Bibelvers der Woche 15/2026

Da ward den Gazitern gesagt: Simson ist hereingekommen. Und sie umgaben ihn und ließen auf ihn lauern die ganze Nacht in der Stadt Tor und waren die ganze Nacht still und sprachen: Harre; morgen, wenn’s licht wird, wollen wir ihn erwürgen.
Ri 16,2

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

Karfreitag

Superman ist unverwundbar. Beinahe. Metall, das von seinem untergegangenen Heimatplaneten Krypton stammt, kann ihn verletzten und töten. Aber solange niemand das weiss, macht es keinen Unterschied.

Der Superman der hebräischen Bibel heißt Simson. Seine Kräfte sind legendär. Er war „Mann Gottes“. Ein Engel war seiner Mutter erschienen, die unfruchtbar war und keine Kinder bekommen konnte und er verkündete ihr, sie werde nun einen Sohn gebären. Sie dürfe keinen Alkohol trinken und nichts unreines essen. Ihr Sohn sei Gott geweiht von Geburt an. Nie dürfe er sich seine Haare schneiden. Ihr Sohn werde die ersten Schritte tun, das Volk Gottes von den Philistern zu befreien.

Mir fällt dabei der Prolog zur Geburtsgeschichte von Jesus und Johannes dem Täufer ein, BdW 50/2025

Das Volk Israel hatte sich in Kanaan ausgebreitet. Die reichen und gut befestigten Städte der Philister aber konnte es nicht einnehmen. Im Gegenteil, die Könige der fünf großen Philisterstädte an der Küste herrschten über große Teile des Landes. Das Wort „Palästina“ leitet sich von „Philistäa“ ab, dem Namen für das Herrschaftsgebiet der Philister. Simsons Auftrag also war es, das Volk gegen die Philister zu führen. Ein Auftrag, der in der Folge immer weitergegeben wird. 

Simson erfüllt ihn auf ausgesprochen eigene Weise. Er ist Choleriker, rachsüchtig und unkontrolliert. Immer wieder entgleiten ihm Situationen. Er eskaliert, bis nur noch seine Superkräfte ihn retten können. Frauen nimmt er sich, wie es ihm einfällt, als Ehefrauen, Huren, Geliebte, und lässt sie wieder fallen. Sein Wirken beginnt damit, dass er eine Philisterin heiratet und auf seiner Hochzeitsfeier alle gegen sich aufbringt. Die Hochzeit explodiert. In der nahegelegenen Stadt tötet Simson 30 Menschen und verschwindet. Der Brautvater muß seine Tochter dem Brautführer geben. 

Aber sonderbar: auch Jesu öffentliches Wirken beginnt mit Wundertaten auf einer Hochzeit.

Unser Vers ist Teil einer dieser Geschichten aus Gewalttaten und Superheldentum. Simson dringt in Gaza ein, eine der großen Städte der Philister. Er sieht eine Hure, folgt ihr ins Haus und legt sich zu ihr. Die Einwohner Gazas erkennen ihn und Wachen umstellen das Haus und bewachen das Tor. Am Morgen, wenn es hell wird, wollen sie ihn greifen. Simson ist aber im Haus der Hure nur bis Mitternacht beschäftigt. Dann geht er hinaus, ohne dass die Wachen ihn halten können, zum Stadttor. Es ist iverschlossen. Da nimmt er die beiden Flügel des Tors samt den Pfosten, hebt sie aus ihrer Verankerung in der Erde, legt sie auf seine Schultern und trägt sie auf die Hügel vor Hebron. Einfach so. Spott und Hohn: Die Stadttore stehen für Sicherheit und Schutz, und Simson sagt den Philistern, dass es dies beides mit ihm nicht gab.

Noch größer als seine Kraft ist die Hybris. Die Geschichte dreht sich nun. Simson hält sich für unverwundbar und erzählt einer Geliebten, was es auf sich hat mit seiner Kraft, dass sie in seinen Haaren liege, die er nie im Leben schneiden lässt. Die Handlung wird im Wortsinn tragisch. Die Philister kennen sein Geheimnis. Die Geliebte schert im Schlaf sein Haar, und er wird zum Sklaven, zum Narren der Philister, geblendet und gebunden. Auf einer großen Siegesfeier der Philister im Tempel soll er Späße machen. Seine Haare aber sind nachgewachsen.

Als er betet, gibt Gott ihm die Kraft, den Auftrag doch noch erfüllen, trotz allem, das vorgefallen ist. Blind wie er ist, tastet er die Säulen des Tempels, eine Säule mit der rechten Hand die andere mit der linken. Dann setzt er seine Kraft ein und drückt die Säulen aus ihren Sockeln, wie damals das Tor von Gaza. Der Tempel der Philister stürzt ein und begräbt ihn zusammen mit den feiernden Philistern. Im Tod ist er wieder Mann Gottes. 

Bevor ich den Text schrieb, sagte ich meiner Frau, dass die Geschichte keine theologische Botschaft habe. Auf sonderbare Weise ist das falsch. Heute ist Karfreitag. Ich komme gar nicht umhin, noch einmal Parallelen mit Jesus zu sehen. In ihm sahen viele den Messias, der das jüdische Volk vom Joch der Römer befreien würde. In Wahrheit ging es um eine Befreiung anderer Art. Wie Simson aber erfüllte Jesus seinen Auftrag im Tod. Und auch dies noch: Als er stirbt, zerreißt der Vorhang des Tempels.

Simson — geboren als Mann Gottes. Dann sein Leben, tiefer als er kann ein Mensch kaum fallen. Und Mann Gottes doch im Tode. 

Gott sei mit uns in diesen Tagen. Er sei mit uns im Osterfest und in unserem ganzen Leben. 
Ulf von Kalckreuth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert