Bibelvers der Woche 02/2026

Darum wird sie auch der Löwe, der aus dem Walde kommt, zerreißen, und der Wolf aus der Wüste wird sie verderben, und der Parder wird um ihre Städte lauern; alle, die daselbst herausgehen, wird er fressen. Denn ihrer Sünden sind zuviel, und sie bleiben verstockt in ihrem Ungehorsam.
Jer 5,6

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Feuerwerk

Mmh. Klingt nicht gerade anheimelnd. Wie ich dies schreibe, ist Silvesterabend, und eigentlich wünscht man sich da etwas Zuspruch für die Zukunft. In der vergangenen Woche gab es einen sehr ähnlich klingenden Vers aus Micha, und vor drei Wochen — erinnern Sie sich? — hatten wir schon einen anderen Vers aus Jeremia 5! Das bleibt nicht ohne Eindruck bei mir.

Der Bibelvers der Woche 51/2025 war Jer 5,15, ganz dicht also bei dem Vers oben. Im Grunde ist es derselbe Vers, in einer anderen Verkleidung. Wo vor drei Wochen Vers 15 den bevorstehenden Untergang sehr präzise und konkret bezeichnet, ist Vers 6 noch unbestimmt. Er gebraucht starke Bilder, die aber auf eine Hungersnot ebenso passen würden wie auf eine Seuche oder einen Krieg. Der Vers gilt der Elite des Volks, den „Großen“, von denen Jeremia so enttäuscht ist. Man kann sich vorstellen, dass Vers 6 in einer frühen Fassung der Verschriftlichung von Jeremias Vision schon enthalten war, und dass Vers 15 hinzukam, als die Natur der Bedrohung sichtbar wurde.

Was tun mit diesem wenig heimeligen Vers? Über Jer 5 und die Anbindung an die Gegenwart habe ich vor drei Wochen bereits nachgedacht, und die Gegenwart ist weitgehend dieselbe geblieben. 

Vorhin habe ich versucht, ein Abendessen für unsere Familie zu holen. Das Restaurant liegt in einem kleinen Einkaufszentrum in unserer Nähe. Es war gegen 20:30 Uhr. Auf dem Weg sah ich, wie auf der Straßenseite gegenüber aus einem Hochhaus schwere Böller auf Passanten geworfen wurden, Polizei fuhr vorbei. Überall Krachen. Als ich ankam, war das kleine Einkaufszentrum dunkel und verwaist. Nur eine Familie mit einem Kind war da und böllerte. Auf dem Rückweg war ich auf die Gefahr konzentriert, die von den Hochhäusern ausging, und ich lief in die falsche Richtung. An einem der Hochhäuser stand ein Krankenwagen. Ich eilte zurück nach Hause, ohne Abendessen. Unter dem Tisch zitterte der Hund. 

Vor Zeiten diente der Neujahrslärm dazu, Dämonen zu vertreiben und der Angst in den Raunächten etwas handfestes entgegenzusetzen. Jetzt machen wir sie uns selbst, die Dämonen und die Angst. Tote wird es geben heute Nacht, Verwundete und viele Menschen mit Vergiftungen. 

Die Verse von Jeremia und Micha treffen meinen Gemütszustand und meine Erwartungen. Es geht uns nicht gut, als Gesellschaft meine ich. Was an Entwicklungen offen liegt, kann sich in seiner Dynamik nicht lange fortsetzen, ohne dass sich Grundsätzliches ändert — zum Guten oder zum Schlechten. Es wird unbequem. Aber wir haben es selbst in der Hand, ob aus einem Ende dessen, was wir kennen, eine bessere Welt resultiert oder eine Dystopie. Die Bibel sagt, im Buch Jeremia und anderswo, dass der Untergang Platz macht für Heil. 

Das Beitragsbild oben ist das Astronomic Picture of the Day für den 28.12.2025, Urheber des Bilds sind ESA/Hubble und NASA. Es ist ein ganz besonderes Feuerwerk — ein Blick in NGC 1898, ein Kugelsternhaufen in der großen Magellan’schen Wolke. Kosmisch ist Werden und Vergehen ein und dasselbe, und es liegt große Schönheit darin.

Altes, das uns beherrscht, den Pardern überlassen, damit Platz wird für Heil? Wenn es sein muss, sei uns das neue Jahr ein Schritt dorthin. Gott sei immer mit uns!
Ulf von Kalckreuth

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