Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.
Joh 4,38
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Liebe Leserinnen und Leser, dies ist ein Gastbeitrag von Yessenia Astheimer. Yessenia ist Studentin der Evangelischen Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt.
Einleitung
Die Worte aus Joh 4,38 hier, das sind Worte Jesu, die er an seine Jünger richtet, kurz nach seinem Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,1- 42).
Die Jünger waren währenddessen in die Stadt gegangen, um etwas zu essen zu besorgen (Joh 4,8) und hatten bei ihrer Rückkehr die weibliche Gesprächspartnerin von Jesus Christus wohl knapp verpasst, denn diese war gerade wieder ins Dorf gerannt, um alle anderen ebenfalls einzuladen, ihn kennenzulernen (Joh 4,28-29).
Mit Essen beginnt auch die Unterhaltung der Jünger mit ihrem “Rabbi” (Lehrer) in Joh 4,31:
Rabbi, iß!
Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset. Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu Essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen:
Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.
Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte?
Siehe, ich sage euch:
Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte. Und wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da sät und der da schneidet.
Denn hier ist der Spruch wahr:
Dieser sät, der andere schneidet.
Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.
Inzwischen ist auch die Frau mit den Leuten ihres Dorfes wiedergekommen und es heißt: “Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus der Stadt um des Weibes Rede willen” (Joh 4,39).
Sie bedrängten ihn, noch bei ihnen zu bleiben, was er auch tat. Dann zog er nach zwei weiteren Tagen mit seinen Jüngern weiter.
In diesem Kontext steht die ausgeloste Stelle für diese Woche aus Joh 4,38.
Es sind die Worte Jesu Christi, der zu seinen Jüngern sagt:
“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Die Formulierung aus der Übersetzung aus der Lutherbibel von 1912 meint mit “schneiden” hier effektiv “ernten”, daher ist es so in einigen moderneren Übersetzungen auch genauso gesagt, denn wie “erntet” man ein Getreidefeld? – Indem man die Ähren “schneidet”.
Ernte
Doch was ist die Ernte, um die es hier geht?
Wie bereits gezeigt, steht dieses Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern hier nicht im luftleeren Raum.
Es ist eingebettet in die Geschichte mit Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen, denn diese Frau dient hier als Beispiel.
Was ist die Ernte, um die es hier geht? — Es sind die Menschen.
Jesus Christus hatte mit dieser Frau viele theologische Themen angesprochen, unter anderem die richtige Anbetung, die Notwendigkeit des Heiligen Geistes und die Offenbarung von Ihm selbst als Messias.
Dann ist sie ins Dorf gerannt, um Menschen einzuladen.
Das kurze Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern folgt.
Danach geht es weiter damit, dass viele aus dem Dorf zum Glauben kamen wegen der Worte der Frau.
Die Ernte bezieht sich also auf den Menschen selbst.
Es ist erst diese Frau, die durch Jesus Christus “geerntet” wurde, denn so beginnt auch dieser Abschnitt:
“Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset.”
Was ist diese Nahrung?
Auch die Jünger sind verwirrt.
“Hat ihm jemand zu essen gebracht?”
Doch Jesus sagt:
“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.”
Und wer die Ernte einbringt, erhält seinen Lohn:
“Und wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben”
Jesus Christus selbst hat die “Ernte” hier eingebracht, in Bezug auf die Frau, denn sie war so verloren und kannte ihn nicht, doch jetzt erkennt sie Ihn: “Kommt, seht einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!” (Joh 4,29).
Und daher hat Jesus Christus, salopp gesagt, keinen Hunger, denn Er spricht:
“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.”
Ist so nicht auch dies Sein Lohn? — Die Freude daran, den Willen Seines Vaters zu tun.
Doch so jedenfalls steht dieses Gespräch zwischen Jesus und Seinen Jüngern nicht im luftleeren Raum, denn es ist eingebettet in diese Geschichte mit Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen, denn sie dient hier als Beispiel.
“Dieser sät, der andere schneidet.
Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Die Frau steht hier für einen Menschen, der “geerntet” wurde.
Doch ich glaube, die Frau steht hier auch exemplarisch für diesen Menschen, der eine einfache Handlung vollzieht, hier eine Einladung ausspricht, und dabei die Ernte einfährt.
Jesus Christus hatte allen spirituellen und auch theologischen Background.
Er sah sie an, sah diese “zufällige” Person da am Brunnen, war womöglich gar extra diesen Weg gegangen, nur um mit ihr zu sprechen, weil Seine Einsicht so unfassbar groß ist und Er einfach wusste, schon bevor Er sie direkt vor sich sah, dass sie da sein würde.
Er sah sie an und sah doch so viel weiter als nur ihr äußerliches Gesicht.
“Kommt, seht einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe”
Er wusste, wer sie war und was sie getan hatte, auch ohne, dass sie es ausdrücklich sagte.
Er wusste, warum sie mitten am Tag in der Mittagshitze kam, obwohl die Dorfgesellschaft im Morgenkühl wohl schon gemeinsam gekommen war.
Er wusste, warum sie hier nicht Teil der Gemeinschaft war.
Er hatte sämtliche prophetische Einsicht, und er ließ seine Fähigkeiten nicht ungenutzt, um zu dieser Frau zu sprechen.
Und so hat Er sie für sich gewonnen.
So wurde sie “geerntet”.
Sie rannte einfach nur voller Begeisterung zu den Leuten ihres Dorfes.
Sie nutzte keine große Überzeugungsarbeit und besonders beeindruckende Argumentation voller Symbolik. Auch von einer prophetischen Gabe wird bei ihr nicht berichtet.
All dies hat Jesus Christus doch bei ihr eingesetzt,
doch sie sagte einfach nur: ‚Kommt und seht‘, und brachte ihre Leute zu Ihm.
“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Sie hat die Ernte eingefahren, für die sie selbst nicht gearbeitet hat.
Sie hat die Ernte eingefahren, obwohl sie selbst gerade erst “geerntet” wurde.
Sie hatte selbst nicht wirklich Ahnung, was sie da überhaupt tut, so wie auch viele Neubekehrte oft noch nicht so viel Ahnung haben,
und doch ist der begeisterte Enthusiasmus eines Menschen oft so effektiv, der gerade erst Jesus Christus kennengelernt hat und es mit allen teilt, all seinen Freunden und Bekannten und sonstigen Menschen, die da gerade auf der Straße in seinem Dorf umherlaufen.
Sie hatte noch nicht wirklich viel Ahnung von besonders viel, und doch ist sie im Rahmen der gelosten Stelle für diese Woche ein zweifaches Beispiel,
denn die Ernte, um die es hier geht, das sind die Menschen.
Sie selbst wurde “geerntet” und auch sie selbst durfte schon “ernten”.
Und so ruft Jesus Christus auch Seine Jünger auf, am Einbringen dieser Ernte teilzuhaben:
“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Das Werk
Welches ist diese “Arbeit”, in die der Jünger von Jesus Christus kommt?
Wir haben geklärt, was die “Ernte” ist, doch welches ist die “Arbeit”, in die wir uns einbringen sollen?
Was ist das “Werk”, um das es hier geht, denn auch das “Werk” ist nur ein anderer Ausdruck für “Arbeit”.
Jesus spricht von einem “Werk”, das vollendet werden soll:
“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.”
Das “Werk” ist das “Werk” von Gott, unseres Herrn, denn es ist das Werk “des, der mich gesandt hat”, und wer Jesus Christus gesandt hat, das ist Gott, der Vater.
Und Er spricht von dieser Vollendung des Werkes und verweist direkt danach auf die Ernte:
“Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.
Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte?
Siehe, ich sage euch: Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte.”
Warum verweist er vom “Werk” direkt auf die “Ernte”?
Denn die “Ernte” ist Teil des Werkes und das Werk soll vollendet werden.
Das Einbringen der Ernte gehört total dazu.
Niemand sät ein Feld, sodass es nicht geerntet werden soll.
Am Ende des Gespräches heißt es: “Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Wir sind gesandt zu schneiden, was wir nicht gearbeitet haben.
Das “Werk” ist einfach die Arbeit, das Feld zu bestellen.
Zur Bestellung des Feldes gehört die Aussaat, noch vieles, vieles mehr, und es gehört die Ernte dazu.
Niemand besät ein Feld, das nicht geerntet werden soll.
Denn was ist mit dem Feld, das besät, doch nicht geerntet wurde?
“Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Doch bei dem Feld, das besät und nicht geerntet wurde, war da die Arbeit der anderen nicht umsonst?
All die Zeit und Mühe, all die Geduld und investierten Gebete, und dann war die Ernte reif, und blieb stehen, schließlich überreif, und blieb stehen, bis dass sie schließlich zugrunde geht.
Niemand besät ein Feld, das nicht geerntet werden soll, sonst war all die Arbeit vergebens.
Ich glaube, die Wahrheit ist,
das Einbringen der Ernte gehört genauso dazu wie die Aussaat.
Beides ist notwendige Arbeit.
Beides ist Teil des Werks.
Wo beginnt dieses Werk?
Auch vor der Aussaat ist auf dem Feld bereits eine Unmenge an Arbeit.
Doch vollendet wird es mit der Einbringung der Ernte.
Diese Einbringung ist das Werk des Herrn,
und dennoch sind wir, wie so oft, in dieses Werk mit hineingenommen, denn Jesus Christus selbst spricht zu Seinen Jüngern:
“Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.”
Die Erntezeit
Und wann soll diese Arbeit erfolgen?
Wann ist die Zeit des Säens? Wann ist die Zeit der Ernte?
Über das Säen ist an anderen Stellen viel gesagt, doch hier sagt Jesus Christus auch etwas zur Zeit der Ernte:
“Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte?
Siehe, ich sage euch:
Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte.”
Die Zeit der Ernte ist jetzt. – Jetzt ist die Zeit.
Der Mensch denkt so oft,
in vier Monaten, in zwei Wochen noch, morgen, übermorgen, vielleicht nächstes Jahr.
Lass uns noch dies und jenes erledigen. Wir müssen erst noch ein Konzept erarbeiten, Daten evaluieren und Gebäuderahmenpläne erstellen, und dann … Dann müssen wir noch eine Fortbildung in “Evangelisation im 21. Jahrhundert” machen. – Sowieso. Was soll ich überhaupt sagen?
Doch Jesus Christus sagt:
“Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte?
Siehe, ich sage euch:
Hebet die Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte.”
Effektiv sagt Er hier: Jetzt ist die Zeit. – Die Zeit der Ernte ist jetzt.
Das erinnert mich persönlich auch an eine Zusage, die wir im Rahmen einer Gebetseinheit erhielten:
“Revival is now” — “Erweckung ist jetzt”! Doch warum sehen wir das oftmals an so vielen Stellen nicht?
Ich denke,
vielleicht liegt es auch daran, dass wir diese Einladungen an so vielen Stellen auch einfach nicht aussprechen.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir uns oftmals einen so großen Kopf darum machen, was soll ich eigentlich sagen?
Doch die Frau hier in der Geschichte sagte einfach, “Kommt, seht” (Joh 4, 29) und fast das ganze Dorf kam, um zu sehen und lernte Jesus Christus persönlich kennen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass wir das große ungeerntete Feld sehen und so wie die Frau direkt ein ganzes Dorf auf einmal wollen, doch uns dann bei dieser einen Frau am Brunnen nicht die Zeit nehmen wollen für ein ausführliches Gespräch.
Und so verpassen wir auch den Segen, an dem wir uns mithilfe dieser einen einzelnen Frau hätten erfreuen können.
“Revival is now” — “Erweckung ist jetzt”! Doch warum sehen wir das oftmals an so vielen Stellen nicht?
Ich denke, die Wahrheit ist,
wir sehen es vielleicht auch daher an so vielen Stellen, an so vielen Orten nicht, weil wir einfach nicht “ernten” …
Doch welche Gnade ist es, dass wir so einen großen und wunder-vollen Gott haben, dessen Gnade und Barmherzigkeit und Treue jeden Tag neu sind, und der uns ruft, nicht nur einmal am Anfang aller Zeit, nicht nur einmal in dem Moment, in dem wir Ihn erstmalig hören, sondern immer und immer wieder, beständig, und tag-täglich.
Halleluja.
Gebet
Herr,
und so möchten wir zu Dir beten.
Bitte komm mit Deinem Heiligen Geist.
Danke, dass Du so groß bist und so vergebend und so geduldig und dass Du immer und immer wieder zu uns sprichst und nach uns rufst und auch durch Deine Schriften zu uns sprichst.
Bitte zeig uns heute ganz besonders und ganz neu auch einfach, was für jeden Einzelnen von uns gerade dran ist.
Sollen wir losrennen, eine Predigt vor vielen Menschen halten? Sollen wir unseren Nachbarn auf eine Tasse Tee einladen, um mit ihm die beste Nachricht ever teilen, oder was ist es, das jeder Einzelne von uns gerade heute tun kann, um nach Deinem Willen zu handeln?
Bitte komm mit Deinem Heiligen Geist und erfüll uns, sprich ganz deutlich zu uns, hilf uns, Dich zu verstehen, und hilf uns, dass wir Deinem Wort dann auch folgen.
Danke, dass Du da bist,
und danke, dass Du so geduldig bist,
und danke, dass wir alle Dir so wichtig sind!
Amen.
Persönliches
Herzlichen Dank für das Lesen dieser kleinen nicht ganz so kurzen Andacht.
Mein Name ist Yessenia, ich studiere Evangelische Theologie an der Goethe-Uni in Frankfurt am Main.
Ulf und ich lernten uns in dem beeindruckenden Gebäude der Diakoniekirche in Frankfurt kennen. Uns verbindet beständig die Frage, was es ist, das Gott sich hier für dieses Gebäude, die Community und die Menschen, die dort leben, wünscht und was es genau ist, das wir dort tun können/dürfen/sollen. – Betet gerne mit.
Ansonsten spiele ich gerne Tennis, lese gerne, engagiere mich in meiner Kirchengemeinde vor Ort und in der Stadt, in der ich lebe, und auch ich schreibe gelegentlich auf meinem eigenen kleinen theologischen Blog. Gerne mal vorbeischauen: http://theology4everyone.com/
Herzlichen Dank auch an den lieben Ulf für diesen Gastbeitrag hier. Bis bald allerseits.
Love and Prayers,
Yessenia Astheimer

