Darum wird sie auch der Löwe, der aus dem Walde kommt, zerreißen, und der Wolf aus der Wüste wird sie verderben, und der Parder wird um ihre Städte lauern; alle, die daselbst herausgehen, wird er fressen. Denn ihrer Sünden sind zuviel, und sie bleiben verstockt in ihrem Ungehorsam.
Jer 5,6
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.
Feuerwerk
Mmh. Klingt nicht gerade anheimelnd. Wie ich dies schreibe, ist Silvesterabend, und eigentlich wünscht man sich da etwas Zuspruch für die Zukunft. In der vergangenen Woche gab es einen sehr ähnlich klingenden Vers aus Micha, und vor drei Wochen — erinnern Sie sich? — hatten wir schon einen anderen Vers aus Jeremia 5! Das bleibt nicht ohne Eindruck bei mir.
Der Vers vor drei Wochen, BdW 51/2025 war Jer 5,15, ebenfalls eine Ankündigung von Vernichtung und Strafe, funktional sehr ähnlich. Wo Vers 15 den bevorstehenden Untergang sehr präzise und konkret charakterisiert, ist Vers 6 noch unbestimmt. Er gebraucht starke Bilder, die auf eine Hungersnot ebenso passen würden wie auf eine Seuche oder einen Krieg. Der Vers gilt der Elite des Volks, den „Großen“, von denen Jeremia so enttäuscht ist.
Was tun mit diesem wenig heimeligen Vers?
Vorhin habe ich versucht, ein Abendessen für unsere Familie zu holen. Das Restaurant liegt in einem kleinen Einkaufszentrum in unserer Nähe. Es war gegen 20:30 Uhr. Auf dem Weg sah ich, wie auf der Straßenseite gegenüber aus einem Hochhaus schwere Böller auf Passanten geworfen wurden, Polizei fuhr vorbei. Überall Krachen. Als ich ankam, war das kleine Einkaufszentrum dunkel und verwaist. Nur eine Familie mit einem Kind war da und böllerte. Auf dem Rückweg war ich auf die Gefahr konzentriert, die von den Hochhäusern ausging, und ich lief in die falsche Richtung. An einem der Hochhäuser stand ein Krankenwagen. Ich eilte zurück nach Hause, ohne Abendessen. Unter dem Tisch zitterte der Hund.
Vor Zeiten diente der Neujahrslärm dazu, Dämonen zu vertreiben und der Angst in den Raunächten etwas handfestes entgegenzusetzen. Jetzt machen wir sie uns selbst, die Dämonen und die Angst. Tote wird es geben heute Nacht, Verwundete und viele Menschen mit Vergiftungen, Alkohol und anderes.
Die Verse von Jeremia und Micha treffen meinen Gemütszustand und meine Erwartungen. Es geht uns nicht gut, als Gesellschaft meine ich. Was an Entwicklungen offen liegt, kann sich in seiner Dynamik nicht lange fortsetzen, ohne dass sich Grundsätzliches ändert — zum Guten oder zum Schlechten. Es wird unbequem.
Wir sind zum Tod verurteilt, sagt der Vers, unsere Sünden verurteilen uns. Was wir tun, tötet uns, und ebenso auch wie wir es tun — die Gleichgültigkeit, die Lügen, die Ichbezogenheit. Das sagt Jeremia klar und deutlich. Es wird etwas übrig bleiben, sagt Jeremia auch, genug, dass eine neue Welt entstehen kann. Der Untergang macht Platz für Heil. Auch das. Beides gleichermaßen! Und Gott gibt uns einen Schlüssel in die Hand.
Gott spricht: siehe: ich mache alles neu!
Das ist Offenb 21, ganz am Ende der Bibel, die Jahreslosung für 2026. Das Beitragsbild oben ist das Astronomic Picture of the Day für den 28.12.2025, Urheber des Bilds sind ESA/Hubble und NASA. Es ist ein ganz besonderes Feuerwerk — ein Blick in NGC 1898, ein Kugelsternhaufen in der großen Magellan’schen Wolke. Kosmisch ist Werden und Vergehen ein und dasselbe, und es liegt große Schönheit darin.
Was uns beherrscht, den Pardern überlassen, damit Platz wird für Neues, für Heil? Vielleicht ist das neue Jahr ein Schritt dorthin.
Gott sei immer mit uns!
Ulf von Kalckreuth

