Bibelvers der Woche 06/2026

…sondern lass sie nicht wohnen in deinem Lande, dass sie dich nicht verführen wider mich. Denn wo du ihren Göttern dienst, wird dir’s zum Fall geraten.
Ex 23,33

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984

38 Enkelkinder

Klar, gemeint sind im Vers die Bewohner des Landes Kana’an (Palästina), das zu erobern die Israeliten aus Ägypten ausgezogen sind. Im unmittelbaren Kontext unseres Verses sichert Gott seinem Volk Gelingen und Sieg bei der Aufgabe zu, die Einwohner Kana’ans zu vertreiben oder zu töten, damit das Gelobte Land für das Volk Gottes gereinigt werden kann. In Teilen der Hebräischen Bibel gibt es obsessive Furcht vor Überfremdung. Solche Texte haben im Nahen Osten eine ungute Aktualität, siehe etwa die Betrachtungen zu BdW 40/2025 (sehr ähnlich, fast gleichlautend) oder zu BdW 49/2024.

Ich weiß, es ist sinnlos, mit Gott zu rechten und dabei auf Seine Gebote zu verweisen. Sie gelten für uns, nicht für ihn. Wir sehen die Zusammenhänge nicht und können nichts einfordern. Hier, in diesem Blog aber stehe ich nicht vor Gott, sondern vor der Bibel. Wie vor einer Person, die über tausend Jahre wächst und reift, hört und spricht, mit Gott, den Menschen und sich selbst, Ideen entwickelt und ausführt, ihre Form immer wieder wandelt, und die dann noch weitere zweitausend Jahre zu uns redet.  

Ist es denkbar, dass diese Bibel ihre Botschaft selbst nicht immer vollständig kennt? Schon im zweiten Schöpfungsbericht über die Erschaffung von Mann und Frau ist von Liebe die Rede. Am Horeb wird Liebe zwischen Eltern und Kindern gefordert. Später dann Liebe zu allen Volksgenossen und auch zu den Fremden, sehr explizit und deutlich übrigens in Vers 9 von Ex 23. Unser Kapitel gelangt gar in die Nachbarschaft der Feindesliebe. Vers 5 lautet: Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so lass ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf. Jesus und die Apostel endlich machen Liebe zum alles überragenden Bindeglied zwischen Gott und Mensch und der Menschen untereinander. 

Die zentrale Botschaft ist nicht sofort und überall sichtbar. Die Bibel enthüllt sie langsam, wie ein Roman erst die Charaktere seiner Protagonisten entfaltet, den Konflikt aufbaut und schließlich die Lösung zeigt. In Ex 23, dem Umfeld unseres Verses, ist der Vorhang zur Botschaft in merkwürdiger Weise halb offen, halb geschlossen. 

Noch eine andere Frage beschäftigt mich. Wie wäre der Vers in Deutschland zu lesen? Angst vor Überfremdung gibt es hier und heute genug. Müssen wir uns vor fremden Einflüssen hüten, um den Glauben unserer Väter zu bewahren, wie der Vers es verlangt? 

Wohl eher nicht. Meine Frankfurter Gemeinde ist sehr vital, aber ohne Zuwanderer der ersten oder zweiten Generation würde sie vielleicht nicht mehr existieren. Ich denke, das ist nicht untypisch. Im Laufe von nur einer Generation ist Agnostizismus in der ethnisch deutschen Bevölkerung die dominierende Antwort auf die Frage nach den letzten Dingen geworden. Und gleichzeitig schrumpft diese Bevölkerung mit atemberaubender Geschwindigkeit. Die zusammengefasste Geburtenziffer von Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit liegt laut Destatis bei nur noch 1,23. Das muß ich übersetzen: Bei dieser Rate haben 100 (zumeist agnostische) Erwachsene mit deutscher Staatsangehörigkeit 61 Kinder und 38 Enkelkinder…! Siehe unten die Modellrechnung der KfW vom 29. Januar.

Haben diese beiden Entwicklungen etwas miteinander zu tun? Und: wie könnte in diesem Land ohne Zuwanderer der Glaube an Gott eine Zukunft haben?  

Ich wünsche uns eine gesegnete Woche!
Ulf von Kalckreuth

Entnommen aus: Martin Müller, Deutschland schrumpft. KFW Research, Auf einen Blick, 29.01.2029

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