Bibelvers der Woche 18/2026

Und die Herrlichkeit seines Waldes und seines Baumgartens soll zunichte werden, von den Seelen bis aufs Fleisch, und wird zergehen und verschwinden.
Jes 10,18

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Mit Stumpf und Stiel

Jesaja hat den Untergang des hebräischen Nordreichs prophezeit, genannt Israel. Die Assyrer werden heranziehen und das Land seiner Elite berauben, seiner Könige und Vornehmen und seiner Propheten, siehe den BdW 14/2023

Aber den Assyrern soll es nicht besser gehen. Der gezogene Vers bezieht sich auf das Schicksal des assyrischen Großreichs. Die Übersetzung von 1912 ist nicht einfach zu verstehen, hier ist die von 1984, zusammen mit dem Folgevers: 

Und die Herrlichkeit seiner Wälder und Gärten soll zunichte werden mit Stumpf und Stiel und wird vergehen und dahinschwinden, dass die Bäume seiner Wälder, die übrig bleiben, gezählt werden können, und ein Knabe kann sie aufschreiben.

Eden vergeht! Damals wie heute stehen Wälder und Gärten im Nahen Osten für Reichtum und Leben — die Vision Jesajas bedeutet daher Armut und Tod in Assyrien. Gott kehrt die Verhältnisse um und tritt den Starken in den Staub. Von einer vergleichbaren Prophezeiung Nahums über die Assyrer handelt der BdW 21/2024.  

Jesaja behält mit beidem recht. Das hebräische Nordreich wird Ende des achten Jahrhunderts v. Chr. vom assyrischen Superstaat erst auf einen kleinen Rest reduziert und dann ganz ausgelöscht. Rund hundert Jahre später erfolgt der explosionsartigen Aufstieg des neubabylonischen Reichs und der Zusammenbruch der alten Hegemonialmacht Assyrien.

Bei seinem Spruch gegen die Supermacht sichert sich Jesaja mit Blick auf zwei unausgesprochene Fragen ab: 

  • Kann der Gott der Hebräer denn das? Ist er überhaupt zuständig für das riesige assyrische Reich? Wie denn nicht, antwortet Jesaja, sind doch die Assyrer nur Werkzeuge Gottes zur Bestrafung Israels. Kein Werkzeug hat Macht gegen den, der es führt. 
  • Und wenn sie Werkzeug Gottes sind, warum werden sie dann bestraft? Siehe den BdW 44/2018. Jesaja antwortet: Sie werden nicht bestraft für das, was sie tun, sondern für das, was sie treibt. Nicht den Willen Gottes haben sie im Sinn, sondern ihre eigene Größe. Sie wähnen, allmächtig zu sein, den Göttern gleich. Bestraft wird ihre Hybris.

Wenn ich die Schlüsselbotschaft eines Verses oder einer Geschichte herausgearbeitet habe, frage ich oft, was sich für unsere Tage daraus lernen lässt. Hier fällt mir der Nahostkrieg ein. An Hybris mangelt es allen Beteiligten jedenfalls gewiss nicht. 

Der Herr segne und behüte uns alle und die Völker, besonders im Iran, im Libanon, in Gaza, in Israel und in den USA. 
Ulf von Kalckreuth

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