Elisa aber sah es und schrie: Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter! und sah ihn nicht mehr. Und er fasste sein Kleider und zerriss sie in zwei Stücke.
2 Kö 2,12
Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984
Himmelfahrt und Heiliger Geist
Himmelfahrt — Elia, der große, alle überragende Prophet wird entrückt. Noch heute warten die Juden darauf, dass er zurückkehrt. Er soll dem Messias den Weg bereiten. Elia stirbt nicht, er fährt zum Himmel auf, in einem feurigen Wagen. In der Bibel wird dies nur von zwei anderen berichtet: Henoch aus der Urzeit (Gen 5, BdW 21/2022) und Jesus.
Elias Schüler Elisa ahnt das Ende und bittet den Propheten um ein doppeltes Maß seines Geistes, wenn er geht — den Anteil des Erstgeborenen. Elia antwortet seinem Schüler, er erbitte Schweres, aber so möge es sein, wenn Elisa sieht, was geschieht.
Die beiden überschreiten gemeinsam den Jordan, und ja, Elisa sieht es: ein feuriger Wagen nimmt Elia hinweg in den Himmel. Ganz außer sich tut der Schüler den Ruf im Vers: „Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter!“
Wen meint er damit? Elia, seinen Lehrer und geistigen Vater, oder Gott den Herrn, unser aller Vater? Beide könnten für Elisa ‚Wagen Israels und seine Reiter‘ sein.
Der Text lässt es an dieser Stelle in der Schwebe. Später wird die Zweideutigkeit aufgelöst. Als nämlich Elisa stirbt, nach vielen Jahren, besucht ihn König Joas und wiederholt, an Elisa gerichtet, wörtlich diesen Ruf: „Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter“, 2 Kö 13,14.
Bei der Himmelfahrt aber sind irgendwie beide gemeint, Gott und der Prophet. Der Schüler erbt von Elias Geist, von seiner Kraft und seiner Identität als Prophet, als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Auf dem Rückweg kann er mit dem Mantel, der ihm aus dem Feuerwagen zufällt, den Jordan teilen. Das ist Kraft, die Gott verliehen hat.
Tausend Jahre später hängt ein Mann am Kreuz und wird zu Tode gefoltert. Er ruft laut in den leeren Himmel: „Eli, Eli, lama asabtani“, „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Noch einmal diese Unbestimmtheit: Die Umstehenden denken, er rufe nach Elia, dem Propheten. Dessen Name bedeutet ‚Mein Gott ist Jahwe‘
Der Mann stirbt. Dann steht er auf von den Toten. Nach vierzig Tagen wird er lebendig in den Himmel aufgenommen, wie Elia. Noch einmal zehn Tage später erben seine Nachfolger ein doppeltes Maß von seinem Geist — dem Heiligen Geist, Geist Gottes, Jesu Geist.
Morgen ist Pfingsten. Der Heilige Geist, er bleibt uns von Jesus, bis er wiederkehrt: Gottes Kraft, das Leben, das Feuer, die Liebe. Der Geist, der uns alle eins macht und eins mit Gott. Ich wünsche uns ein frohes Pfingstfest — und ich hätte so gern Elia oder Jesus gesehen, wie sie unsere Welt verlassen und zu Gott gehen.
Der Herr gebe uns von seinem Geist,
Ulf von Kalckreuth


Ulf von Kalckreuth mit Dell-E, 23.05.2026
