Bibelvers der Woche 27/2026

Mich aber erhältst du um meiner Frömmigkeit willen und stellst mich vor dein Angesicht ewiglich.
Ps 41,13

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Wenn, weil oder während? 

Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm! So lautete ein Spottvers meiner Kindheit. Mit etwas bösem Willen könnte man unseren Vers so lesen.

Bei näherer Betrachtung geht es aber um das nackte, irdische Weiterleben. David ist krank, todkrank sogar, und seine Feinde versammeln sich schon und zeigen ihr wahres Gesicht. In seiner Bedrängnis fleht er zum Herrn um Errettung. Er verweist dabei auf seine Habenseite: Er habe sich der Schwachen angenommen und sei „fromm“ gewesen – man könnte hier auch unschuldig, tugendhaft oder integer schreiben.

Warum aber ist es gut, tugendhaft zu leben? Was frommt es? Ich denke immer wieder mal darüber nach. Die Bibel erzwingt es geradezu, siehe die BdW 50/2021 und 03/2025. Und es ist mein dreiundsechzigster Geburtstag. Da darf man mal ein wenig weise sein — wenn nicht jetzt, wann dann?

Wenn

Die erste Antwort lautet: Gesetzestreue bringt Belohnung, Ungehorsam bringt Bestrafung. Es ist die Antwort, die vielleicht auch Kinder erwarten: der klassische „Tun-Ergehens-Zusammenhang“. Auf ihn verlässt sich der Betende in Psalm 41. Er verweist auf seine Tugend, und appelliert gleichzeitig an Gottes Gnade. Er weiß, dass er gegen Gott gesündigt hat und seine aktuelle Lage die Strafe sein könnte. 

Psalm 18,21–25 formuliert das Prinzip in reiner Form, wenn David sagt:

Der HERR tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit; er vergilt mir nach der Reinheit meiner Hände. Denn ich halte die Wege des HERRN und bin nicht gottlos wider meinen Gott. Denn alle seine Rechte hab ich vor Augen, und seine Gebote werfe ich nicht von mir, sondern ich bin ohne Tadel vor ihm und hüte mich vor Schuld. Darum vergilt mir der HERR nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner Hände vor seinen Augen.

Weil

Eine andere Antwort besagt: Das Gesetz an sich ist gut. Es zu befolgen, dient unmittelbar dem eigenen Leben. Das ist für Erwachsene. Hier besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Gesetzestreue und Wohlergehen, der gar kein gesondertes Eingreifen Gottes erfordert – das Gesetz selbst bewirkt ihn. Es verhält sich wie mit der Gesundheit: Wer viel Gemüse, Obst und gute Fette zu sich nimmt, dafür wenig rotes Fleisch, Zucker und Alkohol, wer zudem nicht raucht und sich genug bewegt, fördert sein Wohlbefinden. Das ist die Denkart der jüdischen Weisheitslehre, wie sie das Buch der Sprüche vielfach variiert. Ein wunderbares Beispiel bietet Psalm 19,8–10:

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise. Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen.

Während

Verwandt damit ist eine dritte Perspektive, die mir persönlich die liebste ist. Ich glaube, es ist die Antwort Jesu, wenn es um das rechte Verständnis der Gebote Gottes geht. Wenn wir Gott von ganzem Herzen lieben und uns von seiner Gegenwart verändern lassen, folgt daraus zweierlei gleichermaßen: Zum einen werden wir das Richtige tun wollen, weil wir zu Gott gehören und die Ordnung lieben, in der er sich offenbart. Und wir werden Glück und Frieden finden, weil wir im Einklang mit dem leben, was die Schöpfung durchwebt und durchschwingt.

Die beiden Folgen sind nicht kausal verknüpft. Wir sind nicht glücklich, weil wir das Richtige tun, sondern wir sind glücklich, während wir es tun – beides entspringt parallel unserer lebendigen Verbindung mit Gott. Ein Bild dafür gibt uns Psalm 1,3. Der Mensch bei Gott wird mit einem Baum verglichen, der an Wasserbächen gepflanzt ist:

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, /
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

Das Wasser steht für das Wort und die Nähe Gottes. Weil der Baum an dieser Quelle steht, bringt er saftige Frucht und seine Blätter verwelken nicht. Er gedeiht. Nicht die eigene Tugend, die Frucht, bewirkt das Gedeihen, sondern die Quelle bewirkt beides gleichzeitig.

Existenzangst

Wenn, Weil und Während sind Stufen. Sehr elementar die erste, aufs Weltganze gerichtet die dritte. Aber alle drei haben „ihren“ Raum. Wenn es einem sehr schlecht geht, wenn die Neider am Bett stehen und tuscheln: „Wer so daliegt, steht nicht wieder auf“ – hilft es dann, der Schönheit des Gesetzes nachzusinnen? Oder sich daran zu erinnern, dass Gottesnähe zu einem gelingenden Leben führt? In existentieller Not ist der Mensch pragmatisch. David fleht in Psalm 41 um Hilfe, versichert Gott seine Treue und erinnert daran, dass er sie schon oft bewiesen hat.

Martin Luther war ein erbitterter Feind der Werkgerechtigkeit; darin liegt eine Wurzel der Reformation. Aber als er beinahe starb mit einem Darmverschluss, der ihn von innen her zu erdrücken drohte, als er zu Gott schrie und um Gnade flehte – da hat er gewiss auch Kraft aus dem Bewusstsein gezogen, dass er ein treuer Diener Gottes war und Gott ihn kannte. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Luther liebte die Psalmen; sie waren für ihn die Bibel im Kleinen. Ob er in jenen dunklen Stunden wohl Psalm 41 gebetet hat?

Der Herr schütze uns und helfe uns in der Not, ob wir es nun verdienen oder nicht. Er schenke uns die Kraft, seine Diener zu sein und dabei im Leben zu bestehen. Amen.
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 24/2026

…samt dem Speisopfer: zwei Zehntel Semmelmehl, mit Öl gemengt, als ein Opfer dem HErrn zum süßen Geruch; dazu das Trankopfer: ein viertel Hin Wein.
Lev 23,13

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Achtung: diese Betrachtung ist ein Gastbeitrag von Campus Connect an der Uni Frankfurt. Ich freue mich sehr darüber, vielen Dank!

Opfer, Dank und Gott in unserem Leben

Der Vers dieser Woche steht im 3. Buch Mose (Leviticus) und ist damit Teil der Tora, des „Gesetzes“ des Volkes Israels. Der Gesetzescharakter der Tora tritt u.A. im Buch Leviticus besonders ausgeprägt hervor, weil es eine Fülle von Anweisungen zur Gottesdienstpraxis, Reinheitsgeboten, Priesterdienst etc. enthält und so das Leben des Volkes Gottes in Seiner Gegenwart regelt.

So heißt es im Lev 19,2: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ – Der Mensch ist nicht dazu aufgerufen, der Gegenwart Gottes mit Gleichgültigkeit und unveränderter Herzenshaltung zu begegnen, sondern dazu, sich von Seiner Heiligkeit verändern/berühren zu lassen. Gerade der Appell zur Heiligkeit ruft natürlich eine Frage auf: wie kann der unheilige, sündhafte, fehlbare Mensch überhaupt auch nur irgendwie vor Gott bestehen, wie kann er auch nur irgendwie an dieser Beziehung zu Gott, an diesem Leben in Seiner Gegenwart teilhaben?

Kernelement der Beziehung zu Gott im Alten Bund ist die Opferpraxis: „Wenn nun jemand sich an einem dieser Dinge verschuldet, so soll er bekennen, womit er gesündigt hat. Und er soll dem Herrn für seine Sünde, die er getan hat, als Schuldopfer bringen …“ (Lev 5,5–6, Luther 2017). Aus christlicher Sicht wissen wir heute, dass sich Jesus Christus selbst für uns hingegeben hat, sodass all unsere Schuld und Sünde Gottes Blick auf uns nicht mehr trübt. Er selbst hat sich als vollkommenes „Opferlamm“ gegeben für uns. So kennt das christliche Alltagsleben keine Schuldopfer-Praxis mehr, keine Opfergabe zum Festtag, keine Dankopfer mehr. Ist das alles? Inwiefern ist die Opferpraxis auch in der heutigen Zeit in unserer christlichen Glaubenspraxis, in unserem ganz persönlichen Leben ein wichtiger Bestandteil?

Kein Vers steht für sich alleine, daher haben wir ihn im unmittelbaren Kontext zu den umliegenden Versen betrachtet. Konkret geht es in Lev 23 um Regelungen zu verschiedenen Festen des HERRN, die zu Seiner Ehre gefeiert werden sollen. Dazu sollen heilige Festversammlungen einberufen werden. Unser Vers steht in Verbindung zum Fest der Darbringung der Erstlingsgaben (Lev 23, 9-14, Schlachter 2000):

Und der Herr redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und seine Ernte einbringt, so sollt ihr die Erstlingsgarbe von eurer Ernte zum Priester bringen. Der soll die Garbe weben vor dem Herrn, zum Wohlgefallen für euch; am Tag nach dem Sabbat soll sie der Priester weben. Ihr sollt aber an dem Tag, an dem ihr eure Garbe webt, dem Herrn ein Brandopfer opfern von einem makellosen einjährigen Lamm, und das dazugehörige Speisopfer, zwei Zehntel Feinmehl, mit Öl angerührt, ein Feueropfer, dem Herrn zum lieblichen Geruch, sowie das dazugehörige Trankopfer, ein Viertel Hin Wein. Ihr sollt aber weder Brot noch geröstetes Korn noch Jungkorn essen bis zu eben diesem Tag, da ihr eurem Gott diese Gabe darbringt. Das ist eine ewig gültige Ordnung für eure [künftigen] Geschlechter in allen euren Wohnorten.

„Give God your best“ – Gott das Beste geben

Der HERR verordnet hier sehr konkret, wie die Darbringung der Erstlingsgabe stattfinden soll: mit einem Brandopfer für den HERRN, einem Speisopfer und einem Trankopfer. Hier fällt auf, dass alles, was dem HERRN zum Opfer gebracht werden soll, von hohem Wert ist: ein makelloses einjähriges Lamm, zwei Zehntel Feinmehl mit Öl angerührt, ein Viertel Hin Wein. Gott gibt sich nicht zufrieden mit einem unvollkommenen Lamm oder mit Feinmehl, das mit Wasser vermischt wird. Genauso wenig mit irgendetwas Niedrigerem als Wein. Warum gibt Gott so konkrete und anspruchsvolle Anweisungen für die Opfer? 

Es geht nicht darum, dass Gott auf materielle Dinge angewiesen ist, sondern darum, was das Opfer ausdrückt. Die Erstlingsgabe zeigt, dass der Mensch Gott an erste Stelle setzt und ihm vertraut als dem Versorger. Indem man das Erste und Beste gibt, erkennt man an: Alles, was ich habe, kommt von Gott. Außerdem macht es die Herzenshaltung offenbar. Jemand, der den HERRN wirklich liebt, wird sich nicht fragen: „Was ist das Mindeste, das ich geben muss?“, sondern vielmehr: „Wie kann ich Gott ehren mit dem, was ich habe?“ Es geht nicht um äußeren Wert im Sinne von Luxus, sondern um echte Hingabe.

Das zeigt sich auch an anderen Stellen der Bibel, etwa beim Bild der armen Witwe, die wenig zu geben hatte, aber alles gab, was sie hatte, Mk 12,43–44:

Jesus aber rief seine Jünger herbei und sagte zu ihnen: „Ich versichere euch, diese Arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gesteckt als alle anderen. Denn die anderen haben nur etwas von ihrem Überfluss gegeben. Aber diese arme Frau, die nur das Nötigste zum Leben hat, hat alles gegeben, was sie besaß.

Der Mensch, der Gott an erste Stelle setzt und Ihm vertraut als Versorger, wird mit Freude sogar mehr geben als notwendig und wird Freude daran haben, dem HERRN sein Bestes zu geben.

„Don’t only take — make something great“ — aus Gottes Gaben etwas machen!

„Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und seine Ernte einbringt, so sollt ihr die Erstlingsgarbe von eurer Ernte zum Priester bringen.“ Die Formulierung verweist auf die Zeit, in der das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt wurde und viele Jahre durch die Wüste wanderte. In dieser Zeit konnten die Israeliten keinen Ackerbau betreiben und mussten sich auf Gott verlassen. Im verheißenen Land konnten sie dann wieder anbauen.

Wie schon angesprochen, stellt der HERR nun die Forderung, die besten und edelsten Güter, die die Israeliten herstellen konnten oder besaßen, ihm zur Ehre zu opfern.

So zeigt sich, dass Gott möchte, dass das Volk Israel nicht nur dankbar über die Gabe des (Acker-) Landes sein möge, sondern auch, dass es diese Gaben nutzt, etwas Edleres daraus herzustellen und als Dankopfer darzubieten.

Dies erinnert an die Geschichte eines Mannes und seiner Diener. Vor einer längeren Reise gibt er ihnen Talente an Silbergeld. Zwei haben das Geld genutzt und für ihren Herrn vermehrt, der dritte jedoch hat das ihm anvertraute Talent sicher aufbewahrt und nicht vermehrt. Als der Mann wieder zurückkommt, belohnt er die beiden, welche das Silbergeld vermehrt haben. Den dritten jedoch tadelte er. (vgl. Mat 25, 14-30). 

Es zeigt: wir sollen dankbar über jegliche Gaben von Gott sein. Jedoch sollen diese Gaben nicht nur angenommen werden. Sie sollen genutzt werden, um mehr daraus zu machen und so bei der Einbringung von eigener Arbeit und Zeit Gott zu ehren. Nimm nicht einfach nur an von Gott, mach etwas Gutes daraus: „Don’t only take – make something great.“

„More than sacrifice – a heart for God“ –  Gott sieht das Herz

In der Geschichte von Kain und Abel sehen wir ebenfalls, dass Gott nicht nur auf das äußere Opfer schaut, sondern auf die Herzenshaltung dahinter. Abel brachte von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett, also von dem Besten, was er hatte. Von Kain wird hingegen nur gesagt, dass er von den Früchten des Erdbodens opferte. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht einfach im materiellen Wert, sondern darin, dass Abel im Glauben opferte (vgl. Hebräer 11,4). Gott sah Abel und sein Opfer an — also zuerst die Person und dann die Gabe. So heißt es auch in Gen 4,3-6 (Schlachter 2000): 

Und es geschah nach geraumer Zeit, dass Kain dem Herrn ein Opfer darbrachte von den Früchten des Erdbodens. Und auch Abel brachte [ein Opfer] dar von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett. Und der Herr sah Abel und sein Opfer an; aber Kain und sein Opfer sah er nicht an. Da wurde Kain sehr wütend, und sein Angesicht senkte sich.

Doch die Opfer des Alten Testaments konnten die Sünde nicht endgültig wegnehmen, sie wiesen auf das vollkommene Opfer hin, das noch kommen sollte. Die Bibel macht klar: Aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, nicht aus Werken (vgl. Eph 2, 8–9). Echter Glaube bleibt nicht unsichtbar: Er zeigt sich im Leben eines Menschen. Opfer, Gehorsam und Hingabe sind nicht die Grundlage der Rettung, sondern die Frucht eines lebendigen Glaubens. Bloß zu wissen, dass es einen Gott gibt, nützt nichts; auch die Dämonen glauben das (vgl. Jakobus 2, 14-26). Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass wir als Christen Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (vgl. 1. Johannes 4,21). Jesus Christus ist am Kreuz gestorben, als das einzig wahre Sühneopfer, das dem HERRN wirklich wohlgefällig war. Jede Sünde verdient den ewigen Tod (vgl. Römer 6, 23), aber Christus ist für uns gestorben. Jeder, der an ihn glaubt, hat schon jetzt ewiges Leben (vgl. Joh 3, 16 + 36), das heißt nicht mehr als Sklave der Sünde zu leben, sondern zu leben durch den Heiligen Geist, der uns vom HERRN geschenkt wurde. 

Daher gilt: Vertraue dein Leben Jesus Christus an, damit auch Du ewiges Leben empfängst.

Gebet

Wir haben heute so viel von der „richtigen“ Herzenshaltung gesprochen. Wie sieht es in Deinem Herzen aus? Lasst uns mit den Worten Davids beten:

Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott: erneuere mich und gib mir die Kraft, dir treu zu sein! Verstoße mich nicht aus deiner Nähe und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir! Schenke mir wieder Freude über deine Rettung und mach mich bereit, dir zu gehorchen! Dann will ich den Gottlosen deine Wege zeigen, damit sie zu dir zurückkehren. Amen.

Zur Reflexion

  • Was bedeuten Opfer für uns im „Neuen Bund“ durch Jesus Christus heute? Was bedeutet es für Dich ganz persönlich?
  • Was hat Gott Dir gegeben und wie nutzt Du es zu Seiner Ehre?
  • Wo erkennst du in Deinem Leben Seine Versorgung? – Bete mit Dank!

Der Herr schütze und behüte uns in dieser Woche,
Campus Connect Frankfurt mit Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 52/2024

Wo aber ihr Mann ihr wehrt des Tages, wenn er’s hört, so ist ihr Gelübde los, das sie auf sich hat, und das Verbündnis, das ihr aus den Lippen entfahren ist über ihre Seele; und der HErr wird ihr gnädig sein.
Num 30,9

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Was man versprochen hat…

… muß man halten. Aber Prinzipien offenbaren ihr Wesen in Grenzfällen. 

Im Alten Orient hatte der Ehemann Rechte, die in mancher Hinsicht eigentumsähnlichen Charakter hatten. Die Ehefrau war keine Sklavin, sie war aber mitnichten frei. Wie geht die Torah mit den religiösen Bindungen um, die die Frau eingehen will? 

Gelübde erachtet die Torah als heilig, sie sind zu befolgen. Das steht vor der Klammer und im gezogenen Abschnitt gleich zu Beginn (V3):

Wenn jemand dem HERRN ein Gelübde tut oder einen Eid schwört, dass er sich zu etwas verpflichten will, so soll er sein Wort nicht brechen, sondern alles tun, wie es über seine Lippen gegangen ist.

Das gilt auch für das Gelübde einer Frau — im Prinzip. Im Vers geht es um den Fall, dass eine Frau vor der Eheschließung ein Gelübde ablegt, von dem der Bräutigam nichts weiss. Die Frau könnte vor der Eheschließung etwa gelobt haben, unbefleckt und kinderlos ihr Leben Gott zu weihen. 

Ein Blick ins BGB lohnt. Eine „Dienstbarkeit'“ ist im Sachenrecht ein dingliches Nutzungsrecht an einer fremden Sache. Steht etwa jemand anderem als dem Eigentümer eines Felds ein Teil der Ernte zu, ist das ebenso eine Dienstbarkeit wie ein Wegerecht, das dem Nachbar das Recht einräumt, das Feld zu durchqueren. Bei Grundstücken müssen Dienstbarkeiten ins Grundbuch eingetragen werden. Dies schafft Rechtssicherheit, und ein möglicher Käufer kann Kenntnis erhalten. Kauft er dennoch, betrifft die Dienstbarkeit ihn genauso wie den früheren Eigentümer.

Für Menschen gibt es keine Grundbücher. Der Mann hat eine Frau geheiratet, die vorher ein Gelübde abgelegt hat. Nach der Eheschließung steht sein Recht gegen das Recht Gottes. Die Torah wählt eine Lösung, die das Recht Gottes bekräftigt, ohne das Recht des Mannes aufzuheben. An dem Tag, an dem er Kenntnis von dem Gelübde erlangt, kann der Mann sich dagegen verwahren. In diesem Fall hat es weiter keine bindende Wirkung und Gott wird der Frau gnädig sein. Legt er sein Veto aber nicht noch am selben Tag ein, so ist das Gelübde gültig und bindend — für beide. 

Wird sie aber eines Mannes Frau und liegt noch ein Gelübde auf ihr oder hat sie unbedacht etwas versprochen, durch das sie sich gebunden hat, und ihr Mann hört es und schweigt dazu an demselben Tage, so gilt ihr Gelübde und ihre Verpflichtung, die sie sich auferlegt hat (V7+8).

Die Frau kann sich Gott gegenüber durchaus verpflichten, auch wenn dies die Interessen des Mannes empfindlich tangiert. Hätte sie Kinderlosigkeit gelobt und der Mann legte nicht bis zum Sonnenuntergang desselben Tags Einspruch ein — das Gelübde wäre Gesetz. Genauso geregelt sind Gelöbnisse, die eine Frau in einer bereits bestehenden Ehe ablegt und solche, die eine unverheiratete Frau im Hause ihres Vaters tätigt. 

Die Einschränkung, die unser Vers macht, ist asymmetrisch, der Frau steht kein vergleichbares Vetorecht zu. Aber mehr als eine Notbremse ist das Einspruchsrecht des Mannes nicht. Was wäre darauf die feministische Sicht? Manifestiert sich hier das orientalische Patriarchat besonders deutlich? Die Frau ist Objekt und die beiden Männer, Patriarch und Vatergott, grenzen ihre Sphären ab? Oder scheinen gerade hier die Grenzen des Patriarchats auf? Welchen Stellenwert hat die Freiheit, sich zu binden? Sollte es Gelübde vielleicht gar nicht geben, weil sie die Selbstbestimmung der Frau einschränken? Oder ist Freiheit nicht gerade auch die Freiheit, seine Pflichten selbst zu wählen?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten vierten Advent und ein frohes Weihnachtsfest in Gottes reichem Segen! 
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 37/2024

…(denn das Gesetz konnte nichts vollkommen machen); und wird eingeführt eine bessere Hoffnung, durch welche wir zu Gott nahen;
Heb 7,19

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Worauf es ankommt…!

Der Hebräerbrief wendet sich an eine nicht namentlich bekannte Gemeinde von Judenchristen, die „in die Gesetzlichkeit“ zurückzufallen droht, so hätte man früher gesagt. Sie sucht ihr Heil nicht so sehr in Jesus Christus als vielmehr in der Torah. Der gleichfalls namentlich nicht bekannte Autor des Briefs will die Natur von Gottes Gnade durch Jesus Christus in der Terminologie und in den Kategorien jüdischen Glaubens darlegen, siehe z.B. den Bibelvers der Woche 29/2021.

Hier ist zum Verständnis der vollständige Satz (Vers 18+19) nach der Lutherbibel 1984: 

Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es zu schwach und nutzlos war; denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen –, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen.

Der Vers steht in einem Abschnitt, der begründet, dass Jesus ein Hohepriester neuen Typs ist — ein Priester von der Ordnung Melchisedeks. Er steht neben, oder besser: über dem aaronitischen Priestertum. Melchisedek ist eine geheimnisvolle Gestalt: Priester des Herrn lang bevor es hebräische Priester gab, empfängt er von Abraham (!) den Zehnten, siehe hierzu den Bibelvers der Woche 08/2019.

Unser Vers blickt darauf, was aus der Einsetzung eines übergeordneten Priestertums folgt. Der Autor sagt, es bedeute, dass auch das Gesetz nicht mehr gelte. Das Gesetz ist Weg zu Gott, und in dieser Funktion ist es aufgehoben durch die „gesetzlose“ Hoffnung, die uns Jesus Christus gibt. 

Juristisch steht das auf schwachem Boden, finde ich — warum sollte das Gesetz nicht mehr gelten, wenn es einen neuen Richter gibt? Aber der Vers wirft ein Schlaglicht darauf, worum es dem Verfasser des Briefs recht eigentlich geht. Kämpft Euch nicht ab, sagt er, verliert euch nicht, geht nicht zugrunde im Gestrüpp unzähliger und detaillierter Auslegungen des mosaischen Gebots. Richtet Euren Blick darauf, worauf es ankommt: Der Vater hat uns in Jesus Christus die Hand gereicht — durch den Vorhang hindurch, der unsere Welt und das Reich Gottes trennt, Vergängliches und Ewiges, das Heilige und den Sand. Wenn wir diese Hand verlieren, verlieren wir alles. 

Die Frage nach dem Gesetz hat das Christentum und die Theologen durch die Geschichte begleitet. Das Gesetz ist da, was tun wir damit? Jesus sagt, er wolle kein Jota daran ändern. Wir aber haben von Teilen dieses Gesetzes Abstand genommen, von anderen nicht. Die Katholiken haben einen ernsthaften Versuch untergenommen, hier Ordnung zu schaffen und eine neue Dogmatik errichtet. Das ist wertvoll, aber es hat sie dem Vorwurf ausgesetzt, in die Gesetzlichkeit zurückzufallen — und tut es noch. 

Die Torah steht für bedingungslose Klarheit. Sie besteht geradezu auf Eindeutigkeit — vor dem Blick des Herrn teilen sich die Dinge und offenbaren ihr Wesen. Binär, sozusagen. Unsere Welt aber kann beharrlich mehrdeutig und multivalent sein. Leser dieses Blogs erinnern sich vielleicht an meine etwas hilflose Auseinandersetzung mit einem Freund über das Gebot, Götzendiener zu steinigen, siehe den Kommentarteil zum Bibelvers der Woche 03/2024. Ein anderer Freund unterzieht sich einer Geschlechtsumwandlung. Dies ist sein Weg. Hilft das Gesetz? Wem? Wann?

Die Erinnerung des Hebräerbriefs an dasjenige, worauf es in Wahrheit ankommt, kann Antwort sein und Leitschnur. Gerade weil es juristisch so schwach ist. Es steht nämlich über dem Gesetz.

Der Herr behüte uns in dieser Woche und er leite unser Handeln. So oder auch anders.
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 06/2024

Da aber der HErr eure Worte hörte, die ihr mit mir redetet, sprach er zu mir: Ich habe gehört die Worte dieses Volks, die sie dir geredet haben; es ist alles gut, was sie geredet haben.
Dtn 5,28

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Trennung

Noch einmal Deuteronomium — zum vierten Mal hintereinander. Ich spare mir, Ihnen vorzurechnen, wie wahrscheinlich dies Ereignis a priori ist. Geübte Leser dieses Blogs wissen, wie es geht. Die Wahrscheinlichkeit ist ähnlich hoch wie diejenige, dass beim Roulette die Kugel viermal nacheinander auf dieselbe Zahl fällt…!

Diese Wiederkehr fordert mich indes auf, weiterzuerzählen, gibt mir die Gelegenheit dazu. In der vergangenen Woche lasen wir, dass die Israeliten dem Gesetz zwei Stelen bauten. Ich schlug vor, dass es sich dabei um die Zehn Gebote gehandelt haben könnte und stellte die Gebote ins Netz, in Deutsch und Hebräisch. Der hier gezogene Vers nun erzählt, wie es weiterging, unmittelbar nachdem das Volk die Zehn Gebote von Gott empfangen hatte.

Die Israeliten hatten Gottes Worte selbst gehört, er hatte ihnen die Zehn Gebote mit eigener Stimme vom Berg Sinai herab verkündet und erst dann dem Mose Steintafeln gegeben, auf denen sie geschrieben standen. Gottes Wort dröhnte in den Ohren aller, die am Vulkan standen, jeder hatte dasselbe gehört. Epiphanie. Gott tritt in Erscheinung durch sein Gebot. Geteilte Wirklichkeit ist echte Wirklichkeit. Die Ältesten des Volks waren in tiefer Angst — sie wussten, dass sterben muss, wer Gott sieht, und sie meinten, dass auch Gottes furchtbare Stimme sie das Leben kosten könne. Sie verlangten von Mose, er solle stellvertretend für alle mit diesem schrecklichen Gott sprechen, sie würden dann tun, was Gott von ihnen verlange.

Und Gott ist einverstanden.

In dieser logischen Sekunde passiert es. Gerade vorher noch hatte das ganze Volk unmittelbaren Zugang zu Gottes Wort. Nie waren Gott und sein Volk einander näher; so wie Materie und Energie eins waren nach dem Urknall. Jetzt aber sind sie getrennt: nur Mose, der Erzprophet, besitzt den Zugang noch und die anderen sind darauf angewiesen, dass dieser sie unterweist und ihnen Gottes Willen auslegt. Die vom Volk geforderte Mittlerrolle Mose wird gewissermaßen zum Zusatzartikel des Bundes.

Geteilte unmittelbare Erfahrung mit Gott gibt es nun nicht mehr. Der direkte Austausch mit Gott obliegt den Propheten. Seinen Bruder Aaron macht Mose zum Priester — er und nach ihm seine Söhne versehen die Opferhandlungen. Wenig später gibt es die Stiftshütte als beweglicher Tempel, der die Gesetzestafeln beherbergt. Zur Zeit Jesus dann gibt es um den Tempel herum eine mächtige Hierarchie, mit dem Hohepriester und dem Sanhedrin an der Spitze einer streng gegliederten Struktur, und Schriftgelehrte umkreisen diesen Planeten wie Satelliten. Nicht ganz unähnlich der katholischen Kirche.

Im Neuen Testament finden wir einen anderen Moment geteilter, kollektiver Gotteserfahrung mit Gründungscharakter: das erste Pfingstfest, Schawu’ot nach Kreuzigung und Auferstehung. Dort tritt Gott ganz anders in Erscheinung, als Heiliger Geist, nicht als Gesetzgeber. Nicht dem ganzen Volk, aber den Hörern der Predigt.

Wieviel echten Austausch mit Gott verträgt der Mensch, wieviel Vermittlung braucht er, und wie hält man die Macht in Grenzen, die bei den Vermittlern zu liegen kommt? Seit der logischen Sekunde am Sinai sind die Fragen in der Welt.

Der Herr helfe uns zur rechten Mischung,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 05/2024

Und sollst Dankopfer opfern und daselbst essen und fröhlich sein vor dem HErrn, deinem Gott.
Dtn 27,7

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Party für das Gesetz

Noch einmal Deuteronomium, zum dritten Male hintereinander. Meine Tochter sagt, das sei ein Zeichen, ich solle das Buch nun ganz lesen. Das habe ich nicht geschafft in dieser Woche, aber vielleicht können wir ja das Buch als Ganzes ins Auge fassen. Es kreist um das (mosaische) Gesetz. Das Buch ist eine Art Zusammenfassung des zweiten, dritten und vierten Buchs Mose, einheitlich gefasst als drei Reden Mose, die er am Ufer des Jordan hält, kurz bevor das Volk den Sprung ins unbekannte verheissene Land wagt, kurz auch vor seinem eigenen Tod. 

Wie soll mit dem Gesetz umgegangen werden, nachdem es nun vorliegt? Die Abschnitte geben drei konkrete Anweisungen. Erstens: Nach der Landnahme sollen zwei Stelen aufgestellt werden, mit Kalk getüncht, auf denen das Gesetz zu lesen ist, Wort für Wort. Zweitens: Sechs Stämme stellen sich auf dem Berg Ebal (bei Sichem, heute Nablus) und sprechen Verfluchungen. Auf dem benachbarten Garizim stehen sechs andere Stämme und sprechen Segensworte. Ganz wie in Dtn 28: Fluch für das Volk, wenn es die Gebote mißachtet, Segen, wenn es sie einhält. Das Gesetz wird hier konkreter Ausdruck des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Das ist die Botschaft des Deuteronomiums. Haltet den Bund fest, so hält Gott an euch fest — und das gelingt, indem ihr das Gesetz haltet, das Gott euch gibt zu diesem Zweck. 

Das ist die Theologie des Deuteronomiums. Dafür wird das Buch geschmäht von liberalen christlichen Theologen, aber ohne diese Theologie — und die vielen Antworten, die es darauf gibt — sind Christentum und Judentum schlicht unverständlich.

Die dritte Anweisung gibt unser Vers: Gottes Volk soll auf dem Ebal einen Altar bauen und Dankopfer bringen und essen und fröhlich sein. Das ist eine sehr merkwürdige Vorstellung für uns. Party für das Gesetz!? Wer empfindet Freude an der Straßenverkehrsordnung, an der Steuergesetzgebung oder am bürgerlichen Recht? 

So ist es aber gemeint. Gottes Gesetz wird Grund zur Freude und zur Feier. Es ist ein Anker, eine Landkarte für den Bund. Im Judentum gibt es ein Fest, Simchat Torah, das Fest der Torahfreude, wo große Freude nicht nur erlaubt ist, sondern den eigentlichen Kern ausmacht. Simchat Torah schließt die Reihe der hohen Feiertage im Herbst ab. 

Zurück zu den Stelen. Was soll darauf geschrieben werden, welches Gesetz ist gemeint? Das Deuterononomium als Ganzes ist gewiss zu voluminös. Die zwei Stelen erinnern sehr an die beiden Steinplatten, auf die Gott selbst die zehn Gebote schrieb, den Kern des mosaischen Gesetzes. Diese Tafeln wurden aufbewahrt in der Bundeslade, die später im Allerheiligsten des Tempels stand, als Ausdruck und physische Manifestation des Bundes zwischen Gott und der Menschen.

Stelen des 21. Jahrhunderts sind die Webseiten im Internet — dort wird geistige Realität geschaffen und auch vernichtet. Vielleicht ist es daher angebracht, wenn der Betreiber eines Blogs zur Bibel den zehn Geboten eine kleine Stele errichtet, oder besser: zwei. Am Ende eines langen Jahres hatte ich die zehn Gebote schon einmal ins Netz gestellt. siehe den BdW 53/2020. Hier sind sie wieder, diesmal gemeinsam mit dem hebräischen Original, in der Fassung Dtn 5,6-21.

Ein Schlüssel für den Bund mit Gott. Grund zur Freude! 

Der Segen des Herrn sei mit uns,
Ulf von Kalckreuth

Deutsch, Lutherbibel 1984, Dtn 5,6-21Hebräisch
6Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft. ו  אָנֹכִי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ, אֲשֶׁר הוֹצֵאתִיךָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם מִבֵּית עֲבָדִים: 
7Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.לֹא-יִהְיֶה לְךָ אֱלֹהִים אֲחֵרִים, עַל-פָּנָי.
8Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.ז  לֹא-תַעֲשֶׂה לְךָ פֶסֶל, כָּל-תְּמוּנָה, אֲשֶׁר בַּשָּׁמַיִם מִמַּעַל, וַאֲשֶׁר בָּאָרֶץ מִתָּחַת–וַאֲשֶׁר בַּמַּיִם, מִתַּחַת לָאָרֶץ.
9Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, ח  לֹא-תִשְׁתַּחֲוֶה לָהֶם, וְלֹא תָעָבְדֵם:  כִּי אָנֹכִי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ, אֵל קַנָּא–פֹּקֵד עֲוֺן אָבוֹת עַל-בָּנִים וְעַל-שִׁלֵּשִׁים וְעַל-רִבֵּעִים, לְשֹׂנְאָי.
10aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.ט  וְעֹשֶׂה חֶסֶד, לַאֲלָפִים–לְאֹהֲבַי, וּלְשֹׁמְרֵי מצותו מִצְוֺתָי.
11Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.י  לֹא תִשָּׂא אֶת-שֵׁם-יְהוָה אֱלֹהֶיךָ, לַשָּׁוְא:  כִּי לֹא יְנַקֶּה יְהוָה, אֵת אֲשֶׁר-יִשָּׂא אֶת-שְׁמוֹ לַשָּׁוְא.
12Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat. יא  שָׁמוֹר אֶת-יוֹם הַשַּׁבָּת, לְקַדְּשׁוֹ, כַּאֲשֶׁר צִוְּךָ, יְהוָה אֱלֹהֶיךָ.
13Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.יב  שֵׁשֶׁת יָמִים תַּעֲבֹד, וְעָשִׂיתָ כָּל-מְלַאכְתֶּךָ.
14Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. יג  וְיוֹם, הַשְּׁבִיעִי–שַׁבָּת, לַיהוָה אֱלֹהֶיךָ:  לֹא תַעֲשֶׂה כָל-מְלָאכָה אַתָּה וּבִנְךָ-וּבִתֶּךָ וְעַבְדְּךָ-וַאֲמָתֶךָ וְשׁוֹרְךָ וַחֲמֹרְךָ וְכָל-בְּהֶמְתֶּךָ, וְגֵרְךָ אֲשֶׁר בִּשְׁעָרֶיךָ–לְמַעַן יָנוּחַ עַבְדְּךָ וַאֲמָתְךָ, כָּמוֹךָ.
15Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der Herr, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.יד  וְזָכַרְתָּ, כִּי עֶבֶד הָיִיתָ בְּאֶרֶץ מִצְרַיִם, וַיֹּצִאֲךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ מִשָּׁם, בְּיָד חֲזָקָה וּבִזְרֹעַ נְטוּיָה; עַל-כֵּן, צִוְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ, לַעֲשׂוֹת, אֶת-יוֹם הַשַּׁבָּת. 
16Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir’s wohlgehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.טו  כַּבֵּד אֶת-אָבִיךָ וְאֶת-אִמֶּךָ, כַּאֲשֶׁר צִוְּךָ יְהוָה אֱלֹהֶיךָ–לְמַעַן יַאֲרִיכֻן יָמֶיךָ, וּלְמַעַן יִיטַב לָךְ, עַל הָאֲדָמָה, אֲשֶׁר-יְהוָה אֱלֹהֶיךָ נֹתֵן לָךְ.
17Du sollst nicht töten.טז  לֹא תִרְצָח,
18Du sollst nicht ehebrechen.וְלֹא תִנְאָף; 
19Du sollst nicht stehlen.וְלֹא תִגְנֹב,
20Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.וְלֹא-תַעֲנֶה בְרֵעֲךָ עֵד שָׁוְא. 
21Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.וְלֹא תַחְמֹד, אֵשֶׁת רֵעֶךָ; וְלֹא תִתְאַוֶּה בֵּית רֵעֶךָ, שָׂדֵהוּ וְעַבְדּוֹ וַאֲמָתוֹ שׁוֹרוֹ וַחֲמֹרוֹ, וְכֹל, אֲשֶׁר לְרֵעֶךָ.
Der hebräische Text wurde entnommen von der Webseite von Mechon Mamre. Abweichend von der hebräischen Verszählung sind die Zeilen hier der Verszählung in der Lutherbibel angepasst.

Bibelvers der Woche 03/2024

…so sollst du den Mann oder das Weib ausführen, die solches Übel getan haben, zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.
Dtn 17,5

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Einander vor das Stadttor führen…

Der Vers ist kurz und brutal. Es geht um die kultischen Praktiken Kana’ans, die es im Gelobten Land der Israeliten nicht geben soll. Wird ein Israelit abtrünnig und bei götzendienerischen Praktiken beobachtet, so soll die Angelegenheit gründlich geklärt werden. Verhält es sich so, soll der oder die Schuldige vor den Toren der Stadt gesteinigt werden. Es muss dafür mindestens zwei oder drei Zeugen geben, und diese Zeugen sollen die ersten sein, die den Stein werfen. 

Andersgläubige sollst du steinigen!

Eine Entsprechung für diesen Vers bezieht sich auf ganze Städte, die sich auf götzendienerische Abwege begeben. Ihre Einwohner sollen, wenn ihre Schuld feststeht, dem Bann verfallen, also ohne Ausnahme getötet werden: siehe BdW 07/2023 zu Dtn 13,13ff.  

Die Kulte Kana’ans sind verschwunden, die Weisung besitzt keine unmittelbare Relevanz. Aber das mosaische Gesetz ist im Judentum bindend und den Christen dient es zur Orientierung. Die Ideen von Ausschließlichkeit, Reinheit und Todeswürdigkeit sind es, die im Mittelalter massenhafte Hexenverbrennungen möglich machten. Um die Zeitenwende waren es die Anhänger der neuen christlichen Lehre, die gesteinigt wurden, und Jesus selbst entging diesem Schicksal zweimal nur knapp (Lk 4, Joh 8).  Und das Gebot, Abtrünnige zu töten, gibt es auch im Islam.

Einander vor das Stadttor führen…, Ulf von Kalckreuth mit Dall-E, 06.01.2024

Vor etwas mehr als zwei Jahren hatten wir eine andere tödliche Mitzwah als Bibelvers der Woche, und ich habe seinerzeit versucht darzulegen, wie man konstruktiv damit umgehen kann, siehe den BdW 41/2022. Das fällt mir heute schwerer als damals.

Was tun mit diesem Vers? Wir können ihn sehr bewusst zur Kenntnis nehmen. Er erlaubt uns einen Blick in unser gemeinsames abrahamitisches Genom. Das ist nicht schön oder erhebend, aber wertvoll, auch heute. Gerade heute. Denn wenn wir nicht vorsichtig miteinander sind, führen wir einander schnell vor das Stadttor. 

Der Herr sei mit uns!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 38/2023

Er half dem Elenden und Armen zum Recht, und es ging ihm wohl. Ist’s nicht also, dass solches heißt, mich recht erkennen? spricht der HErr.
Jer 22,16

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Das Recht des Schwachen achten

Worauf kommt es Gott bei Macht und Herrschaft an?.Mit einer ungeschminkten und sehr provokativen Warnung wendet Jeremia sich an Zedekia, den letzten König von Juda, um das über dem Reich hängende Unheil noch abzuwenden. Jeremias Botschaft wertet auch die drei schwachen Vorgänger: Joahas (Schallum), der nur drei Monate regierte, als der ägyptische Pharao ihn wieder absetzte, Jojakim, sein Bruder, der sich erfolglos gegen die Babylonier auflehnte, und sein Sohn Jojakin,(Chonja), der mit achtzehn Jahren König wurde und sofort die Politik seines Vaters büßen musste: er wurde weggeführt nach Babylon. Zum Verständnis von Abschnitt 22 siehe die BdW 41/2019 und BdW 41/2019

Der gezogene Vers nimmt den Vers 22,3 wieder auf, der wie eine Art Klammer und Überschrift den kardinalen Fehler der letzten Könige von Juda beschreibt: Die Mächtigen Judas haben sich nicht um Recht und Gerechtigkeit gekümmert, sondern waren vor allem darauf aus, Schwächere auszubeuten: 

So spricht der Herr: Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an und vergießt kein unschuldiges Blut an dieser Stätte. Werdet ihr das tun, so sollen durch die Tore dieses Hauses einziehen Könige, die auf Davids Thron sitzen, und fahren mit Wagen und Rossen samt ihren Großen und ihrem Volk. Werdet ihr aber diesen Worten nicht gehorchen, so habe ich bei mir selbst geschworen, spricht der Herr: Dies Haus soll zur Trümmerstätte werden. (22,3-5)

Herrschaft des Rechts — wie im BdW 17/2023 aus diesem Jahr. Der gezogene Vers oben richtet sich spezifisch an Jojakim: Jeremia fragt, ob sein Vater, der große Reformkönig Josia, denn „nicht auch gegessen und getrunken“ habe. Dabei habe er aber das Recht der Elenden und Armen geachtet und geschützt. Für Gott und Jeremia müssen gute Könige keine heiligen Asketen sein. Aber sie müssen die Basics hochhalten, und die liegen im Recht des Schwachen. 

Und im Nachsatz verstärkt der Vers die Botschaft auf eine Weise, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Das Recht des Schwachen achten heisst den Herrn achten. Gott identifiziert sich hier geradezu mit dem Recht des Schwachen. Nicht nur von fern erinnert das an Mat 25,40: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Herrschaft des Rechts. Zeitlos und aktuell. Man wünscht sich mehr davon. Auch in diesem Land.  

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 32/2022

…welche denn hörten sie und richteten eine Verbitterung an? Waren’s nicht alle, die von Ägypten ausgingen durch Mose?
Heb 3,16

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Einheitsübersetzung. 

Das Wort sie sollen lassen stahn!

Der Text um unseren Vers herum fordert dazu auf, die Gnade Gottes nicht zu verwirken, sondern dankbar anzunehmen und das seine dazuzutun. Dabei entsteht eine kleine Matrjoschka. Das sind diese russischen Holzpuppen, die mehrfach ineinandergesteckt sind: öffnet man eine, kommt die nächste zum Vorschein. Heb 3 zitiert Ps 95, und dieser verweist auf die Thora, Num 13 und 14. Das Volk Israel konnte sich mit Gottes Hilfe aus der ägyptischen Knechtschaft befreien. In der Wüste aber wird das Volk ängstlich, wankelmütig und unzufrieden. Es verliert den Weg ins Heilige Land, zu Gottes Ruhe, und muß lange noch in der Wüste bleiben. Siehe dazu den BdW 01/2022 von Anfang dieses Jahres.

Mir gefällt die Wendung „Eine Verbitterung anrichten“. Du, lass Dich nicht verbittern, singt Wolf Biermann, in dieser bittren Zeit… Wir sind Kinder Gottes, auf dem Weg zu Gottes Ruhe, wenn wir trotz äußerer Bitternis in uns selbst fröhlich bleiben und voll Zuversicht. Ich glaube wirklich, das ist der eigentliche Erweis unseres Glaubens.

Aber Grund zur Beschwerde habe ich heute doch. Oben habe ich auf die (katholische) Einheitsübersetzung verlinkt, statt wie sonst auf die Lutherbibel 2017. Dort nämlich geschieht Merkwürdiges. In den Versen 16-18 werden in rhetorisch strenger Form Fragen gestellt und dann mit verneinten Fragen beantwortet, der Art: „Ist dieses Kind nicht hübsch?“ Noch die Lutherübersetzung 1984 hat die Struktur getreulich wiedergegeben. Hervorgehoben ist der gezogen Vers:  

15Wenn es heißt: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah« – 16wer hat sie denn gehört und sich verbittert? Waren’s nicht alle, die von Ägypten auszogen mit Mose? 17Und über wen war Gott zornig vierzig Jahre lang? War’s nicht über die, die sündigten und deren Leiber in der Wüste zerfielen? 18Wem aber schwor er, dass sie nicht zu seiner Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungehorsamen? 19Und wir sehen, dass sie nicht dahin kommen konnten wegen des Unglaubens.

So steht es in allen großen Übersetzungen, die ich konsultiert habe, so steht es auch im Original, wie mir meine griechischkundige Ehefrau bestätigen konnte. Hier eine Interlinearübersetzung. Aber in der Lutherübersetzung 2017 liest man: 

15solange es heißt (Ps 95,7-8): »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah.« 16Denn als sie das hörten, wurden einige verbittert, aber nicht alle, die von Ägypten auszogen unter Mose.17Und wem zürnte Gott vierzig Jahre lang? Waren’s nicht die, die sündigten und deren Leiber in der Wüste zerfielen? 18Wem aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht den Ungehorsamen?19Und wir sehen, dass sie nicht hineinkommen konnten wegen des Unglaubens.

Der formale Fragecharakter von Vers 16 wird ignoriert und — abrakadabra — verwandelt sich das „Waren es nicht alle“? in sein logisches Gegenteil: „Es waren nicht alle!“ Dieses Kind ist nicht hübsch… 

Dabei hat das Übersetzerkollektiv durchaus mit sich gerungen. Bei genauem Hinschauen entdeckt man, dass in einer Fußnote der wahre Wortlaut wiedergegeben ist, als „andere Übersetzung“. Und der Eingriff ist sicher gut gemeint. Das griechische Original nämlich ist in zweierlei Hinsicht nicht korrekt: sachlich nicht und auch nicht politisch. Nach der Schrift gab es durchaus Israeliten, die vom Fluch ausgenommen blieben und das Heilige Land sehen durften: Kaleb und Josua, die beiden Späher, die dem Versprechen des Herrn glaubten, siehe Num 14,30 und Jos 14,6. Und die im Vers enthaltene Wertung, dass der jüdische Weg nicht zum Heil führt, ist heute schwer erträglich.

Das Dumme daran ist, dass diese Wertung nahe an der Kernbotschaft des Textes liegt. Der Hebräerbrief versucht Menschen, die sich dem Christentum erst vor kurzer Zeit angeschlossen haben, von einem Rückfall in die jüdische Gesetzlichkeit abzuhalten. Man mag das Anliegen und die Wertungen des Briefs nicht teilen wollen, man mag dafürhalten, dass es zwei gleichwertige Wege zu Gott gibt, einen aus dem alten Bund und einen aus dem neuen. Ich selbst bin dieser Überzeugung. Aber mit welchem Recht kann ein Übersetzer sich selbst und sein gutgemeintes Dafürhalten so zwischen den Text und seine Leser schieben? Wenn der Leser geschützt werden muss, sollte man ihm eine Kinderbibel geben.

„Das Wort sie sollen lassen stahn, und kein Dank dazu haben.“ Das sagt Martin Luther. Der Satz steht in der abschließenden Strophe von „Ein feste Burg ist unser Gott“. An wen er dabei wohl dachte? 

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche, voll Zuversicht, auf dem Weg zu Gottes Ruhe!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 25/2022

Sie sitzen gern obenan über Tisch und in den Schulen.
Mat 23,6 

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017. 

Was tun? Und warum? 

Jesus ist im Tempel, kurz vor seinem Tod. Er spricht provozierend und ohne jegliche Rücksicht auf Verluste. Wie einer, der weiss, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat. Vielleicht ist die Kausalität auch anders herum. 

Im Vers spricht er Personengruppen an — Pharisäer und Schriftgelehrte — und eine Haltung. Wie Jesus glauben die Pharisäer an Auferstehung und das ewige Leben und auch sie halten nichts von der etablierten Tempelbürokratie. Im Zentrum steht für sie das Verhalten des Einzelnen vor den Gottes Gesetz — „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen“. Jesus weiß, dass sich diese Frage nicht durch feinsinnige und detaillierte Auslegung des Gesetzes beantworten läßt, dass eine unmittelbare, persönliche Beziehung zu Gott und den Mitmenschen nötig ist — Glaube, Liebe und der Heilige Geist. 

Ich bin nicht überzeugt, dass der Matthäusvers den Pharisäern als Gruppe insgesamt gerecht wird. Sie galten als unbestechlich und mit ihrem Leben Gott zugewandt, unter hohen persönlichen Kosten. Das machte ihren Erfolg aus. Sie sind die Vorläufer der Rabbinen, die nach dem Untergang des Tempels und des offiziellen Mainstreams die Grundlagen für das orthodoxe Judentum legten, wie wir es heute kennen. Sie meinten es ernst, ihr ‚Drive‘ kam nicht nur vom Wunsch, in den Lehrhäusern obenan zu sitzen.

Die Haltung aber, die Jesus charakterisiert, ist weit verbreitet, auch unter Christen. Wieviel religiöse Aktivität gäbe es, wenn sie in den Gemeinden nicht Ansehen verschaffte? Wieviele Blogs mit biblischen Themen gäbe es, wieviel Lobpreismusik und Chorgesang? Wieviel Theologiestudium, wieviel Spenden und gute Werke?

Es ist natürlich, wenn wir Ansehen bei den Menschen suchen, die uns wichtig sind. Wir sind soziale Wesen. Aber vielleicht werden wir am Ende genau das bekommen, was wir wollen, und nichts sonst? „Wahrlich, ich sage Euch, sie haben ihren Lohn schon gehabt“, sagt Jesus dazu in Mat 6,2.

Wir sollen verstehen, warum wir tun, was wir tun, sagt Jesus!

Ich wünsche uns eine gesegnete Woche,
Ulf von Kalckreuth