Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat.
Joh 5,30
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.
Weltenrichter
Das letzte Gericht wieder, wie in der vergangenen Woche und in der vorvergangenen und auch schon vor vier Wochen. Nie in meinem Leben mußte ich so viel darüber nachdenken. Vielleicht liegt das auch an unserer Welt. Der Gedanke ans Gericht mag uns daran erinnern, dass es nicht gleichgültig ist, was wir tun und wie wir es tun — im Kollektiv nicht und auch nicht individuell.
Hier im Vers spricht der Richter selbst zu uns. Es ist Jesus Christus, wussten Sie das? Was im Mittelalter jedem gewärtig war, haben wir verdrängt. Jesus ist gütig, milde, barmherzig, er ist Heiler und ein Mittler zu Gott, in dessen Hände wir uns fallen lassen können, der uns trägt, fleischgewordenes Wort Gottes… Aber er ist eben auch König und Richter. Am Ende der Apokalypse, des Untergangs unserer Welt steht in den Schriften des Neuen Testaments das Weltgericht, mit Christus als Richter.
In unserem Vers sagt Jesus etwas Eigenartiges. „Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich.“ Der Weltenrichter hat drei unabänderliche Vorgaben, die ihn festlegen: das Gesetz Gottes, seinen Auftrag und das, was in der Welt nun einmal geschehen oder unterblieben ist. Nicht seinen Willen sucht er, sondern den seines Vaters.
Der Herr selbst, JHWH, tritt nicht in Erscheinung. Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren (V. 22f). In den alten Schriften wäre der Weltenrichter ein Erzengel gewesen, Michael vielleicht. Im Neuen Testament ist es der auf die Welt zurückgekehrte Christus, der diese machtvolle, aber ausführende Rolle übernimmt.
Und gerade eben lese ich folgendes. Auf die Frage, ob es Einschränkungen für seine weltweite Macht gebe, antwortete der amerikanische Präsident Donald Trump, es gebe nur eine Sache: „Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das einzige, was mich stoppen kann.“ (FAZ, 10.01.2026, S.1)
Klingt das nicht sonderbar, im Licht unseres Verses? Gott schütze uns alle, er schütze auch Donald Trump. Der Herr führe uns aus dem Gericht, er führe uns zum wahren Leben schon in dieser Welt,
Ulf von Kalckreuth

