Und dies ist der Stamm des Vaters Etams: Jesreel, Jisma, Jidbas; und ihre Schwester hieß Hazlelponi;…
1 Ch 4,3
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Mit oder ohne Zurücklegen?
Kommt Ihnen hier etwas bekannt vor? Treue Leser des Blogs sagen jetzt sofort „Ja!“. Es ist noch keine zwanzig Wochen her, dass wir denselben Vers gezogen haben. Er stammt aus einer Genealogie. Das Haus Hur wird behandelt, im Stamm Juda. Hur wird hier mit einer Region Judas namens Etam in Verbindung gebracht, und die genannten Kinder Hurs, darunter interessanterweise eine Frau namens Hazlelponi, stehen wohl für wichtige Patrizierfamilien in dieser Landschaft.
Keine der genannten Personen wird in der Bibel noch einmal erwähnt. Sie haben keine Nachkommen, von denen man weiß. Das macht es nicht eben einfach, den Vers zu besprechen. In der Betrachtung dazu habe ich seinerzeit über das Wesen biblischer Genealogien nachgedacht, und darüber, was sie uns heute bedeuten können. Lesen Sie hier bitte zur Vergegenwärtigung 🙂 den BdW 20/2026.
Wie beim letzten Mal bin ich versucht, etwas über die verschollene Hazlelponi zu schreiben, die eine bemerkenswerte Frau war, sonst hätte sie keinen Eingang in die Genealogie gefunden. Frauen tauchen da nur in Ausnahmefällen auf, wie Ruth.
Stattdessen möchte ich darüber nachdenken, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ich ziehe meine Bibelverse nämlich „mit Zurücklegen“. So nennt der Statistiker ein Modell, bei dem ein Ereignis zum Zeitpunkt t die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens desselben Ereignisses zum Zeitpunkt t+1 (und t+2, t+3 usw.) nicht beeinflusst. Mit anderen Worten: Beim Ziehen des Verses tue ich so, als hätte es alle vorhergehenden Ziehungen nicht gegeben. Bei jeder Ziehung steht vor mir die gesamte Bibel, nicht nur die Verse, die ich noch nicht gezogen habe.
Ich muß zugeben, dass ich darüber nicht wirklich nachgedacht habe, als ich mit dem Projekt begann. Wenn man beginnt, ist Ziehen mit Zurücklegen (fast) dasselbe wie Ziehen ohne Zurücklegen. Die Wahrscheinlichkeit, bei der zweiten Ziehung denselben Vers wie bei der ersten zu ziehen, beträgt 1/31.173, das ist nur unwesentlich größer als Null. Mittlerweile aber haben wir 488 unterschiedliche Verse gezogen, rund 1,6% des Gesamtbestands der Lutherbibel 1912. Da beträgt die Wahrscheinlichkeit, einen früher bereits gezogenen Vers ein weiteres Mal zu ziehen, gleichfalls rund 1,6 %. Dann ist es durchaus nicht erstaunlich, wenn das geschieht, das Jahr hat schließlich 52 Wochen. Der Vers 1 Ch 4,3 ist unsere dritte Doublette, siehe hierzu den BdW 34/2025.

Also: richtig oder falsch? Wenn man irgendwann „fertig“ sein wollte, müsste man ohne Zurücklegen ziehen. Jeden neuen Vers nur unter denjenigen, die noch nicht „dran“ waren. So wie man typischerweise ein Buch liest — nicht dieselbe Seite immer wieder. Aber die Bibel ist kein normales Buch. Für zwei Menschen kann ein Vers völlig Unterschiedliches bedeuten. Auch für denselben Menschen, je nachdem, in welcher persönlichen Situation er ihn liest und mit welchem Erfahrungshintergrund. Und welche Gedanken er sich schon gemacht hat. Wer die Bibel liest, steigt nie zweimal in denselben Fluss.
Denken Sie zum Beispiel an die berühmten Worte aus Psalm 23:
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Bewegen Sie sie in Ihrem Kopf, lassen Sie sie wirken. Was bedeuten sie Ihnen heute? Was wäre Ihnen vor einem Jahr dazu eingefallen? Vor zehn Jahren? Vor zwanzig?
Oder der Satz:
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Wie vergeben wir denn unseren Schuldigern? Ein junger Mensch kann das für sich selbst noch kaum überblicken. Aber einige unter uns sind alt genug, die Frage sehr genau zu beantworten…
Mit dem Bibelvers der Woche soll es so sein wie mit der Bibel selbst: Immer soll sie ganz vor uns stehen. Auch wenn uns Hazlelponi dann mehrfach begegnet: Sie sei willkommen!
Ich wünsche uns eine gesegnete Woche,
Ulf von Kalckreuth

Eine Auslegung,die mit einmal lesen nicht genügt.
Erst nach mehrmaligem Lesen kann man die Bedeutung für sich selbst verstehen.
Danke für die Mühen!