Bibelvers der Woche 03/2024

…so sollst du den Mann oder das Weib ausführen, die solches Übel getan haben, zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.
Dtn 17,5

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Einander vor das Stadttor führen…

Der Vers ist kurz und brutal. Es geht um die kultischen Praktiken Kana’ans, die es im Gelobten Land der Israeliten nicht geben soll. Wird ein Israelit abtrünnig und bei götzendienerischen Praktiken beobachtet, so soll die Angelegenheit gründlich geklärt werden. Verhält es sich so, soll der oder die Schuldige vor den Toren der Stadt gesteinigt werden. Es muss dafür mindestens zwei oder drei Zeugen geben, und diese Zeugen sollen die ersten sein, die den Stein werfen. 

Andersgläubige sollst du steinigen!

Eine Entsprechung für diesen Vers bezieht sich auf ganze Städte, die sich auf götzendienerische Abwege begeben. Ihre Einwohner sollen, wenn ihre Schuld feststeht, dem Bann verfallen, also ohne Ausnahme getötet werden: siehe BdW 07/2023 zu Dtn 13,13ff.  

Die Kulte Kana’ans sind verschwunden, die Weisung besitzt keine unmittelbare Relevanz. Aber das mosaische Gesetz ist im Judentum bindend und den Christen dient es zur Orientierung. Die Ideen von Ausschließlichkeit, Reinheit und Todeswürdigkeit sind es, die im Mittelalter massenhafte Hexenverbrennungen möglich machten. Um die Zeitenwende waren es die Anhänger der neuen christlichen Lehre, die gesteinigt wurden, und Jesus selbst entging diesem Schicksal zweimal nur knapp (Lk 4, Joh 8).  Und das Gebot, Abtrünnige zu töten, gibt es auch im Islam.

Einander vor das Stadttor führen…, Ulf von Kalckreuth mit Dall-E, 06.01.2024

Vor etwas mehr als zwei Jahren hatten wir eine andere tödliche Mitzwah als Bibelvers der Woche, und ich habe seinerzeit versucht darzulegen, wie man konstruktiv damit umgehen kann, siehe den BdW 41/2022. Das fällt mir heute schwerer als damals.

Was tun mit diesem Vers? Wir können ihn sehr bewusst zur Kenntnis nehmen. Er erlaubt uns einen Blick in unser gemeinsames abrahamitisches Genom. Das ist nicht schön oder erhebend, aber wertvoll, auch heute. Gerade heute. Denn wenn wir nicht vorsichtig miteinander sind, führen wir einander schnell vor das Stadttor. 

Der Herr sei mit uns!
Ulf von Kalckreuth

7 Antworten auf „Bibelvers der Woche 03/2024“

  1. Lieber Ulf und liebe Leser!

    Im Alten Testament stoßen wir sehr oft auf Verse, bei denen es unser erster Eindruck ist, dass sie aus der Zeit gefallen sind und deshalb nicht mehr auf uns anzuwenden sind. Leben wir nicht im Zeitalter der Gnade? Hat das Gesetz uns noch etwas Verbindliches zu sagen?

    „Was tun mit diesem Vers? Wir können ihn sehr bewusst zur Kenntnis nehmen. Er erlaubt uns einen Blick in unser gemeinsames abrahamitisches Genom. Das ist nicht schön oder erhebend, aber wertvoll, auch heute.“

    Diese Worte verwirren mich eher, als dass sie mir helfen! Für mich klingt das wie ein Rätsel: „Es ist nicht schön oder erhebend, aber wertvoll. Auch heute! Was ist es?“ Das, was nicht schön oder erhebend ist, und was uns schon mit Adam vereint, ist ja, dass die Menschen, obwohl sie alles von Gott bekommen haben (Universum, Gemeinschaft mit Gott, Stellung als König und Königin, göttlicher Auftrag, …), lieber den Worten des Verführers geglaubt haben und so der Tod in die Schöpfung kam. Andererseits hat genau diese misslich-unwiderrufliche Lage der Menschen den Herrn bewogen, auch als Mensch auf die Erde zu kommen, um die für uns verdiente Strafe, den Tod und die Trennung von Gott, allein auf sich zu nehmen und so von uns abzuwenden, damit wir frei würden. Und was uns mit Abraham verbindet, ist unser Glaube, der die Welt überwunden hat (1. Joh. 5,4).

    Was heißt das dann für das Gesetz und für die Gnade? Mit anderen Worten: Wie steht es um Gottes Gesetz heute? Und was hat es mit Gottes Gnade zu tun?

    Gott ist der Gesetzesgeber. Sein moralischer Charakter ist unveränderlich, Er ist heilig und er allein ist gut (Mk 10,18). Und so ist auch sein Gesetz heilig und gut (1. Tim 1,8, vgl. Röm 7.12.16).

    Unsere erste Reaktion auf solche Verse wie Deut. 17,5 sollte positiv sein. Das Böse soll aus unserer Mitte entfernt werden – hat das etwa nur Gültigkeit im Alten Testament? Dem widerspricht ja Jesus, der es war, der den Austausch an uns vollzog, das Böse entfernte (auf sich nahm) und uns seine Gerechtigkeit schenkte (2. Kor. 5, 21), was wir allein im Glauben annehmen.

    Hat das Gesetz dann noch Bestand? Kann man es noch brechen? Gibt es noch Sünde? Jesus stellt einen Bezug her, der deutlicher nicht sein könnte: Solange Himmel und Erde bestehen, besteht auch das Gesetz. Und um uns die Verbindlichkeit seiner Worte verständlich zu machen, fügt Jesus hinzu, dass wer auch nur eines der geringsten Gesetze aufhebt, wird in Gottes Reich zu den Kleinsten gezählt werden (Mt. 5,18-19). Daraus schließen wir, dass wir nicht einfach so tun können, als ob das Gesetz für uns heute keine Relevanz hätte. Wenn wir, die Kinder Gottes, Gott ernst nehmen wollen, dann müssen wir auch sein Gesetz beachten.

    Wenn es uns schwerfällt, das Gesetz ernst zu nehmen, dann hat das in erster Linie damit zu tun, dass uns das Gesetz etwas zeigt, was wir an uns nicht so gern sehen wollen: nämlich unseren sündhaften Charakter. Das geht sogar so weit, dass Paulus uns vor Augen führt, wie schlimm es um uns steht: Wir waren tot in Vergehungen und Sünden, bis Gottes Gnade kam und uns neues Leben gab (Eph. 2,1-5). Diese Gnade hat uns nicht nur vom Tod gerettet, sondern gibt uns jeden Tag neue Kraft (2. Kor. 4,7-19). Gottes Gesetz gibt uns den Standard, Gottes Gnade die Kraft. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

    Wenn dem so ist, warum opfern wir dann keine Rinder und Schafe mehr, wie das die Juden taten? Müssten wir nicht Ehebrecher steinigen? Werden wir noch unrein, wenn wir beim Putzen eine tote Spinne beseitigen? Hat sich doch etwas geändert, auch wenn Gottes Gesetz gleich geblieben ist? Ja, das Kommen von Jesus Christus, dem Bräutigam, hat alles verändert! Er macht alles neu (Jes. 43,19; Kgl. 3,22-23; Röm. 6,4; Off. 21,5) – deswegen spricht er ja selbst von einem neuen und ewigen Bund!

    Zwar hat das Gesetz sich nicht verändert. Aber bestimmte Gegebenheiten sind durch das Kommen des Herrn „in der Fülle der Zeit“ (Gal. 4,4) nun anders, und haben somit eine grundsätzliche Veränderung im Gesetz herbeigeführt. Diese miteinander verwobene Gegebenheiten sind: 1. der Opfertod Christi, 2. die Ausgießung des Heiligen Geistes, 3. die Beseitigung von Verunreinigung (Apg. 10-11) und 4. die Zerstörung Jerusalems.

    An dieser Stelle zwischen Ergebenheit (dafür, was Christus erwirkt hat) und Verwirrung (was das denn nun alles für uns zu bedeuten hat) drängt sich eine Frage auf, die auch Paulus (in Röm. 6,1) beschäftigt: „Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunimmt?“ Und wir kennen die Antwort: Über den, der vom Heiligen Geist geleitet wird, hat die Sünde keine Macht mehr (Röm. 6, 9-10), „denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade“ (Röm. 6,14).

    Dieser Vers ist oft falsch verstanden worden, insbesondere deswegen, weil man allzu schnell vergisst, dass Paulus noch immer auf die Frage antwortet, ob wir weiter sündigen sollen. Für Paulus bedeutet „unter Gesetz“ dasselbe wie „fleischlich“ und „Sklaven der Sünde“, während „unter Gnade“ gleichbedeutend ist mit „geistlich“ und „Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit“. Zur Verdeutlichung sei hier auch die parallele Stelle in Gal. 5,18 erwähnt, wo Paulus erklärt, dass es der Heilige Geist ist, der den Unterschied macht und der das in uns bewirkt: „Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter dem Gesetz.“ Deswegen hat die Aufforderung an jeden Christen „Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch!“ (2. Kor. 11,5) die allerhöchste Dringlichkeit. Denn nur wer Christi Geist hat, gehört zu ihm (Röm. 8,9).

    Der, der den Geist hat, wird von Gott umgewandelt zu einem neuen Menschen! Wir sollen uns also vom Heiligen Geist leiten lassen! Warum denn das? Petrus gibt uns die Antwort: „Denn es steht geschrieben: „Seid heilig, denn ich bin heilig“ (1. Pe. 1,16). Das ist Gottes Wille (1. Thess. 4,3)! Sein Geist hat uns ausgesondert, damit wir mitten in einer korrupten und sündigen Welt ein heiliges und gerechtes Leben führen. Was das Gesetz allein in uns nicht bewirken konnte, das bewirkt der Geist in uns. Wir halten die Gebote, und das ist nicht mehr schwer. Gottes Gebote zu halten, bedeutet im wahrsten Sinne zu lieben: „Dient einander in Liebe! Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Gal. 5,13-14)

    Bevor wir also uns vorschnell von einem Gebot oder einer Anweisung abwenden oder es auf die leichte Schulter nehmen, sollten wir genau prüfen, was der Herr von uns erwartet, der für uns gestorben ist und uns seinen Geist gegeben hat, als Lobpreis seiner Herrlichkeit. Zwar haben sich die Gegebenheiten im Gesetz durch das Kommen des Herrn verändert – und wir werden nicht mehr Ehebrüchige steinigen. Gleichwohl ist der Ehebruch ein Symbol für den Bruch des Bundes mit Gott. Jemanden im AT zu steinigen stellt Gottes Urteil dar, denn Christus ist der „Fels“ und der „Stein“ – wer auf diesen Stein fällt, dessen Herz wird zerschmettert (aber dadurch auch gerettet), auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen (Mt. 21,44).

    1. Lieber Oliver,

      Du hast mich zu Anfang Deines Beitrags zitiert, aber das Zitat nicht zu Ende geführt, nicht zum springenden Punkt. Der Absatz endet: „…,aber wertvoll, auch heute. Gerade heute. Denn wenn wir nicht vorsichtig miteinander sind, führen wir einander schnell vor das Stadttor.“

      Ich habe das Gesetz als Richtschnur nicht in Frage gestellt. Mir macht der Gedanke an eine Welt ohne Gesetz Angst. Aber ist es RECHT, einander vor das Stadtor zu führen, um uns dort umzubringen? Wegen Götzendienerei, Ehebruch, Homosexualität, Sodomie?

      Jesus selbst wurde mit dieser Frage direkt konfrontiert. Sie schleppten eine Ehebrecherin zu ihm. Der Fall war klar, die Frau leugnete nicht und wehrte sich nicht, und die rechtliche Konsequenz war ebenso klar. Lev 20,10 bestimmt, dass die Frau sterben muss — wie übrigens auch der Mann, mit dem sie ihre Ehe gebrochen hat; von ihm aber ist in Joh 8 nicht die Rede…

      Jesus bestätigt die Gültigkeit des Gesetzes und hebt gleichzeitig die Rechtsfolge auf. Er sagt: „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Und er selbst, der ohne Sünde ist und den ersten Stein füglich hätte werfen können, verzichtet ausdrücklich darauf, als alle anderen gegangen waren. Und am Ende sagt er „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr“

      Nicht das Gesetz also stellt Jesus in Frage, sondern unsere Möglichkeit, als Menschen mit den RechtsFOLGEN umgehen zu können.

      Darauf, auf die Rechtsfolgen, zielt mein Zögern und mein Fremdeln und schließlich meine Aufforderung, diese Gebote NICHT zu ignorieren, wie es viele tun, sondern uns ihrer Existenz vollständig bewußt zu sein und das rechte daraus zu machen.

      Oli, wenn wir jede Gelegenheit nutzen, mit vollem Recht Steine aufeinander zu werfen, endet das für uns erst dann, wenn der Stein uns selbst trifft.

      Das will ich sagen, und ich meine nicht nur Christen, sondern auch Juden und Muslime. Westlich des Jordans hat gerade wieder jeder recht. Und gleichzeitig gilt, dass wir nichts sind, dass wir nicht leben können ohne Gesetz. Das ist eine jener Paradoxien, die unser Herr so liebt, die er uns zumutet. Weil wir erwachsen sind und es ertragen können. So will er uns!

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar und die Möglichkeit, in die Tiefe dessen zu gehen, was uns hier gegenübersteht!

      Ich grüße Dich, Dein Ulf

  2. Lieber Ulf, liebe Leser!

    Diesmal zitiere ich deinen springenden Punkt: „Denn wenn wir nicht vorsichtig miteinander sind, führen wir einander schnell vor das Stadttor.“ Das ist ein Punkt, der uns, die im Jahre 2024 anno Domini leben, nicht betrifft und auch nie betroffen hat. (Nur viele wissen das nicht.) Gottes Gesetz hat einerseits einen universalen und unveränderlichen Charakter (so wie Gottes Charakter ja unveränderlich und heilig ist), andererseits aber hat das Gesetz im Laufe der Zeit, mit dem Wachsen des Stammes Israel zu einer göttlichen Zivilisation, aus der später der Retter der Welt hervorgehen würde, eine Konkretisierung und Spezifizierung erfahren, z.B. hatte am Anfang ein Familienmitglied die Pflicht des Totschlägers (Deut. 19), aber im jetzigen Zeitalter steht die staatliche Macht im Dienst des Herrn und trägt das Schwert (Röm. 13).

    Wir hätten uns also niemals „schnell vor das Stadttor führen“ dürfen – das war eine vorübergehende Anweisung Gottes, die eine Präzisierung durchlaufen hat. Damit möchte ich auch diese zweiteilige Frage von dir beantworten: „Aber ist es RECHT, einander vor das Stadtor [sic!] zu führen, um uns dort umzubringen? Wegen Götzendienerei, Ehebruch, Homosexualität, Sodomie?“ Erste Frage: Nein! Siehe oben. Zweite Frage: Gott bestimmt, was Gesetz und was Gesetzeslosigkeit ist, nicht wir. Ich denke nicht, dass wir im Neuen Testament auch nur einen einzigen Hinweis dafür bekommen hätten, dass Sodomie, Homosexualität oder auch Mord, Lüge etc. keinen Gesetzesbruch dastellen würde. Aber verschiedene Delikte, die im Alten Testament klare Verbrechen waren (z.B. den Sabbat nicht zu ehren, was mit der Todesstrafe geahndet wurde), sind jetzt „nur“ noch Sünden.

    Der Fall mit der Ehebrecherin aus Joh. 8 ist tatsächlich von großer Bedeutung, aber aufgrund des Kontexts und der Einzigartigkeit (weil a. Jesus einzigartig ist und b. weil es keine anderen vergleichbaren Stellen gibt) auch sehr schwierig. Wir müssen vorsichtig sein, dass wir hier nicht eine Sache überbewerten, was gleichzeitig dazu führen würde, dass wir etwas anderes vernachlässigen.

    Die Pharisäer und Schriftgelehrten bringen eine Frau, die offenbar in flagranti beim Ehebruch ertappt worden war, vor Jesus. Am Tag davor war er für sie kein anderer gewesen als jemand, der Menschen „verführt“ (Joh. 7,47). Aber am nächsten Morgen sprechen sie ihn als „Meister“ an (8,4). Und tatsächlich, er ist der Meister, dem es immer darum geht, den Willen des Vaters zu tun, dem es um die wichtigen Dinge im Gesetz geht, nämlich Recht, Barmherzigkeit und Glauben, aber auch um die nicht so wichtigen Dinge des Gesetzes wie um den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel (Mt. 23,23).

    Aber der Punkt in dieser Geschichte ist wohl der, dass man hier Jesus eine Falle stellen will (Joh. 8,6). Wenn er die Frau freisprechen würde, hat er sich am Gesetz schuldig gemacht, weil auf dieses Vergehen die Todesstrafe stand (Deut. 22,22). Wenn er sie aber verurteilen würde, könnten sie ihn der Missachtung des römischen Rechts bezichtigen. Ja, und wie du schon erwähntest, wo ist denn überhaupt der Mann, der mit der Frau etwas hatte? Ging es den Pharisäern wirklich um Wahrheit und Gerechtigkeit in dieser Sache? Braucht man zum Ehebruch nicht zwei? Irgendetwas stimmt hier nicht! Jesu Antwort ist nicht nur clever – denn damit wahrt er das Recht des göttlichen Gesetzes und auch das der römischen Besetzer –, sondern er deckt vielmehr die bösen Absichten der Ankläger auf, und bewahrt diese ihrerseits davor, noch mehr Unrecht zu begehen, wenn sie die Ehebrecherin steinigen würden.

    Diese Episode im Johannesevangelium soll auch unser Herz ansprechen. Wir sind nämlich allzu schnell bereit, anderen Unglück zuzumuten, wenn wir meinen, im Recht zu sein. Da passt deine Anspielung auf das Stadttor! Aber Gott hat viel mehr im Sinn mit dem Gesetz als nur Strafe: Er stellt sich warnend vor alle, die zur Sünde an ihrem Nächsten bereit sind, um sie vor einer herzlosen Tat zu bewahren, weil aufgrund des Gesetzes auf eine Übertretung eine göttliche Strafe unvermeidlich folgen wird. Aber Gott stellt sich auch und umso eindringlicher vor die Schwachen, vor die Opfer, um sie zu schützen.

    Ich denke, wir haben, was die Rechtsfolge betrifft, dieselbe Meinung und dieselben Bedenken. Sicherheitshalber erkläre ich meinen Standpunkt näher: Wenn Jesus generell die Rechtsfolge aufheben würde, dann hätte Paulus nicht in Röm. 13 der staatlichen Macht die Autorität übertragen. Was Jesus in Joh. 8 vielmehr beanstandet und macht, hat nichts mit einer Abschaffung der Rechtsfolge zu tun, sondern mit gerechtem Richten (Deut. 5,16; Joh. 7,24), was zu unseren Pflichten gehört.

    Aber es fällt in dieser Geschichte trotzdem auf, dass die Frau trotz Ehebruchs nicht von Jesus verurteilt wurde. Wie es aus dem Fall und aus den Worten des Herrn klar wird, wäre ein Todesurteil hier nicht gerecht gewesen. Und vielleicht gab es auch keine glaubwürdigen Zeugen – und genau die hätten ja den ersten Stein werfen sollen (Deut. 17,7). Und außerdem sagt Jesus selbst von seiner Mission, dass er nicht in die Welt gesandt wurde, „dass er die Welt richtet, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh. 3,17). Und genau das bestätigt der Herr auf wundersame Weise: Er kam, um diejenigen zu erretten, die „verdientermaßen“ verdammt sind. Das konnte nur er tun! Was wir von ihm lernen sollen, ist nicht, dass wir gar nicht urteilen sollen (siehe Joh. 7,24), sondern dass wir das Gesetz nicht falsch, vorschnell und zu unseren Gunsten anwenden (Mt. 7,3), was nicht nur fatale Auswirkungen auf die Verurteilte gehabt hätte, sondern auch auf diejenigen, die nicht nach Gottes Maßstab richten (Mt. 6,14-15).

    1. Lieber Oli,

      es fällt mir nach Deiner Antwort nicht leicht, genau zu sagen, worin der Dissens besteht. Ich will hier daran arbeiten.

      1) Das Gesetz ist uns von Gott gegeben als Stecken und Stab, als Mittel, den Bund zu halten. Just für diese Woche habe ich einen Vers gezogen — auch aus dem Deuteronomium — der mir erlaubt, dies zu beleuchten, und ich habe dabei dem Kern des Gesetzes, den Zehn Geboten in diesem Blog eine kleine „Stele“ bereitet. Bitte schau Dir den Bibelvers der Woche 05/2024 an, ich habe beim Schreiben auch an Dich gedacht. Jesus sagt, dass er am Gesetz kein Jota ändern wolle.
      Ich glaube, an dieser Stelle sind wir uns einig.

      2) Meine Ausführungen zielen auf die KONSEQUENZEN der Verletzung des Gesetzes. Es ist eine Sache zu sagen: ‚Götzendienerei ist eine Sünde und vor Gott nicht erlaubt‘ und eine andere, die Steinigung der Täterinnen und Täter (ja, das Gebot gendert) zu fordern und organisatorische Vorbereitungen zu treffen. Ich denke, Jesu Botschaft in Joh 8 ist klar: als Sünder haben wir nicht das Recht — nicht das Mandat — den ersten Stein zu werfen. Es ist eigentlich ausgeschlossen, dass dies nur für Ehebrecher gelten soll und nicht auch für ungehorsame Söhne (Dtn 21, 18-21) oder Götzendiener. Interessant ist, dass Dtn 17,5 seinerseits als Gebot formuliert ist, also von den Leitern der Ortschaften und Gemeinden konkrete Handlungen verlangt. Man kann Jesu Worte dahin gehend auslegen, dass das Gebot zwar besteht, aber leer läuft, weil niemand da ist, der die persönlichen Voraussetzungen mitbringt. Interessanterweise ist das Gebot in der Sammlung der 613 Ge- und Verbote, die der jüdische Philosoph und Gelehrte Mamonides aus der Schrift extrahiert hat, nicht enthalten. In anderen Fällen nimmt Maimonides Aufforderungen zur Verfolgung von Verfehlungen durchaus als eigenständige Gebote auf. Auch hierüber sind wir uns einig, das hast du sehr explizit gemacht. Nie würde ich einen Stein auf den Angehörigen einer anderen Religionsgemeinschaft werfen in der Absicht, ihn zu töten, weil ich in der Ausübung seiner Religion einen Verstoß gegen Gottes Gebot sehe, und du würdest es auch nicht tun.

      3) Du schreibst, das Gebot sei heute, im Jahr 2024, irrelevant und betreffe uns nicht. An dieser Stelle verstehe ich nicht, was du meinst. Gewalt im Streit um religiöse Wahrheit ist gang und gäbe, in der Welt und in meinem Land, und vermutlich auch in Finnland, und sie nimmt immer wieder auch staatlich organisierte Züge an. Oli — diese Dinge sind relevant! Die Scharia-Gerichte in Iran und Afghanistan fallen mir als erstes ein, deshalb habe ich auf vom ‚abrahamitische Genom‘ gesprochen. Der Bürgerkrieg in Irland liegt historisch gesehen erst einen Wimpernschlag zurück. Nach dem Krieg wurde mein Vater als Kind von anderen mit Steinen beworfen, weil er evangelisch war. Das geschah in unserer gemeinsamen Heimatstadt Laupheim, es fehlte dabe aber wohl an der Tötungsabsicht. Heute, am Sonntag, den 28, Januar, gab es einen Terrorangriff auf eine katholische Kirche in Istanbul. Religiös motivierte Gewalt gibt es in vielen Ländern — Lynchjustiz und Terror. Viele Menschen in meiner Frankfurter Gemeinde kommen aus solchen Ländern und Situationen, darunter einige aus Iran und Pakistan. Und der Krieg in Gaza: hat denn der keine religiöse Konnotation?
      Hier unterscheiden wir uns möglicherweise.

      4) Hier etwas, worüber wir noch nicht gesprochen haben. Wir Christen haben einen komplizierten und dabei inkonsistenten Zugang zum mosaischen Gesetz. Einerseits erkennen wir an, dass es von Gott kommt und daher geachtet werden soll — der Herr selbst verlangt es von uns. Auf der anderen Seite sind wir ausgesprochen eklektisch, wenn es darum geht, was davon wir wirklich als Richtschnur akzeptieren. Die Zehn Gebote gehören gewiss dazu, bei sechs der sieben noachidischen Gebote bin ich mir ebenfalls sicher — das siebente ist schwierig. Wir schächten nicht, und Gerichte mit Blut gehören auf den Speisezettel vieler Christen. Die jüdischen Speisegesetze erachten wir allgemein für irrelevant (warum eigentlich?), ebenso die Opfervorschriften, den größten Teil des Familienrechts, etc, etc. Wir haben Jesu Festlegung zum Geist hinter den Geboten und die Forderung, nach diesem Geist zu leben. Aber die Versuche der verfassten Kirchen diesen Geist zu konkretisieren, sind umstritten, historisch beschränkt und haben keine universale Geltung.

      Als der Bibelvers dieser Woche (05/2024) von mir eine Antwort gefordert hat, habe ich mich für die Zehn Gebote entschieden. Dazu gehören sicher auch die beiden „Ausführungsbestimmungen“, die Jesus der Torah entnommen hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Denken“ (Dtn 6,5) und „deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lev 19,18).

      Schwer genug, wie ich jeden Tag erfahre, selbst im Familienkreis. Aber den Nächsten, den ich liebe, kann ich nicht vors Stadttor führen. Auch das klingt in Deiner Replik mehrfach an.

      Schalom, Oli, ich grüße Dich und wünsche Dir einen schönen Sonntagabend!
      Ulf

      1. Lieber Ulf!

        Immer wenn wir an einer Kreuzung ankommen und Konsens erreichen, stellen wir kurz darauf fest, dass der eine von uns in einer Richtung weitergehen will, die der andere für nicht folgerichtig hält. Das macht jeden von uns stutzig, da wir doch beide davon überzeugt sind, in Gottes Wort die Wahrheit und Worte des ewigen Lebens zu finden. Ich denke mal, dass jeder von uns unterschiedliche Beweggründe hat.

        So ist es auch in deinem zweiten Punkt. Ich stimme dir zu, dass man als Sünder in der Episode in Joh. 8 die Ehebrecherin nicht steinigen darf. Aber der Sünder, der in der Geschichte einen Stein in der Hand hält, ist nicht ein genereller Sünder – das sind wir ja alle, und trotzdem gab Gott Moses diese Gesetze – sondern er ist ein konkreter Sünder, dem es nicht darum gegangen ist, sich hier mit ganzem Herzen an das Gesetz und es in Ehren zu halten. Stattdessen hat er den Fall der Ehebrecherin für seine andere Agenda benutzt, Christus eine Falle zu stellen. Und er hat das Gesetz „hölzern“ angewandt, im Sinne von: Hauptsache, man kann heute noch jemanden steinigen. Und wie schon erwähnt worden war: Beide Ehebrecher wären zu steinigen gewesen. Aber an diesem Punkt will ich doch noch zwei Sachen ansprechen:

        1. Gottes Gesetz ist keine Maschine, kein Instrument, das sich jedem Menschen willenlos in den Dienst stellt. Es hat einen Bezug zu jedem Menschen, das Gesetz ist – wie Gottes Wort – ja lebendig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert.
        Gott vertraut uns immer etwas an, seine Schöpfung, sein Evangelium, seinen Sohn, sein Gesetz. Und wenn er uns etwas gibt, dann erwartet er etwas von uns. Was erwartet er denn? Im Umgang mit seinen Geschenken erwartet er Aufrichtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Glaube. Wer dagegen auf Gottes Geschenke überheblich oder mit Ignoranz reagiert, eine Abkürzung sucht, davonrennt, oder nur auf persönlichem Vorteil aus ist (1. Sam. 8,3; Ps. 119,36; 1. Tim. 6,5; Mk. 8,36), der ist nicht für das Reich Gottes tauglich. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel erwartet: Das gilt auch für das Halten der Gesetze. Wer von Gott beauftragt ist, Steine zu werfen, dem muss klar sein, dass er in keinster Weise Schuld auf sich laden kann, z.B. bei der Handhabe des Vergehens.

        Dass dieser Punkt nicht ganz nebensächlich ist, verdeutlicht Deut. 19,15-21. Ein Zeuge ist in Gottes Gesetz auch jemand, der bei einem todeswürdigen Verbrechen den ersten Stein werfen soll. Wenn der Zeuge aber eine Falschaussage gemacht hat, passiert mit ihm genau das, was dem Angeklagten drohte. Ich bin davon überzeugt, dass es dem Herrn in Joh. 8 auch darum ging.

        2. Die Bestrafung in Gottes Gesetz hat eine „Obergrenze“: Zahn um Zahn, Auge um Auge. Für uns im 21. Jahrhundert mag das zwar noch so befremdlich klingen, aber das ist eine sehr gute Obergrenze – und sie ist gleich für Arme wie für Reiche. Ein anderes Mal könnte ich darüber mehr sagen. Was mir aber hier wichtig ist: Die Obergrenze war das Maximum. Es gab auch die Möglichkeit, auf ein Strafmaß teilweise oder ganz zu verzichten. Josef, den Matthäus (1,19) als „gerecht“ darstellt, sah, dass Maria, mit der er keinen Verkehr gehabt hatte, schwanger war. Er musste annehmen, dass ein anderer Mann im Spiel war. Aber statt Maria das Leben schwer zu machen, sie anzuklagen, gedachte er, sie heimlich zu entlassen. Gott liebt großzügige Menschen. Und er ist erzürnt über unbarmherzige Gläubiger (Mt. 18,23-34).

        Bist du erpicht, Steine zu werfen? Wir leben in einer anderen Ära, mehr als 2000 Jahre nach dem Kommen des Herrn. Wir sind auf dem Weg, dass die Erde von der Erkenntnis des Herrn mehr und mehr erfüllt wird. Wir erfahren schon heute (zumindest temporär und regional) Frieden durch Recht und Gerechtigkeit. Der Eifer des Herrn bewirkt das. Schon jetzt leben wir in Christus, regieren mit ihm und haben einen Platz in den himmlischen Bereichen. In der alttestamentlichen Zeit war es eine Verpflichtung als Zeuge oder Opfer, bei bestimmten Vergehen, den ersten Stein zu werfen. Das war absolut richtig so in jenen Tagen! Seien wir froh und dankbar, dass Gott den Staat beauftragt hat, Urteile zu vollstrecken, und wir keine Steine mehr werfen müssen! Ja, im Gegenteil: Wir dürfen gar keine Steine mehr werfen! Das ist tabu, das ist irrelevant geworden! Ein für alle Mal! (Und das hat direkt mit dem zu tun, den wir so verehren!) Es ist die Aufgabe des Staates, Recht und Ordnung zu schaffen, das Böse „böse“ zu nennen und das Gute „gut“. Und so heißt es folgerichtig in Spr. 14,34: Gerechtigkeit erhöht eine Nation. Selbstverständlich pervertiert jeder Staat das göttliche Prinzip aus Röm. 13 zu einem gewissen Grad. Was machen wir als Bürger dann? Petrus und die anderen Apostel sagen: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.“ (Apg. 5,29)

        Und so komme ich zu einem wichtigen Resultat: Gottes Gesetz im Alten Testament darf (und muss sogar) nur mithilfe des Neuen Testaments interpretiert werden. Wo diese Prinzipien von Gottes Gesetz zu Grunde liegen, werden erstens die Bewohner im Laufe der Zeit zu redlicheren, liebevolleren, ehrlicheren, gerechteren, glücklicheren Menschen, die länger leben, und zweitens werden die Heiden davon magisch angezogen.

        Genauere Angaben zu machen, wie Gottes Gesetz im Detail heute zur Anwendung kommen sollte, halte ich für eine unmögliche, zu komplizierte Arbeit. Es gibt viele Völker, viele Nationen, viele Sprachen, viele Kulturen, die von Gott schon aus der Dunkelheit gerufen wurden und nun Gottes Gesetz in ihren Gegebenheiten, in ihrem historischen, regionalen Kontext umsetzen und auf diese Weise den „Reichtum der Nationen“ (Jes. 60, 11) vor den Herrn bringen. Zum Beispiel gebietet Gott im Alten Testament, dass eine Zisterne zugedeckt bedeckt sein muss (Ex. 21,33). Dieses Prinzip kommt sicherlich heutzutage universell überall auf der Welt bei Baustellen mit Gruben zum Einsatz. Das Gesetz im Alten Testament schrieb vor, dass man beim Bau eines Hauses ein Geländer um das Dach haben musste (Deut. 22,8). Ich weiß nicht, wo der Balkon erfunden wurde. Aber ich bin mir sicher, dass wir gut daran taten, das biblische Anweisung auch hier zu berücksichtigen. Der Schutz des Lebens steht immer im Vordergrund.

        Und aus diesem Grund ist das Gesetz Gottes auch nichts rein Äußerliches, wie es vielleicht den Anschein hat, wenn man das Alte Testament überfliegt, dass man einfach die Gesetze halten musste. Es geht Gott vielmehr um die Verinnerlichung des Gesetzes, es geht um eine Rechtschaffenheit, die die der Pharisäer und Schriftgelehrten bei weitem übertrifft. In dem Gesetz geht es nie nur um Äußeres, sondern – wie Jesus in der Bergpredigt lehrt – auch darum, dass wir auch durch Gedanken, Intentionen, Unterlassungen und falsche Blicke dem Feuer der Hölle verfallen sind, dass unsere Schuld vor Gott unermesslich viel größer ist als wir es uns vorstellen wollen, und dass wir bei ihm, der das Gesetz perfekt gehalten hat, Schutz suchen.

        Es ist undenkbar, dass Gottes Gebot besteht, aber leer laufen würde, nur weil niemand die persönlichen Voraussetzungen mitbringt. Wir alle waren tot in Vergehungen und Sünden und konnten die Gute Nachricht nicht annehmen. War das der Grund, dass Gott uns vergab? Hat das Gott daran gehindert, uns seinen Sohn zu schicken? Nein! Der Herr tritt im Markus-Evangelium (1,15) mit den Worten auf: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ Hat er das nur generisch oder zum Spaß gesagt, oder kann Glaube tatsächlich retten? Daraus schließe ich, dass Gottes Gebot besteht und nicht leer läuft, ähnlich wie sein Wort nicht zu ihm zurückkehrt, ohne das zu bewirken, wozu er es gesandt hat (Jes. 55,10-11).

        Was die jüdischen Speisegesetze betrifft, können wir anhand mehrerer Bibelstellen (Apg. 10; Apg. 15,20; 1. Tim. 4,1-5; Kol. 2,16-23; Röm. 14,17) sagen, dass sie keine bindende Wirkung mehr haben. Sie waren dazu bestimmt, den Juden den Unterschied zwischen rein (das auserwählte Volk) und unrein (die Heiden) zu lehren und ihn aufrechtzuerhalten. Aber diese „trennende Wand der Feindschaft“ (Eph. 2,14) hat der Herr niedergerissen, „durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi“ wurden wir ein für alle Mal „geheiligt“ (Heb. 10,10).

        Wir sind beide keine Theologen, sondern verdienen unser Brot auf andere Weise. Aber ich bin mir sicher, dass wir fündig werden, wenn wir in Gottes Wort Antworten auf unsere Fragen suchen.

        Deshalb bin ich dir sehr dankbar für deinen wöchentlichen Bibelvers und deine engagierte Arbeit! Gottes Segen und Freude im Dienst des Herrn wünscht dir

        Olli

  3. Vielen Dank, lieber Olli,

    ein Dissens ist nichts, das „weg muss“, weil es keinen Platz in der Welt hat. Es ist nicht nötig, Meinungsunterschiede entweder auszuräumen oder zu leugnen, nicht einmal Ehegatten müssen das tun. Man kann sie auch stehen und fruchtbar sein lassen.

    Was ich zu Dtn 17,5 geschrieben habe, ist irgendwie orthogonal zu dem, was Du in diesem Vers siehst, Wir kriegen das per Diskussion nicht gelöst. Wenn Du möchtest, kannst Du einen eigenen Kommentar schreiben, und ich füge ihn dem meinen bei. Ich kann auch einen gesonderten Beitrag daraus machen, wenn Dir das lieber ist.

    Ich kann wirklich nicht mehr genau erkennen, wo der Dissens ist. Wir scheinen uns einig zu sein, dass die Anweisungen für tödliche Bestrafungen im Alten Testaments keine Gebote sind, denen heute noch Bindungskraft zukommt oder zukommen sollte. Ich leite das aus einer Verallgemeinerung von Joh 8 ab und schlage interpretierend vor, dass das Gebot, eine Steinigung durchzuführen, als solches nicht verschwunden ist, sondern seine Voraussetzungen nie erfüllt sind. Diese Argumentation ist durchaus „jüdisch“ — in derselben Weise wird von Rabbinern argumentiert, dass die Opfervorschriften der Tanach derzeit leer laufen, weil es keinen Tempel gibt, in dem man sie ausführen könnte. Dies Argument hat deinen Unmut erregt.

    Du leitest die fehlende Bindungswirkung davon ab, dass für Bestrafungen heute „der Staat“ zuständig sei. Ist damit alles, was an Strafrecht im Alten Testament steht. automatisch „weg“? Ist es so mechanisch? Bedenke, dass es auch Unrechtsstaaten gibt. gestern, heute und morgen, die sehr sonderbare Vorstellungen von Strafwürdigkeit haben. Auch in Juda war Bestrafung Sache des Staats, aber damals galten die Mitzwoth des Tanach eben auch als staatliches Recht.

    Ich wollte sagen — das war die ursprüngliche Bottom Line — dass diese Strafvorschriften im Tanach standen und weiter stehen, dass sie die Art und Weise prägen, wie gläubige Menschen miteinander umgehen, in der Vergangenheit und auch jetzt, und das wir uns über die Existenz dieser Gebote und der Ansprüche, die sie an uns stellen, sehr bewusst sein sollten und wir uns Rechenschaft ablegen sollten, wie wir damit umgehen. Sonst können sie eine Macht über uns bekommen, die wir ihnen nicht geben wollen. Es genügt nicht zu sagen, dass für Strafen eben jetzt der Staat zuständig sei, das weicht dem Problem aus. Denk an Irland, denk an die vielen Bespiele religiöser Gewalt, denk an Israel/Palästina.

    Ich will es auf die Spitze treiben, damit du siehst, was ich meine. Lev 18,22 verlangt die Steinigung homosexueller Männer. Wenn nun ein Verwandter von mir glücklich verheiratet ist mit einem anderen Mann — wie gehe ich damit um? Genügt es, darauf hinzuweisen, dass derlei Dinge heute Sache des Staates ist? Und wenn der Staat seine Meinung ändert? Oder soll ich mit großem liberalen Gewürge behaupten, die Bibel sage in Wahrheit, dass alles menschliche Lieben gleichen Wert habe? Oder sollte ich besser die Wertung des AT kennen, sie im Bewusstsein halten, wissen, wie sie das Verhalten anderer bestimmt und darauf achten, dass sie mein eigenes nicht beherrscht?

    Ich habe keine gute, keine wirklich befriedigende und „runde“ Antwort auf diese Frage. Die Bibel ist die Bibel und sie soll es bleiben dürfen. Ich liebe die Bibel, und sie kann zu uns nur dann sprechen, wenn man sie sprechen lässt. Wenn wir das Wort stehen lassen, dann sind wir im nächsten Schritt frei, es richtig in unser Leben einzubauen. Aber wir dürfen es nicht wegdrücken, nicht leugnen.

    Am Ende läuft es darauf hinaus, dass wir manche Gebote als bindend für unsere Handlungen sehen und andere nicht. Für jemand, der sicher sein will, alles richtig machen, ist das schmerzhaft und schwierig. Ich glaube, dass Gottes Gebote eine Evolution durchmachen. Das klingt übrigens auch zwischen deinen Zeilen durch. Diese Sicht ist nicht leicht, denn man verliert die festen Leitplanken. Aber wir müssen erwachsen werden. Und wir treffen solche Wertungen ohnehin ständig, das wollte ich mit dem Hinweis auf die Speisegebote und das Familienrecht sagen.

    Also — lass uns darauf verzichten, einen Konsens zu bekommen. Ich verstehe selbst jetzt erst wirklich, was ich eigentlich schreiben wollte. Und meine Einladung steht — schreibe eine eigene Betrachtung!

    In Liebe, Dein Ulf

  4. Lieber Ulf,

    wahrscheinlich würden wir nicht so lange Posts schreiben, wenn wir uns vom anderen nicht jeweils falsch oder nicht gut genug verstanden fühlen würden. Ich gebe zu, dass ich an manchen Stellen eher etwas ungenau war. Gut, dass du deine Finger gleich drauflegst und nachfragst. So kann ich hoffentlich manches besser erklären.

    Gleich zu Beginn möchte ich dir widersprechen. Es ist zu verallgemeinernd und irreführend, wenn du aus unserem Dialog abzuleiten würdest, dass „tödliche Bestrafungen im Alten Testaments [sic!] keine Gebote mehr sind, denen heute noch Bindungskraft zukommt oder zukommen sollte.“ Dass dem nicht so ist, will ich am Beispiel „Homosexualität“ verdeutlichen, das du ansprichst.

    Homosexualität wird in Lev. 20,13 unter todeswürdigen Vergehen aufgeführt: „Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide haben den Tod verdient; ihr Blut kommt auf sie selbst.“

    Wie ich in der letzten Nachricht schon sagte, ist es nötig zu schauen, was zu diesem Vergehen dann im Neuen Testament zu lesen ist. Dort wird Homosexualität als die Kulmination von Apostasie und Entfremdung von Gott gesehen (Röm. 1,24-32; Gal. 5,19; 1. Tim. 1,10) und solche, die das praktizieren, werden das Reich Gottes nicht erben (1. Kor. 6,9-10; Offb. 22,10). Paulus beruft sich deshalb bei praktizierter Homosexualität auf die Todesstrafe, in Einklang mit „Gottes Rechtsordnung“ (Röm. 1,32). Wer hier kalte Füße kriegt, den erinnert der Apostel im selben Brief daran, dass das Gesetz heilig und gut ist (Röm. 7,12, vgl. 1.Tim. 1,8)!

    Bei den meisten Vergehen, die mit der Todesstrafe geahndet werden können, handelt es sich um eine Maximalstrafe – außer bei Mord (mit Zeugen), wo die Todesstrafe angewendet werden muss. Sowohl die guten Könige Asa, Joschafat und später Josia blieben bei der Bestrafung von Homosexuellen unter der Maximalforderung (1. Kön. 15, 12; 22,46; 2. Kön. 23,7), aber schafften stattdessen solche „Tempelhurer“ (Homosexuelle) aus dem Land oder zerstörten ihre Häuser und beseitigten ihre Götzenbilder (1. Kön. 15, 12; 22,46), Niemand wurde mit dem Tod bestraft.
    Sind wir bis hierher, was die Sachlage betrifft, auf einem gemeinsamen Level?

    Ich gehe jetzt zu der Frage über, ob Gottes Gesetze noch anzuwenden sind oder nicht. Schon früher hatte ich ja – eher missverständlich – festgehalten, dass wir in einer neuen Ära leben, im Neuen Testament. Eine Sache, die sich im Neuen Testament grundlegend verändert hat, ist, dass die staatliche Ordnung das Schwert trägt (weshalb, nebenbei bemerkt, die finnische Polizei in ihrem Emblem ein Schwert hat) und damit diejenigen bestraft, die sich dieser Macht – und dabei der Anordnung Gottes – widersetzen (Röm. 13).

    Vor dieser neuen Epoche gab es in Israel auch eine staatliche Ordnung und Institutionen. Während sich die Bezeichnungen derer änderte, die von Gott mit Autorität betraut waren (Moses, Priester, Richter, König, Provinzgouverneur), blieben die Aufgaben und Pflichten im Großen und Ganzen dieselben: nämlich Verantwortung zu übernehmen für das geistige und moralische Wohlbefinden in der Nation, für die Rechtsprechung sowie die Vollstreckung des Bundesgesetzes und für den Schutz der Bedürftigen und Schwachen in der Gesellschaft.

    Die Vollstreckung von Urteilen oblag in den meisten Fällen den Anklägern, denen durch die Führenden im Land Recht zugesprochen worden war. Soweit zu den Äußerlichkeiten. Aber es gab noch eine entscheidende Sache bei der Verurteilung und bei der Vollstreckung zu berücksichtigen, wie du mit Heranziehung von Joh. 8,7 selbst ansprichst: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“

    An dieser Stelle bin ich etwas unschlüssig, weil ich – trotz deiner klar verständlichen Aussage – nicht sicher bin, was du meinst, wenn du schreibst, „dass das Gebot, eine Steinigung durchzuführen, als solches nicht verschwunden ist, sondern seine Voraussetzungen nie erfüllt sind.“ Vielleicht meinen wir mit unterschiedlichen Worten dasselbe oder mit denselben Worten etwas ganz anderes.

    Eventuell hole ich zu weit aus, um auf dieses Zitat einzugehen: Es gibt auch weiterhin im Neuen Testament todeswürdige Verbrechen. In diesem Sinne folge ich dir vollkommen: das Gebot ist nicht verschwunden (siehe oben, Stichwort Homosexualität). Tod durch Steinigung war von Gott für Israel festgesetzt – daran sind wir nicht mehr gebunden. Wir leben jetzt in der Zeit von Röm. 13, wo die von Gott gegebene Autorität zur Rechtsprechung und zur Vollstreckung von Todesurteilen jeder rechtmäßigen Staatsmacht nach eigenem Maß und Methode übertragen ist.

    Wir sind, und ich denke, auch die Christenheit ist sich darüber einig, dass die Voraussetzungen für die Steinigung der Ehebrecherin in Joh. 8 nicht erfüllt waren. Wenn deine Argumentation die richtige wäre, dass man keine Urteile vollstrecken kann, weil ja keiner ohne Sünde ist, dann müsstest du Gottes Wort an anderen Stellen in der Bibel widersprechen, z.B. Paulus in Röm. 13. An keiner Stelle im Neuen Testament lesen wir, dass es falsch wäre, Verbrecher zu verurteilen.

    Und wie würde sich deine Aussage zu dem verhalten, was Petrus (1.Pe. 2,13-14) schrieb: „Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung: dem Kaiser, weil er über allen steht, den Statthaltern, weil sie von ihm entsandt sind, um die zu bestrafen, die Böses tun, und die auszuzeichnen, die Gutes tun!“ Nero war kein gottesfürchtiger, gerechter römischer Herrscher. Aber sowohl Petrus als auch Paulus unterwarfen sich trotzdem dessen von Gott gegebener Staatsgewalt. Das heißt natürlich nicht, dass die Ausübung von Staatsgewalt automatisch gut ist oder dass Neros Urteil frei von Sünde gewesen wäre. Alle Menschen, die mit Autorität betraut sind, z.B. Regierende und Richter, werden in Ps 2, 10-12 eindrücklich gewarnt, dass sie zur Einsicht kommen und mit Furcht dem Herrn dienen sollen. Wem viel gegeben wird, von dem wird viel zurückgefordert! Das beste Beispiel gibt unser Herr. Er hat sich trotz Falschaussagen, trotz einer falschen Anklage dem Urteil von gottlosen Verbrechern ergeben und alles mit sich machen lassen. Und er ist unser Weg.

    Welche Schlüsse sollen wir dann aus Joh. 8 ziehen? Das Gesetz ist nicht für blutrünstige, scheinheilige Menschen, die es nur nach eigenem Ermessen und zum eigenen Vorteil auslegen. Der Fall zeigt uns, dass die Pharisäer nach falschen Richtlinien richteten, und dass Christus dieses Missverständnis definitiv ausräumte. Den Gesetzeslehrern ging es ja, wie wir immer wieder lesen, nicht um das Einhalten des Gesetzes, sondern um die Traditionen. Die Pharisäer waren im eigentlichen Sinne Antinomisten (Mt. 15,1-10), solche, die das Gesetz Gottes (oder zumindest Teile davon) mit anderen Bestimmungen für unwirksam erklärten. Wir finden im Text selbst keinen expliziten Hinweis darauf, was genau die Falle war, die man Jesus stellte. Es ist durchaus denkbar, dass es in dem Disput zwischen den Pharisäern und Jesus um die Gegenüberstellung einer zu jener Zeit laxen Auslegung von Ehebruch (dessen sich wohl die Ankläger selbst schuldig gemacht hatten) gegenüber dem „grausamen“ göttlichen Gesetz ging – so dass man auf diese Weise den Herrn im Tempel vor aller Augen an den Pranger stellen wollte. Das Gesetz ist heilig und gut: Es darf nicht manipuliert, pervertiert oder für eigene Bedürfnisse missbraucht werden, es darf keine Anwendung finden, wo die Rechtmäßigkeit nicht garantiert ist.

    War die Ehebrecherin schuldig? Ja! Aber die Ankläger, die einer nach dem anderen weggingen, waren nicht dafür qualifiziert. Immer wieder stoßen wir im Neuen Testament darauf, dass die Pharisäer zwar als Gesetzeslehrer geachtet werden wollten, aber sich nicht daran hielten – sie waren berühmt-berüchtigt (Röm. 2,22): Sie hielten sich an die Traditionen, aber nicht ans Gesetz! Jesus fragte die Frau: „Wo sind deine Ankläger?“ Wo keine Ankläger sind, kann es auch kein Urteil geben.

    Dann komme ich zu deiner nächsten und vollkommen berechtigten Frage: Ist der Staat für alle Bestrafungen zuständig? Die kurze Antwort ist „nein“ und ich möchte das anhand des Falles von Unzucht in Korinth erklären, von dem im ersten Korintherbrief die Rede ist. Wir erfahren da (1. Kor. 5,1) dass ein Mann etwas mit der Frau seines Vaters hat, worauf im Gesetz die Todesstrafe stand (Lev. 18,8), und was laut Paulus sogar „unter den Heiden“ unerhört ist, sodass er urteilt, dass dieser Mann „dem Satan zu übergeben“ ist, „zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird“ (Vers 5). Was meint Paulus genau? Das ist mit anderen Worten ein Todesurteil (als Maximalforderung), was auf Ehebruch und Inzest, was hier übergreifend als Unzucht bezeichnet worden war, stand.
    Es gehörte (und gehört auch heute) nicht zu den Aufgaben der Kirche, Todesurteile zu vollstrecken. Aber so wie der Staat die Macht des Schwertes hat, so hat die Kirche die Macht der Schlüssel (Mt. 16,19). Die Kirche spricht ihr Urteil aus, übergibt den Mann dem Satan – ein Zeichen dafür, dass der providenzielle Schutz Gottes für ihn nicht mehr gilt und hoffentlich dazu führte, dass er nach dieser Erniedrigung wieder zur Vernunft kam und Erlösung fand. Wir nennen das auch heute noch „Kirchendisziplin“. Die Kirche musste „den alten Sauerteig“ wegschaffen, „den Übeltäter aus [ihrer] Mitte entfernen“, um nichts „mit Unzüchtigen“ zu tun zu haben (Verse 6-13). Dass die Stiefmutter nicht verurteilt wurde, bedeutet wohl, dass sie nicht der Gemeinde angehörte. Die Buße des Unzüchtigen hätte es sicherlich bewirkt, wieder in der Gemeinde aufgenommen und zum Abendmahl zugelassen zu werden. In diesem Fall wäre ja der Herr für dessen Sünde gestorben.

    Ja, es gibt Unrechtsstaaten! Woran erkennen wir das? Wir erkennen, dass eine Affinität besteht zwischen Gottes Gesetz und dem Grad, wie die Staatsgewalt, die ja ihre Berechtigung und ihren Auftrag vom Herrn bekommt, in der Rechtsprechung sich Gottes Gesetz unterstellt. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Kirche: Lehrt sie (noch) Gottes Wort? „Wehe denen, die das Böse gut nennen, und das Gute böse“ (Jes. 5,20).

    Wie also damit umgehen, wenn der Staat und die Kirche Homosexuelle den Bund der Ehe schließen lässt? Ich hoffe, dass du jetzt eher eine Antwort darauf hast. Homosexualität ist eine Sünde, genau wie z.B. Lüge, ein unnützes Wort, Ehebruch im Herzen. Das Gesetz lässt uns verzweifeln, denn wir können gar nicht anders als sündigen. Sünde ist eine Erkenntnis und sie ist die Eintrittskarte in die Kirche. Die bringen wir alle mit. Denn wir benötigen Gottes Vergebung stündlich, täglich, wöchentlich. Gott vergibt jedem Menschen durch das perfekte Opfer seines Sohnes, unseres Herrn, seine Sünde, wenn man sie bereut (1. Joh. 1,9; Lk. 17,1-3). Diese Buße bedeutet auch den Wunsch zur Abkehr von dieser konkreten Sünde und von der Gewohnheit zu dieser konkreten Sünde (1. Joh. 3,6). Gott ist es, der uns seine heilige Kraft dazu gibt, sich von der Sünde abzuwenden. Seine Kraft ist stärker als unsere Verzweiflung und Kraftlosigkeit! Seine Kraft der Auferstehung wirkt doch in uns! Wir sind nämlich im Herrn der Sünde gestorben (Röm. 6,11), wir gehorchen nicht mehr der Sünde in unserem Körper – die ja keine Macht mehr über uns hat –, sondern dienen „in der neuen Wirklichkeit des Geistes“ (Röm. 7,6). Das gilt für alle Menschen, die ihre Sünde bereuen: „Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die aus Toten zu Lebenden geworden sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes!“ (Röm. 6,13)

    Solange sich weder die Kirche noch der Staat darum kümmern, sich an Gottes Ordnungen zu halten und die Menschen in der Erkenntnis des Herrn zu unterweisen, haben wir Christen vom Herrn diese wunderbare Aufgabe der Ermahnung und Zurechtweisung erhalten: „Weise deinen Bruder zurecht, wenn er sündigt“ (Lk. 17,3), „ermahnt einander jeden Tag, solange es noch heißt: Heute, damit niemand von euch durch den Betrug der Sünde verhärtet wird“ (Heb, 3,13). Wehe, wenn wir das nicht täten (Ez. 3,18-21)!

    Diese Aufgabe ist ein Bekenntnis der Liebe zu unserem Retter und zu unseren Mitmenschen. Wer unseren gutgemeinten Ratschlag ablehnt, lehnt nicht nur uns ab, sondern auch den, der uns beauftragt hat. Leider lachen viele Menschen, viele Kirchen und viele Staaten über ihren Schöpfer und Richter und dessen Rechtsordnung, haben nicht gelernt, die Liebe und das Opfer des Herrn ernst und persönlich zu nehmen. Das ist sehr betrübend, „denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, gibt es für diese Sünden kein Opfer mehr, sondern nur die schreckliche Erwartung des Gerichts und ein wütendes Feuer, das die Gegner verzehren wird.“ (Heb. 10,26-27)

    Dein Freund und Bruder in Christus,

    Olli

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