Er soll die Lampen auf dem feinen Leuchter zurichten vor dem HErrn täglich.
Lev 24,4
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.
Licht vor dem Herrn
Die Wüste … Ein großer Lagerplatz. Zehntausende Menschen in Sichtweite, viel mehr noch in der unmittelbaren Umgebung. Es ist Nacht, die Feuer erlöschen. In der Mitte des Platzes steht ein großes Zelt über einem kunstvoll gefertigten Gerüst aus Holz. Im Inneren des Zeltes gibt es zwei Bereiche. In einem perfekten Kubus von 10 x 10 x 10 Ellen ist die Gottheit gegenwärtig. Ein Vorhang trennt diesen Raum vom übrigen Heiligtum. Dort stehen ein Räucheraltar, ein Tisch mit Broten und ein großer Leuchter mit sieben Armen. Das Licht in den Lampen dieses Leuchters brennt Nacht für Nacht.
Die Rede ist von der Menorah, die vor dem Allerheiligsten steht, in der Stiftshütte, welche die Israeliten auf ihrer Wanderung durch die Wüste mit sich tragen. Mit dem gezogenen Vers wird der regelmäßige Dienst der Priester an der Menorah angeordnet — Gott beauftragt die Priester, Sorge zu tragen, dass ihr Licht beständig brennt.
Gott braucht kein Licht. Aber Menschen brauchen Zeichen seiner Gegenwart.
Juden feiern Chanukka und gedenken dabei einer wunderbaren Begebenheit. Lange nach der Wüstenwanderung, im Jahr 164 v. Chr., hatten die Heere der Seleukiden den Tempel in Jerusalem besetzt und entweiht. Unter Führung der Makkabäer gelang die Rückeroberung. Eine rabbinische Überlieferung erzählt, dass es kein reines Öl für die Menorah mehr gab. Nur ein einziges Kännchen war geblieben. Ein Wunder geschah: Während der acht Tage, die nötig waren, reines Öl herzustellen, genügte für den riesigen Leuchter dieses eine kleine Kännchen. Die Menorah verlosch nicht.

Licht, von nichts genährt als dem Licht an sich. Juden feiern Chanukka mit einem besonderen Leuchter, der Chanukkia. Sie hat acht Lichter sowie ein neuntes, den Schamasch, mit dem die anderen entzündet werden. Die Kerzen werden nacheinander angezündet, jeden Tag eine mehr, ähnlich wie in den Wochen vor Weihnachten die Adventskerzen. Und oft fallen Chanukka und Advent zusammen.

Mich erinnert Chanukka an die Speisung der Fünftausend. Und das Lichtsymbol haben Christen vielfältig übernommen und weitergetragen. Das Ewige Licht neben dem Tabernakel und auf Friedhöfen. Die Kerzen auf dem Weihnachtsbaum und auf dem Altar. Taufkerzen. Votivkerzen. Das Licht in der Osternacht. Und in einer Schwundstufe vielleicht auch die Kerzen auf der Geburtstagstorte…

Der Herr segne uns und behüte uns. Er lasse sein Licht leuchten über uns, in dieser Woche und immer. Licht, von nichts genährt als dem Licht an sich.
Ulf von Kalckreuth

