…samt dem Speisopfer: zwei Zehntel Semmelmehl, mit Öl gemengt, als ein Opfer dem HErrn zum süßen Geruch; dazu das Trankopfer: ein viertel Hin Wein.
Lev 23,13
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Achtung: diese Betrachtung ist ein Gastbeitrag von Campus Connect an der Uni Frankfurt. Ich freue mich sehr darüber, vielen Dank!
Opfer, Dank und Gott in unserem Leben
Der Vers dieser Woche steht im 3. Buch Mose (Leviticus) und ist damit Teil der Tora, des „Gesetzes“ des Volkes Israels. Der Gesetzescharakter der Tora tritt u.A. im Buch Leviticus besonders ausgeprägt hervor, weil es eine Fülle von Anweisungen zur Gottesdienstpraxis, Reinheitsgeboten, Priesterdienst etc. enthält und so das Leben des Volkes Gottes in Seiner Gegenwart regelt.
So heißt es im Lev 19,2: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ – Der Mensch ist nicht dazu aufgerufen, der Gegenwart Gottes mit Gleichgültigkeit und unveränderter Herzenshaltung zu begegnen, sondern dazu, sich von Seiner Heiligkeit verändern/berühren zu lassen. Gerade der Appell zur Heiligkeit ruft natürlich eine Frage auf: wie kann der unheilige, sündhafte, fehlbare Mensch überhaupt auch nur irgendwie vor Gott bestehen, wie kann er auch nur irgendwie an dieser Beziehung zu Gott, an diesem Leben in Seiner Gegenwart teilhaben?
Kernelement der Beziehung zu Gott im Alten Bund ist die Opferpraxis: „Wenn nun jemand sich an einem dieser Dinge verschuldet, so soll er bekennen, womit er gesündigt hat. Und er soll dem Herrn für seine Sünde, die er getan hat, als Schuldopfer bringen …“ (Lev 5,5–6, Luther 2017). Aus christlicher Sicht wissen wir heute, dass sich Jesus Christus selbst für uns hingegeben hat, sodass all unsere Schuld und Sünde Gottes Blick auf uns nicht mehr trübt. Er selbst hat sich als vollkommenes „Opferlamm“ gegeben für uns. So kennt das christliche Alltagsleben keine Schuldopfer-Praxis mehr, keine Opfergabe zum Festtag, keine Dankopfer mehr. Ist das alles? Inwiefern ist die Opferpraxis auch in der heutigen Zeit in unserer christlichen Glaubenspraxis, in unserem ganz persönlichen Leben ein wichtiger Bestandteil?
Kein Vers steht für sich alleine, daher haben wir ihn im unmittelbaren Kontext zu den umliegenden Versen betrachtet. Konkret geht es in Lev 23 um Regelungen zu verschiedenen Festen des HERRN, die zu Seiner Ehre gefeiert werden sollen. Dazu sollen heilige Festversammlungen einberufen werden. Unser Vers steht in Verbindung zum Fest der Darbringung der Erstlingsgaben (Lev 23, 9-14, Schlachter 2000):
Und der Herr redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und seine Ernte einbringt, so sollt ihr die Erstlingsgarbe von eurer Ernte zum Priester bringen. Der soll die Garbe weben vor dem Herrn, zum Wohlgefallen für euch; am Tag nach dem Sabbat soll sie der Priester weben. Ihr sollt aber an dem Tag, an dem ihr eure Garbe webt, dem Herrn ein Brandopfer opfern von einem makellosen einjährigen Lamm, und das dazugehörige Speisopfer, zwei Zehntel Feinmehl, mit Öl angerührt, ein Feueropfer, dem Herrn zum lieblichen Geruch, sowie das dazugehörige Trankopfer, ein Viertel Hin Wein. Ihr sollt aber weder Brot noch geröstetes Korn noch Jungkorn essen bis zu eben diesem Tag, da ihr eurem Gott diese Gabe darbringt. Das ist eine ewig gültige Ordnung für eure [künftigen] Geschlechter in allen euren Wohnorten.
„Give God your best“ – Gott das Beste geben
Der HERR verordnet hier sehr konkret, wie die Darbringung der Erstlingsgabe stattfinden soll: mit einem Brandopfer für den HERRN, einem Speisopfer und einem Trankopfer. Hier fällt auf, dass alles, was dem HERRN zum Opfer gebracht werden soll, von hohem Wert ist: ein makelloses einjähriges Lamm, zwei Zehntel Feinmehl mit Öl angerührt, ein Viertel Hin Wein. Gott gibt sich nicht zufrieden mit einem unvollkommenen Lamm oder mit Feinmehl, das mit Wasser vermischt wird. Genauso wenig mit irgendetwas Niedrigerem als Wein. Warum gibt Gott so konkrete und anspruchsvolle Anweisungen für die Opfer?
Es geht nicht darum, dass Gott auf materielle Dinge angewiesen ist, sondern darum, was das Opfer ausdrückt. Die Erstlingsgabe zeigt, dass der Mensch Gott an erste Stelle setzt und ihm vertraut als dem Versorger. Indem man das Erste und Beste gibt, erkennt man an: Alles, was ich habe, kommt von Gott. Außerdem macht es die Herzenshaltung offenbar. Jemand, der den HERRN wirklich liebt, wird sich nicht fragen: „Was ist das Mindeste, das ich geben muss?“, sondern vielmehr: „Wie kann ich Gott ehren mit dem, was ich habe?“ Es geht nicht um äußeren Wert im Sinne von Luxus, sondern um echte Hingabe.
Das zeigt sich auch an anderen Stellen der Bibel, etwa beim Bild der armen Witwe, die wenig zu geben hatte, aber alles gab, was sie hatte, Mk 12,43–44:
Jesus aber rief seine Jünger herbei und sagte zu ihnen: „Ich versichere euch, diese Arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gesteckt als alle anderen. Denn die anderen haben nur etwas von ihrem Überfluss gegeben. Aber diese arme Frau, die nur das Nötigste zum Leben hat, hat alles gegeben, was sie besaß.
Der Mensch, der Gott an erste Stelle setzt und Ihm vertraut als Versorger, wird mit Freude sogar mehr geben als notwendig und wird Freude daran haben, dem HERRN sein Bestes zu geben. „Don’t only take – make something great“ – Aus Gottes Gaben etwas machen! „Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und seine Ernte einbringt, so sollt ihr die Erstlingsgarbe von eurer Ernte zum Priester bringen.“
Dies verweist auf die Zeit, in der das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt wurde und viele Jahre durch die Wüste wanderte. In dieser Zeit konnten die Israeliten keinen Ackerbau betreiben und mussten sich auf Gott verlassen. Im verheißenen Land konnten sie dann wieder anbauen.
Wie schon angesprochen, stellt der HERR nun die Forderung, die besten und edelsten Güter, die die Israeliten herstellen konnten oder besaßen, ihm zur Ehre zu opfern.
So zeigt sich, dass Gott möchte, dass das Volk Israel nicht nur dankbar über die Gabe des (Acker-) Landes sein möge, sondern auch, dass es diese Gaben nutzt, etwas Edleres daraus herzustellen und als Dankopfer darzubieten.
Dies erinnert an die Geschichte eines Mannes und seiner Diener. Vor einer längeren Reise gibt er ihnen Talente an Silbergeld. Zwei haben das Geld genutzt und für ihren Herrn vermehrt, der dritte jedoch hat das ihm anvertraute Talent sicher aufbewahrt und nicht vermehrt. Als der Mann wieder zurückkommt, belohnt er die beiden, welche das Silbergeld vermehrt haben. Den dritten jedoch tadelte er. (vgl. Mat 25, 14-30).
Es zeigt: wir sollen dankbar über jegliche Gaben von Gott sein. Jedoch sollen diese Gaben nicht nur angenommen werden. Sie sollen genutzt werden, um mehr daraus zu machen und so bei der Einbringung von eigener Arbeit und Zeit Gott zu ehren. Nimm nicht einfach nur an von Gott, mach etwas Gutes daraus: „Don’t only take – make something great.“
„More than sacrifice – a heart for God“ – Gott sieht das Herz
In der Geschichte von Kain und Abel sehen wir ebenfalls, dass Gott nicht nur auf das äußere Opfer schaut, sondern auf die Herzenshaltung dahinter. Abel brachte von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett, also von dem Besten, was er hatte. Von Kain wird hingegen nur gesagt, dass er von den Früchten des Erdbodens opferte. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht einfach im materiellen Wert, sondern darin, dass Abel im Glauben opferte (vgl. Hebräer 11,4). Gott sah Abel und sein Opfer an — also zuerst die Person und dann die Gabe. So heißt es auch in Gen 4,3-6 (Schlachter 2000):
Und es geschah nach geraumer Zeit, dass Kain dem Herrn ein Opfer darbrachte von den Früchten des Erdbodens. Und auch Abel brachte [ein Opfer] dar von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett. Und der Herr sah Abel und sein Opfer an; aber Kain und sein Opfer sah er nicht an. Da wurde Kain sehr wütend, und sein Angesicht senkte sich.
Doch die Opfer des Alten Testaments konnten die Sünde nicht endgültig wegnehmen, sie wiesen auf das vollkommene Opfer hin, das noch kommen sollte. Die Bibel macht klar: Aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, nicht aus Werken (vgl. Eph 2, 8–9). Echter Glaube bleibt nicht unsichtbar: Er zeigt sich im Leben eines Menschen. Opfer, Gehorsam und Hingabe sind nicht die Grundlage der Rettung, sondern die Frucht eines lebendigen Glaubens. Bloß zu wissen, dass es einen Gott gibt, nützt nichts; auch die Dämonen glauben das (vgl. Jakobus 2, 14-26). Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass wir als Christen Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (vgl. 1. Johannes 4,21). Jesus Christus ist am Kreuz gestorben, als das einzig wahre Sühneopfer, das dem HERRN wirklich wohlgefällig war. Jede Sünde verdient den ewigen Tod (vgl. Römer 6, 23), aber Christus ist für uns gestorben. Jeder, der an ihn glaubt, hat schon jetzt ewiges Leben (vgl. Joh 3, 16 + 36), das heißt nicht mehr als Sklave der Sünde zu leben, sondern zu leben durch den Heiligen Geist, der uns vom HERRN geschenkt wurde.
Daher gilt: Vertraue dein Leben Jesus Christus an, damit auch Du ewiges Leben empfängst.
Gebet
Wir haben heute so viel von der „richtigen“ Herzenshaltung gesprochen. Wie sieht es in Deinem Herzen aus? Lasst uns mit den Worten Davids beten:
Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott: erneuere mich und gib mir die Kraft, dir treu zu sein! Verstoße mich nicht aus deiner Nähe und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir! Schenke mir wieder Freude über deine Rettung und mach mich bereit, dir zu gehorchen! Dann will ich den Gottlosen deine Wege zeigen, damit sie zu dir zurückkehren. Amen.
Zur Reflexion
- Was bedeuten Opfer für uns im „Neuen Bund“ durch Jesus Christus heute? Was bedeutet es für Dich ganz persönlich?
- Was hat Gott Dir gegeben und wie nutzt Du es zu Seiner Ehre?
- Wo erkennst du in Deinem Leben Seine Versorgung? – Bete mit Dank!
Der Herr schütze und behüte uns in dieser Woche,
Campus Connect Frankfurt mit Ulf von Kalckreuth

