Bibelvers der Woche 21/2018

… und zu dem einem Lamm ein Zehntel Semmelmehl, gemengt mit einem Viertel von einem Hin gestoßenen Öls, und ein Viertel vom Hin Wein zum Trankopfer.
Ex 29,40

Bemerkung: Ein Zehntel Epha sind etwa 3,6 Liter. Ein Viertel eines Hin sind etwa 1,5 Liter. Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Vom Opfer

Der erste Teil des Satzes lautet: „Und das sollst du mit dem Altar tun: zwei jährige Lämmmer sollst du allewege des Tags darauf opfern, ein Lamm des Morgens, das andere gegen Abend; … (Exodus 29, 38+39)

Der Bibelvers dieser Woche ist ganz aus der Nähe des Verses der letzten Woche gezogen. Gemeinsam mit den zehn Geboten empfängt Moses eine Reihe von Vorschriften, die für die sich bildende israelitische Gemeinde konstitutiv sind. Ein Vers zum Pfingstfest: die Jünger Jesus trafen sich in Jerusalem, um gemeinsam Shavu’ot zu feiern, das Fest des Empfangs des Gesetzes auf dem Berg Sinai. Der Vorläufer von Pfingsten ist also Shavu‘ot. In diesem Jahr werden beide Feste sogar gleichzeitig gefeiert!

In Exodus sind auch Gebote zum Opfer zu finden, obwohl eine systematische Behandlung erst im dritten und vierten Buch Mose stattfindet. In unserem Bibelvers geht es um das tägliche Opfer, das vor der Stiftshütte erbracht werden sollte, und später im Tempel. Es wird in Numeri 28, 3-8 noch einmal genauer festgelegt. Dabei handelte es sich um ein sogenanntes „Ganzopfer“: das Tier wurde vollständig verbrannt. Dieses Opfer wurde von der Kultgemeinschaft als Ganzer erbracht, also quasi-staatlich. Andere und ursprünglichere Opferarten hatten eher den Charakter eines gemeinschaftlichen Mahls, bei dem die Gottheit in besonderer Weise anwesend und beteiligt war. Es gab auch individuelle Schuld- und Sühneopfer für Verfehlungen.

Der Bibelvers der Woche wird zufällig gezogen. Dabei entsteht mit der Zeit ein Bild der Bibel, das zumindest in den quantitativen Strukturen immer genauer werden sollte. Es fällt auf, wie oft in diesen Ziehungen das Opfer thematisiert wird. In den beiden Teilen der Bibel hat es eine ungeheure Bedeutung. Das Opfer ist Kommunikation mit Gott, hat aber auch wichtige gemeinschaftsstiftende Funktion. Zu den großen Opferfesten traf sich die Sippe und vergewisserte sich ihrer Zusammengehörigkeit. Die Opferfeste strukturierten das Jahr. 

Heute opfern weder die Juden noch die Christen. Die Christen haben das Opfer aufgegeben, weil mit und durch Christus das größte Opfer gebracht wurde. Die Juden opfern nicht, weil die hebräische Bibel als einzige legitime Opferstätte den Tempel in Jerusalem vorsieht, den es nicht mehr gibt.

Nach der Zerstörung des Tempels stellten die jüdischen Rabbinen fest, dass drei Dinge an die Stelle des Opfers treten könnten: Das Studium des Gesetzes (einschließlich der Opfervorschriften!), die Befolgung der dort niedergelegten Ge- und Verbote (Mizvoth) und das Gebet. Bei den Christen ist die Vorstellung des Opfers an zwei Stellen präsent. In der Feier des Abendmahls als Nachvollzug des Opfertodes Christi, und zum anderen beim Gemeindeopfer oder kirchlich gebundenen Spenden. In beiden Fällen pflegen katholische Christen eine deutlich stärkere und konkretere Anbindung an den ursprünglichen Opfergedanken als evangelische.

Was in unserem Leben kann denn für ein Opfer stehen? 

Mit dieser ziemlich schweren Frage wünsche ich uns ein frohes Pfingstfest, in Gottes Heiligem Geist!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 20/2018

… denn du sollst keinen andern Gott anbeten. Denn der HErr heißt ein Eiferer; ein eifriger Gott ist er. 
Ex 34,14

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Der Vers steht im Buch Exodus und sein erster Teil gehört zum ersten Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (Ex 20, 2f).

Das Gebot wird hier wiederholt, und der Grund dafür ist kein günstiger. Während Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote und viele weitere Weisungen empfängt, bedrängen die Israeliten seinen Bruder Aaron. Sie sind verunsichert wegen der langen Abwesenheit Moses, ihres einzigen Mittlers zum Herrn und wollen etwas Handgreifliches für die Kommunikation mit ihrem Gott. Aaron lässt sie ein goldenes Kalb gießen. Auf dem Berggipfel berichtet Gott dem Mose von den Geschehnissen. Er will das Volk verstoßen und stattdessen Moses zu einem großen Volk machen. Moses nutzt – wie vor ihm schon einmal Abraham – seine besonderen Beziehungen zum Herrn und erinnert ihn an seine Versprechungen. 

Als Moses mit Josua vom Berg Sinai herunterkommt, tanzen sie gerade um das Kalb. Moses zerschlägt die Tafeln. In einem Zornesausbruch lässt er die Leviten 3000 Volksangehörige töten. Es kommt dann zu einem Moment der großen Intimität zwischen ihm und Gott – dieser lässt Moses seine Herrlichkeit schauen. Mose kehrt zurück zum Berggipfel, um den Herrn dazu zu bewegen, wie versprochen den Zug der Israeliten ins Heilige Land anzuführen. 

Wieder hat er zwei steinerne Tafeln dabei. Gott erneuert die Bundeszusage und gibt auch die Gebote aufs Neue. Aber er macht dabei eine Reihe von Feststellungen und Forderungen, die Grundlage sind für diese Erneuerung des Bundes. In dieser Reihung findet sich der Vers. Der erste Teil ist eine Wiederholung. Der zweite Teil ist eine Bekräftigung der besonderen Art. Es gibt einen alten hebräischen Namen für Gott – „El  Qana‘ “ אֵל קַנָּא  –  dessen wörtliche Bedeutung „eifernder Gott“ ist. Auf diesen seinen Namen beruft sich Gott hier. Eifer ist Teil der in seinem Namen festgelegten Identität Gottes.

Man könnte den Vers so schreiben: „Nach allem, was passiert ist, wiederhole ich: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Ihr seid mein Volk und ich bin euer Gott. Wenn ihr etwas anderes wollt – den Preis dafür werdet ihr nicht zahlen wollen. Ich stehe für mein Wort. Anders kann es nicht sein  – ich bin, der ich bin.“

Gott lässt sein Volk nicht fallen. Er erneuert den Bund, aber er verbindet es mit einer Drohung. 

Für Menschen der zweiten Jahrtausendwende hat diese Drohung etwas eigentümlich Tröstliches. Wir haben ja gar keine Furcht vor dem strafenden Gott. Unser Gott hat ein mildes, alles verzeihendes Gesicht. Unsere Angst gilt seit dem neunzehnten Jahrhundert dem gleichgültigen, dem abwesenden, dem nicht existenten Gott. Denn die alles verzeihende Milde sieht der Belanglosigkeit erschreckend ähnlich. Dass nun Gott zu seinem Wort steht und für sein Wort eifert, kann eine gute Nachricht sein.

Nur ein Gott, der sein Wort ernst nimmt, ist ernst zu nehmen. Das ist evident – es gilt sogar für Menschen. Aber wir sind mit diesem Vers auf dünnem Eis. Die beiläufig erzählte Ermordung von dreitausend Volksgenossen erinnert daran, worum es hier auch gehen kann.

Ich wünsche Euch eine gute Woche,
Ulf

Bibelvers der Woche 05/2018

Aber den Brandopferaltar setzte er vor die Tür der Wohnung der Hütte des Stifts und opferte darauf Brandopfer und Speisopfer, wie ihm der HErr geboten hatte.
Ex 40,29

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Mobiles Heiligtum

Der gezogene Vers ist aus der Beschreibung der Aufrichtung der Stiftshütte im zweiten Jahr der langen Wanderung der Israeliten durch die Wüste. Die Stiftshütte ist etwas sehr Spannendes: von der Funktion her ein Tempel, und in seiner Portabilität und Mobilität gerade eben kein Tempel. In wichtigen Teilen des AT wird großer Wert darauf gelegt, dass ein gottgefälliger Tempel als Ort des Austauschs mit Gott nur in Jerusalem stehen könne. Aber zur Anfangszeit des Weges mit Gott, in der Wüste, lag Jerusalem in einem mythischen, weit entfernten Land. Der fortdauernde Kontakt mit Gott, bei dem das Opfer einen hohen Stellenwert hatte, musste anders gewährleistet werden. 

Mose erhält den Befehl, eine mobile Anbetungsstätte einzurichten, die jeweils dort aufgebaut werden soll, wo die Israeliten sich temporär niederlassen. Sie beherbergt die Bundeslade, in der die Gebote Gottes vom Sinai enthalten sind. Während der Aufenthalte ruhte die Wolke mit der Herrlichkeit des Herrn auf der Stiftshütte und auf dem Weg zog sie dem Volke voran, nachts erfüllt von Feuerschein. Vor der Stiftshütte kann und soll geopfert werden — im gezogenen Vers geschieht dies zum ersten Male. Nicht der Ort ist dabei entscheidend, sondern die Bestimmung. Dies ist eigentlich eine sehr „moderne“ Vorstellung. Die Juden haben sie erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels gezwungenermaßen übernommen. Mystisch orientierte Juden oder Christen haben die Idee weiterentwickelt und weisen darauf hin, dass der eigentliche Tempel des Herrn in der Person des Betenden selbst liegt — wo auch immer dieser gerade sich befindet…

Ich wünsche uns allen eine gute Woche in Gottes Segen,  
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 38/2017

So aber ein Fremdling bei dir wohnt und dem HErrn das Passah halten will, der beschneide alles, was männlich ist; alsdann mache er sich herzu, dass er solches tue, und sei wie ein Einheimischer des Landes; denn kein Unbeschnittener soll davon essen.
Ex 12,48

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

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