Dieser sät, der andere schneidet. 

Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Die Frau steht hier für einen Menschen, der “geerntet” wurde. 

Doch ich glaube, die Frau steht hier auch exemplarisch für diesen Menschen, der eine einfache Handlung vollzieht, hier eine Einladung ausspricht, und dabei die Ernte einfährt. 

Jesus Christus hatte allen spirituellen und auch theologischen Background. 

Er sah sie an, sah diese “zufällige” Person da am Brunnen, war womöglich gar extra diesen Weg gegangen, nur um mit ihr zu sprechen, weil Seine Einsicht so unfassbar groß ist und Er einfach wusste, schon bevor Er sie direkt vor sich sah, dass sie da sein würde. 

Er sah sie an und sah doch so viel weiter als nur ihr äußerliches Gesicht. 

“Kommt, seht einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe” 

Er wusste, wer sie war und was sie getan hatte, auch ohne, dass sie es ausdrücklich sagte. 

Er wusste, warum sie mitten am Tag in der Mittagshitze kam, obwohl die Dorfgesellschaft im Morgenkühl wohl schon gemeinsam gekommen war. 

Er wusste, warum sie hier nicht Teil der Gemeinschaft war. 

Er hatte sämtliche prophetische Einsicht, und er ließ seine Fähigkeiten nicht ungenutzt, um zu dieser Frau zu sprechen. 

Und so hat Er sie für sich gewonnen. 

So wurde sie “geerntet”. 

Sie rannte einfach nur voller Begeisterung zu den Leuten ihres Dorfes. 

Sie nutzte keine große Überzeugungsarbeit und besonders beeindruckende Argumentation voller Symbolik. Auch von einer prophetischen Gabe wird bei ihr nicht berichtet. 

All dies hat Jesus Christus doch bei ihr eingesetzt, 

doch sie sagte einfach nur: ‚Kommt und seht‘, und brachte ihre Leute zu Ihm. 

“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Sie hat die Ernte eingefahren, für die sie selbst nicht gearbeitet hat. 

Sie hat die Ernte eingefahren, obwohl sie selbst gerade erst “geerntet” wurde. 

Sie hatte selbst nicht wirklich Ahnung, was sie da überhaupt tut, so wie auch viele Neubekehrte oft noch nicht so viel Ahnung haben, 

und doch ist der begeisterte Enthusiasmus eines Menschen oft so effektiv, der gerade erst Jesus Christus kennengelernt hat und es mit allen teilt, all seinen Freunden und Bekannten und sonstigen Menschen, die da gerade auf der Straße in seinem Dorf umherlaufen. 

Sie hatte noch nicht wirklich viel Ahnung von besonders viel, und doch ist sie im Rahmen der gelosten Stelle für diese Woche ein zweifaches Beispiel, 

denn die Ernte, um die es hier geht, das sind die Menschen. 

Sie selbst wurde “geerntet” und auch sie selbst durfte schon “ernten”. 

Und so ruft Jesus Christus auch Seine Jünger auf, am Einbringen dieser Ernte teilzuhaben: 

“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Das Werk 

Welches ist diese “Arbeit”, in die der Jünger von Jesus Christus kommt? 

Wir haben geklärt, was die “Ernte” ist, doch welches ist die “Arbeit”, in die wir uns einbringen sollen? 

Was ist das “Werk”, um das es hier geht, denn auch das “Werk” ist nur ein anderer Ausdruck für “Arbeit”. 

Jesus spricht von einem “Werk”, das vollendet werden soll: 

“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.” 

Das “Werk” ist das “Werk” von Gott, unseres Herrn, denn es ist das Werk “des, der mich gesandt hat”, und wer Jesus Christus gesandt hat, das ist Gott, der Vater. 

Und Er spricht von dieser Vollendung des Werkes und verweist direkt danach auf die Ernte: 

“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. 

Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte? 

Siehe, ich sage euch: Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte.” 

Warum verweist er vom “Werk” direkt auf die “Ernte”? 

Denn die “Ernte” ist Teil des Werkes und das Werk soll vollendet werden. 

Das Einbringen der Ernte gehört total dazu. 

Niemand sät ein Feld, sodass es nicht geerntet werden soll. 

Am Ende des Gespräches heißt es: “Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Wir sind gesandt zu schneiden, was wir nicht gearbeitet haben. 

Das “Werk” ist einfach die Arbeit, das Feld zu bestellen. 

Zur Bestellung des Feldes gehört die Aussaat, noch vieles, vieles mehr, und es gehört die Ernte dazu. 

Niemand besät ein Feld, das nicht geerntet werden soll.

Denn was ist mit dem Feld, das besät, doch nicht geerntet wurde? 

“Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Doch bei dem Feld, das besät und nicht geerntet wurde, war da die Arbeit der anderen nicht umsonst? 

All die Zeit und Mühe, all die Geduld und investierten Gebete, und dann war die Ernte reif, und blieb stehen, schließlich überreif, und blieb stehen, bis dass sie schließlich zugrunde geht. 

Niemand besät ein Feld, das nicht geerntet werden soll, sonst war all die Arbeit vergebens. 

Ich glaube, die Wahrheit ist, 

das Einbringen der Ernte gehört genauso dazu wie die Aussaat. 

Beides ist notwendige Arbeit. 

Beides ist Teil des Werks. 

Wo beginnt dieses Werk? 

Auch vor der Aussaat ist auf dem Feld bereits eine Unmenge an Arbeit. 

Doch vollendet wird es mit der Einbringung der Ernte. 

Diese Einbringung ist das Werk des Herrn, 

und dennoch sind wir, wie so oft, in dieses Werk mit hineingenommen, denn Jesus Christus selbst spricht zu Seinen Jüngern: 

“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.” 

Die Erntezeit 

Und wann soll diese Arbeit erfolgen? 

Wann ist die Zeit des Säens? Wann ist die Zeit der Ernte? 

Über das Säen ist an anderen Stellen viel gesagt, doch hier sagt Jesus Christus auch etwas zur Zeit der Ernte: 

“Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte? 

Siehe, ich sage euch: 

Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte.” 

Die Zeit der Ernte ist jetzt. – Jetzt ist die Zeit. 

Der Mensch denkt so oft, 

in vier Monaten, in zwei Wochen noch, morgen, übermorgen, vielleicht nächstes Jahr. 

Lass uns noch dies und jenes erledigen. Wir müssen erst noch ein Konzept erarbeiten, Daten evaluieren und Gebäuderahmenpläne erstellen, und dann … Dann müssen wir noch eine Fortbildung in “Evangelisation im 21. Jahrhundert” machen. – Sowieso. Was soll ich überhaupt sagen? 

Doch Jesus Christus sagt: 

“Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte? 

Siehe, ich sage euch: 

Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte.” 

Effektiv sagt Er hier: Jetzt ist die Zeit. – Die Zeit der Ernte ist jetzt. 

Das erinnert mich persönlich auch an eine Zusage, die wir im Rahmen einer Gebetseinheit erhielten: 

“Revival is now” — “Erweckung ist jetzt”! Doch warum sehen wir das oftmals an so vielen Stellen nicht? 

Ich denke, 

vielleicht liegt es auch daran, dass wir diese Einladungen an so vielen Stellen auch einfach nicht aussprechen. 

Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir uns oftmals einen so großen Kopf darum machen, was soll ich eigentlich sagen? 

Doch die Frau hier in der Geschichte sagte einfach, “Kommt, seht” (Joh 4, 29) und fast das ganze Dorf kam, um zu sehen und lernte Jesus Christus persönlich kennen. 

Vielleicht liegt es auch daran, dass wir das große ungeerntete Feld sehen und so wie die Frau direkt ein ganzes Dorf auf einmal wollen, doch uns dann bei dieser einen Frau am Brunnen nicht die Zeit nehmen wollen für ein ausführliches Gespräch. 

Und so verpassen wir auch den Segen, an dem wir uns mithilfe dieser einen einzelnen Frau hätten erfreuen können. 

“Revival is now” — “Erweckung ist jetzt”! Doch warum sehen wir das oftmals an so vielen Stellen nicht? 

Ich denke, die Wahrheit ist, 

wir sehen es vielleicht auch daher an so vielen Stellen, an so vielen Orten nicht, weil wir einfach nicht “ernten” …

Doch welche Gnade ist es, dass wir so einen großen und wunder-vollen Gott haben, dessen Gnade und Barmherzigkeit und Treue jeden Tag neu sind, und der uns ruft, nicht nur einmal am Anfang aller Zeit, nicht nur einmal in dem Moment, in dem wir Ihn erstmalig hören, sondern immer und immer wieder, beständig, und tag-täglich. 

Halleluja. 

Gebet

Herr, 

und so möchten wir zu Dir beten. 

Bitte komm mit Deinem Heiligen Geist. 

Danke, dass Du so groß bist und so vergebend und so geduldig und dass Du immer und immer wieder zu uns sprichst und nach uns rufst und auch durch Deine Schriften zu uns sprichst. 

Bitte zeig uns heute ganz besonders und ganz neu auch einfach, was für jeden Einzelnen von uns gerade dran ist. 

Sollen wir losrennen, eine Predigt vor vielen Menschen halten? Sollen wir unseren Nachbarn auf eine Tasse Tee einladen, um mit ihm die beste Nachricht ever teilen, oder was ist es, das jeder Einzelne von uns gerade heute tun kann, um nach Deinem Willen zu handeln? 

Bitte komm mit Deinem Heiligen Geist und erfüll uns, sprich ganz deutlich zu uns, hilf uns, Dich zu verstehen, und hilf uns, dass wir Deinem Wort dann auch folgen. 

Danke, dass Du da bist, 

und danke, dass Du so geduldig bist, 

und danke, dass wir alle Dir so wichtig sind! 

Amen. 

Persönliches 

Herzlichen Dank für das Lesen dieser kleinen nicht ganz so kurzen Andacht! 

Mein Name ist Yessenia, ich studiere Evangelische Theologie an der Goethe-Uni in Frankfurt am Main.

Ulf und ich lernten uns in dem beeindruckenden Gebäude der Diakoniekirche in Frankfurt kennen. Uns verbindet beständig die Frage, was es ist, das Gott sich hier für dieses Gebäude, die Community und die Menschen, die dort leben, wünscht und was es genau ist, das wir dort tun können/dürfen/sollen. – Betet gerne mit. 

Ansonsten spiele ich gerne Tennis, lese gerne, engagiere mich in meiner Kirchengemeinde vor Ort und in der Stadt, in der ich lebe, und auch ich schreibe gelegentlich auf meinem eigenen kleinen theologischen Blog. Gerne mal vorbeischauen:

http://theology4everyone.com/ 

Herzlichen Dank auch an den lieben Ulf für diesen Gastbeitrag hier. Bis bald allerseits! 

Love and Prayers, 
Yessenia Astheimer

Bibelvers der Woche 29/2026

…und besehet das Land, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt, ob’s stark oder schwach, wenig oder viel ist;…
Num 13,18

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Seid mutig!

Nachdem die Hebräer zwei Jahre lang durch die Wüste gewandert sind, nähern sie sich dem großen Ziel: dem Gelobten Land, das Gott versprochen hat. Die Vision, die sie gemeinsam mit sich tragen, wird nun erstmals mit der Realität konfrontiert.

Ein gefährlicher Augenblick. Kann die Vision bestehen?

Mose schickt Kundschafter aus. Hier ist Num 13, 17-20a, nach der Lutherbibel 1984: 

Als sie nun Mose aussandte, das Land Kanaan zu erkunden, sprach er zu ihnen: Zieht da hinauf ins Südland und geht auf das Gebirge und seht euch das Land an, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt, ob’s stark oder schwach, wenig oder viel ist; und was es für ein Land ist, darin sie wohnen, ob’s gut oder schlecht ist; und was es für Städte sind, in denen sie wohnen, ob sie in Zeltdörfern oder festen Städten wohnen; und wie der Boden ist, ob fett oder mager, und ob Bäume da sind oder nicht. Seid mutig und bringt mit von den Früchten des Landes.

Das ist ein Schlüsselmoment. Wenn man aufgefordert ist, die Zukunft zu betrachten — in welcher Haltung sollte man es tun? Mose gibt seinen Kundschaftern das Wichtigste mit: Seid mutig! 

Sie sind es nicht. Sie sehen mächtige Städte in Kanaan, gewaltige Krieger, unüberwindliche Hindernisse, sie entwickeln Zerrbilder und Angstvorstellungen und erfinden — gewollt oder ungewollt — noch Phantastereien hinzu, Riesen gar. Nur zwei der Späher, Kaleb und Josua, bleiben objektiv und ruhig. Die Einnahme des Landes sei möglich, sagen sie. 

Aber die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Für das Volk ist ein weiteres Vorgehen völlig undenkbar.  Eine Revolte bricht aus. Da erscheint die Herrlichkeit des Herrn über der Stiftshütte. Mose hat Mühe zu verhindern, dass Gott sein Volk tötet. Die Israeliten müssen zurück in die Wüste, urteilt Gott, und dort bleiben, bis sie sterben. Erst ihre Nachkommen werden das Gelobte Land sehen — und Kaleb und Josua. 

Vierzig Jahre lang wandern die Israeliten durch die Wüste Zin, im Kreis, ohne Perspektive. Das Bild einer kollektiven Depression!

Manchmal öffnet sich die Landschaft und wir können einen Blick auf Möglichkeiten in der Gegenwart und der Zukunft werfen. Ein Studium vielleicht, ein Wohnort, ein Mensch, der in unser Leben tritt, eine Gemeinde, eine neue Aufgabe. Wir dürfen dann nicht durch die Brille unserer Vergangenheit hinschauen. Sonst sehen wir nicht das Neue, das vor uns liegt, Gottes Geschenk, sondern nur unsere eigenen Ängste, 

Dann laufen wir im Kreis, in einer Wüste, in der wir nie leben wollten, so lange vielleicht, bis es vorbei ist und wir gar nichts mehr sehen.

Herr — hilf uns zu sehen, was ist, nicht wovor wir Angst haben! 
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 28/2026

Und niemand müsse ihm Gutes tun, und niemand erbarme sich seiner Waisen.
Ps 109,12

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Segnen, Fluchen und Beten

Wir haben aus einem Fluchpsalm gezogen. Es ist einer der fünf Psalmen, die von der katholischen Kirche aus dem Stundenbuch für das mönchische Beten getilgt wurden, weil sie die christliche Botschaft verdunkeln können. 

Dennoch sollten Sie nun dem Link zum Psalm folgen, damit Sie sehen, worum es geht. Der zweite Abschnitt enthält einen langen Fluch. Der dritte Abschnitt gibt uns eine Vorstellung davon, was den Psalmisten dazu bringt, so zu beten. 

Psalmen sind Lieder vom menschlichen Reden zu Gott. Und solches Reden handelt durchaus nicht nur von Themen, Bitten und Wünschen, die uns als angemessen erscheinen. Menschen haben Angst. Menschen lernen hassen. Und auch dann rufen sie Gott zu Hilfe.. 

Ein Fluch ist, wie ein Segen, kein einfaches Gebet. In den älteren Teilen der Bibel geht von ihnen eine autonome Wirkung aus, wie von einem Steinwurf. In den Vätergeschichten gibt Isaak dem Jakob irrtümlich den Erstgeburtssegen. Er kann aber diesen Segen nicht zurückrufen, obwohl sein Sohn ihn betrügt und Isaak es im Nachhinein klar erkennt. Jahrzehnte später ringt Jakob am Jabbokfluß mit einem Engel, um mit Gewalt dessen Segen zu erzwingen.

Im Kontext eines magischen Verständnisses ist das Beten eines Fluchpsalms vergleichbar mit der heimlichen Gabe von Gift. Psalm 109 wurde im Mittelalter zum „Totbeten“ von persönlichen Feinden eingesetzt. Dabei wurde auch die Unterstützung von Geistlichen in Anspruch genommen.

Was Ist denn ein Fluch? Welche Realität steckt dahinter? Manches wird an den Rändern deutlich, und das ist so ein Rand. Ich denke nicht magisch. Wie viele aber glaube ich, dass unseren Gebeten Kraft zukommt, dass sie wirken können in unserem Leben und dem Leben anderer. Das passt nicht recht zu der Vorstellung, dass Gott völlig autonom allwissend, allmächtig und allgütig über unser Leben und Schicksal entscheidet. Dann käme es auf unser Gebet nicht an. Wenn wir beten, nehmen wir etwas von Gottes Macht in Anspruch. Es ist eine Art Mitverantwortung. Und vielleicht haben unsere Worte solche Macht nicht nur zum Guten. Vielleicht werden wir am Ende nicht nur gefragt, was wir getan, sondern auch, was wir gebetet haben — und was nicht.

Wie wir zu unseren Kindern und unseren Mitmenschen sprechen, greift in ihr Leben ein. Worte haben Kraft und Macht. Mit Worten erschafft Gott die Welt, mit Worten heilt Jesus Kranke und lässt Tote auferstehen. Unsere geistige Welt konstituiert sich vor allem durch Worte. Wir müssen auf unsere Worte achtgeben.

Der gezogene Vers soll dem Todfeind die Hilfe und den Schutz seiner Gemeinschaft nehmen. Im zweiten Teil, „… und niemand erbarme sich seiner Waisen“, wird nicht nur implizit des Feindes Tod beschworen. Der Halbvers weist darüber hinaus: auch Söhne und Töchter sollen ausgestoßen und ohne den Schutz der Gemeinschaft leben.

Wie in einem fotografischen Negativ listet der Psalm auf, was Glück ausmacht. Es sind eben die Dinge, die dem Feind genommen werden sollen:

  • Gerechtigkeit und Rechtssicherheit in der größeren Gemeinschaft,
  • eine angesehene soziale Stellung,
  • ein langes Leben in Gesundheit,
  • Sicherheit und Auskommen für die Familie, Frau und Kinder, 
  • Wachstum und Gedeihen der Nachkommen,
  • finanzielle Selbstbestimmung und Freiheit von drückenden Schulden,
  • Einbindung in die Gemeinschaft, zuverlässige Unterstützung aus dem Umfeld, auch für die Liebsten (unser Vers),
  • Gottes Vergebung für die Sünden der Eltern, denn sie wirken weiter, 
  • Gottes Segen in allem.

Mir bleibt an dieser Stelle eins: uns all dies zu erbitten, in Gottes reichem Segen. In dieser Woche und immer!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 26/2026

…und ganz Israel musste hinabziehen zu den Philistern, wenn jemand hatte eine Pflugschar, Haue, Beil oder Sense zu schärfen.
1 Sam 13,20

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Freiheit, die ich meine

Haben Sie es auch gelesen? Die amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump hat hinsichtlich der KI-Modelle Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 jegliche Nutzung durch „ausländische Staatsangehörige“ verboten. Angeführt werden „Sicherheitsgründe“, ohne weitere Erläuterungen. Der US-Anbieter Anthropic hat die beiden Modelle daraufhin vom Markt genommen. 

Längst ist der Zugang zu den Grundlagen und Komponenten für IT zur scharfen Waffe im globalen Machtkampf geworden. China setzt diese Waffe ebenso ein wie die USA. Künstliche Intelligenz ist Schlüsseltechnologie. Kulturgeschichtlich wird man einst unsere Zeit nach ihr benennen: Wir stehen heute am Beginn der KI-Zeit. Gegen 1200 v. Chr. begann im Nahen Osten die sogenannte Eisenzeit. Mit Eisen wurde vieles möglich und alles einfacher: in der Landwirtschaft, der Waffentechnik, demTransportwesen. Eisen war Hi-Tech und Schmiede waren angesehene Spezialisten. Denken Sie an Wieland den Schmied und an Daedalos.

Die Israeliten waren ihrem Schicksal als Bausklaven in Ägypten entflohen. Über Jahrzehnte hatten sie nomadisierend in der Wüste gelebt, bis sie in Kanaan Fuß fassen konnten. Die Erzählung der großangelegter Eroberung weiter Teile des Landes im Buch Josua ist nicht vollständig, um das mindeste zu sagen. In den Bergen Judäas lebten die Hebräer zurückgezogen und in Abhängigkeit von den Philistern. Diese hatten an der Küste fünf reiche Stadtstaaten gegründet und kontrollierten den Handel über das Meer ebenso wie die Verkehrswege von Norden nach Süden in der Ebene.

Die Hebräer auf ihren kargen Bergen unterlagen nicht formal der Herrschaft der Philister, aber — frei waren sie nicht. Sie durften keine Waffen aus Eisen besitzen und Geräte aus Metall nicht selbst herstellen, oder bearbeiten, ja nicht einmal ihre Sensen durften sie selbst schärfen. Das Bergland war durchsetzt von philistäischen Befestigungen.

Eisenbearbeitung verboten! Ein Messer und ein Schleifstab. Illustration zu Sam 13,
Eisenbearbeitung verboten!

Solche Beschränkungen gab es auch in der europäischen Kolonialzeit. Die Briten verteuerten durch Zölle und Steuern die indischen Textilwaren, so dass die indische Textilindustrie unterging — zugunsten der englischen. In vielen afrikanischen Kolonien verhinderten die Kolonialherren bewusst die Entstehung von Schwerindustrie. 

Für die Philister waren die Hebräer marginalisierte, auf Viehwirtschaft beschränkte Bergbewohner, eine Bedrohung der Sicherheit, weil sie in der Sommerdürre immer wieder einmal ins Tiefland einfielen. 

Sklaven waren sie nicht mehr, aber sie verfügten nicht selbst über die Grundlagen für ihre Entwicklung. 

In Sam 13 wird weiter erzählt, wie Jonathan, der Sohn Sauls, mit seinem Schwertträger eine wundergleiche Einzeltat vollbrachte und damit in einer atemberaubenden Kaskade die latenten Kräfte des Volks freisetzte. Das durfte ich im vergangenen Jahr ausführlich kommentieren, siehe den BdW 09/2024

Unser Vers erinnert in diesem Zusammenhang daran, was Freiheit wirklich ist: nicht die Freiheit von Läusen und Krankheit, und auch nicht die Freiheit zum Strandurlaub, sondern die Freiheit, die eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen. Autonomie.

Diese Freiheit ist ein Gottesgeschenk, vielleicht das größte, und es will erworben, bewahrt, genutzt, verteidigt und entwickelt werden.

Kollektiv und individuell. Und wenn wir alt werden, bis zum Tod.

Morgen ist der längste Tag des Jahres. Ein Höhepunkt aus Licht. Und das ist der Wunsch für diese Woche und auch den Rest dieses Jahrs: Der Herr helfe uns, unsere Freiheit zu finden und richtig zu gebrauchen. 
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 19/2026

Sehet zu, dass ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit in das Angesicht meines Vaters im Himmel.
Mt 18,10

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Werden wie die Kinder…!

Worauf kommt es an? Die Jünger Jesu streiten sich. Sie denken an die Welt hinter der Welt, aber worum sie sich sorgen, ist der Platz, den sie dort einnehmen. Wer von ihnen ist der Größte? Vielleicht ist es ermutigend, dass den Schülern Jesu solche Fragen wichtig sind — dann ist noch Hoffnung für uns. 

Jesus ruft ein Kind, stellt es in die Mitte seiner Schüler und sagt: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Und später: Seht zu, dass ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit in das Angesicht meines Vaters im Himmel. 

Wie die Kinder? Romantik ist fehl am Platz. Kinder sind unverantwortlich. Die Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung bildet sich erst mit der Zeit. Kinder können grausam sein und jähzornig. Sie quengeln und lassen es auf Machtproben ankommen. Die Bullys auf dem Schulhof sind Kinder. Aber in allem sind sie auch das Gegenteil: liebevoll, zugewandt, geduldig und großzügig. Wie wir — sie sind uns recht ähnlich. Und das ist kein Wunder: wir alle waren Kinder und sind es in vielem geblieben. 

Was also meint Jesus? Kinder sind nicht berechnend! Auch diese Fähigkeit entwickelt sich erst langsam. Wir sollen unmittelbar sein. Tun und sagen, was richtig ist. Nicht mit dem Ziel, einen Vorteil zu erreichen. Das ist manchmal schwer zu trennen — man kann ein und dasselbe tun, weil es richtig ist und weil es einen Nutzen verschafft. In einer funktionierenden Marktwirtschaft fällt dies beides oft zusammen: Ein guter Musiker macht Karriere, ein guter Arzt verdient viel Geld.

Wir sollen unmittelbar sein, Kinder des Vaters, Kinder des Lichts. Uns Erwachsenen ist das fast unmöglich. Es geht uns wie dem reichen Jüngling, für den die Pforte zum Himmel stets zu eng ist, was immer er auch tut. Wir sehen unseren Vorteil, wir denken instrumentell, immer ans „um zu“. Es ist leider sehr schwer, sich eine Welt vorzustellen, in der wir das nicht müssten.

Aber es gibt diese Welt. Es ist das Reich Gottes. Gott dem Vater gegenüber wie ein Kind sein. Sein Reich annehmen wie ein Kind, einfach, unreflektiert, jedenfalls bedingungslos. Sich einlassen auf dieses Reich und seine Wirklichkeit. Nicht mit dem eigenen Kopf alles begreifen wollen. Unser Glauben, unsere Sicht des Vaters, sind immer nur ein Bild und nie die Wirklichkeit. Glauben ist deshalb Verstehen jenseits des Verstehens.

Jesus und die Kinder

Wer auf den Herrn vertraut, kann loslassen. Nicht ganz und gar vielleicht, sonst verhungern am Ende Frau und Kinder wirklich. Aber doch ein wenig. Oder auch ein wenig mehr. Und unsere Engel sehn das Angesicht des Vaters im Himmel. 

Psalm 131 sagt es so:

HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig,
und meine Augen sind nicht stolz.
Ich gehe nicht um mit großen Dingen,
die mir zu wunderbar sind.

Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden
wie ein kleines Kind bei seiner Mutter;
wie ein kleines Kind,
so ist meine Seele in mir.

Israel, hoffe auf den HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!

Amen! Der Herr sei mit uns und mit unseren Kindern und mit den Kindern in uns,
Ulf von Kalckreuth

P.S. Vor vielen Jahren habe ich ein Lied geschrieben zu dieser Bibelstelle, anlässlich der Taufe meines Patenkindes Jannis. Jetzt gerade bin ich erkältet, aber ich nehme gern die Gelegenheit wahr, es aufzunehmen und hier einzustellen. Gucken Sie in ein paar Wochen noch einmal vorbei…