Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Gen 8,22
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Deus ex machina
Für mich und andere gibt es derzeit Grund, die Welt als einen Ort zu sehen, der auf einen katastrophalen Umbruch zuläuft. Da mag deutscher Zeitgeist eine Rolle spielen, die familiäre Situation, mein Lebensalter. Viele Menschen projizieren ihren eigenen Untergang aufs Universum. Aber da ist auch Realität: Die Auflösung der Nachkriegsordnung, die Kriege in der Ukraine, im Iran und in Israel, die Schwäche Europas, die Verletzlichkeit der globalen Arbeitsteilung — sie sind keine Einbildung, und der Klimawandel auch nicht.
Wie schön, diesen Bibelvers zu ziehen. Gott gelobt den Fortbestand der Welt. Er hat die Sintflut über die Welt geschickt, hat das Ergebnis gesehen, und er nimmt Noahs Opfer an, das Opfer des letzten überlebenden erwachsenen Mannes.
Ein allmächtiger, allwissender Gott, der Reue zeigt. Der sich umstimmen lässt. Sonderbar, beinahe unpassend — sein Ratschluss müsste eigentlich unveränderlich sein. Aber bedeutet Gnade denn nicht immer, dass ein Mächtiger abkehrt von einer Regel oder einem Entschluss? Wie ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott in diesem Sinne gnädig sein kann, ist für mich verstandesmäßig ein Geheimnis. Aber ohne diese Gnade könnte ich nicht leben.
Ist es Liebe?
Vor einigen Monaten, mit dem BdW 47/2025, gab es hier einen Vers aus dem unmittelbar anschließenden Kapitel von Genesis. Darin gelobt Gott nach dem Bund mit Noah, die Welt nie wieder zu zerstören. Das Zeichen, das Gott dafür in die Welt setzt, ist der Regenbogen. Seinerzeit fragte ich, ob er uns wohl daran hindern würde, dies selbst zu tun. Ein menschengemachter Weltuntergang ist heute leicht vorstellbar. Vor dreitausend Jahren, als der Text redigiert wurde, war diese Unterscheidung noch nicht möglich. Wenn die Welt untergeht, mußte dies denknotwendig von Gott ausgehen; allenfalls konnte es als Reaktion auf Fehlverhalten der Menschen geschehen.
Sie haben es vielleicht gesehen: Der Vers dieser Woche beantwortet die Frage. Das Versprechen, dass die Welt bis zu ihrem physischen Ende bewohnbar bleibe, ist unbedingt — Gott verzichtet nicht nur darauf, selbst die Welt zu zerstören, er garantiert ihren Bestand!

Ein unerhörtes Versprechen. Umso unerhörter, je länger ich darüber nachdenke. Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein (Ps 118,24). Ich arbeite viel an Klimastatistiken und Regeln für unternehmerische Klimagasbuchhaltung. Ja, wir brauchen einen Gott, einen Deus ex machina, der die Maschine stoppt, die wir gebaut haben und am Laufen halten.
Sein Segen sei immer mit uns!
Ulf von Kalckreuth
