Bibelvers der Woche 01/2022

So lasset uns nun fürchten, dass wir die Verheißung, einzukommen zu seiner Ruhe, nicht versäumen und unser keiner dahintenbleibe.
Heb 4,1

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Gottes Ruhe

Der Vers spricht eigentlich für sich selbst, nicht wahr?  Aber ich würde gern über die Verheißung nachdenken, „einzukommen in seine Ruhe“.

Hier gibt es eine Kette von Bezügen. Der unbekannte Autor des Hebräerbriefs bezieht sich auf Psalm 95: Dort erhält Gott der Herr selbst das Wort, eingeleitet mit einer Warnung: Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet… Denn dann erginge es den Angesprochenen nicht wie den Israeliten, als sich Gottes Zorn gegen sie wendete und er seine Verheissung an die damals lebende Generation zurücknahm. Statt dessen sollten sie vierzig Jahre durch die Wüste ziehen, und erst ihre Kinder durften das Gelobte Land sehen. Dies wird erzählt in 4. Mo 14, 20f. „In seine Ruhe eingehen“ bedeutet im ursprünglichen Kontext also schlicht „sesshaft werden“ — aufhören zu wandern, den Nomadenstatus ablegen und eine Existenz als Eigner des von Gott zugewiesenen Land aufnehmen.

Im Psalm geht es im übertragenen Sinne um die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Noch einnal viel später schreibt der Autor des Hebräerbriefs, dass auch wir eine Verheissung erhalten haben, „auch uns ist verkündigt wie jenen“. Und wir sollen diese Verheissung nicht verlieren. Dabei geht es nicht um die Sesshaftigkeit in Kanaan. „Es ist … noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes“ schreibt der Autor in Vers 9, ohne auszubuchstabieren, was genau er meint. Er weist auf den Schabbat hin, die Ruhe von den Werken. Die folgenden Abschnitte machen klar, dass es um die Gemeinschaft mit Gott in Christus geht. Man kann diese Gemeinschaft annehmen, man kann sie auch versäumen. 

Wir sehen hier eine kleine Kette, in der ein ursprünglich sehr konkreter Begriff eine Umdeutung erfährt mit Blick auf eine höhere Realität, die nicht mit Händen zu greifen ist: zunächst im Psalm und dann, auf Christus bezogen, im Hebräerbrief.

Gottes Ruhe… requiem aeternam dona eis, Domine….

Ruhe in Gott, Ruhe von den Werken. Das Gegenteil davon wäre Bewegung, die nicht aufhört, weil sie nicht aufhören kann. Als extremes Bild drängt sich mir der „Fliegende Holländer“ auf. Ich habe mit meiner Tochter kürzlich „Fluch der Karibik“ gesehen: der Film bringt den alten Mythos neu auf die Leinwand. Das wäre eine Form des ewigen Lebens, die wahrlich niemand haben will.

Ich wünsche uns allen ein gesegnetes neues Jahr in Gottes Schutz und Beistand, in dem wir an seiner Ruhe nicht vorbeigehen, und auch keinen von uns zurücklassen!
Ulf von Kalckreuth

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