Bibelvers der Woche 03/2026

Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat.
Joh 5,30

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Weltenrichter

Das letzte Gericht wieder, wie in der vergangenen Woche und in der vorvergangenen und auch schon vor vier Wochen. Nie in meinem Leben mußte ich so viel darüber nachdenken. Vielleicht liegt das auch an unserer Welt. Der Gedanke ans Gericht mag uns daran erinnern, dass es nicht gleichgültig ist, was wir tun und wie wir es tun — im Kollektiv nicht und auch nicht individuell.

Hier im Vers spricht der Richter selbst zu uns. Es ist Jesus Christus, wussten Sie das? Was im Mittelalter jedem gewärtig war, haben wir verdrängt. Jesus ist gütig, milde, barmherzig, er ist Heiler und ein Mittler zu Gott, in dessen Hände wir uns fallen lassen können, der uns trägt, fleischgewordenes Wort Gottes… Aber er ist eben auch König und Richter. Am Ende der Apokalypse, des Untergangs unserer Welt steht in den Schriften des Neuen Testaments das Weltgericht, mit Christus als Richter. 

In unserem Vers sagt Jesus etwas Eigenartiges. „Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich.“ Der Weltenrichter hat drei unabänderliche Vorgaben, die ihn festlegen: das Gesetz Gottes, seinen Auftrag und das, was in der Welt nun einmal geschehen oder unterblieben ist. Nicht seinen Willen sucht er, sondern den seines Vaters. 

Der Herr selbst, JHWH, tritt nicht in Erscheinung. Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren (V. 22f). In den alten Schriften wäre der Weltenrichter ein Erzengel gewesen, Michael vielleicht. Im Neuen Testament ist es der auf die Welt zurückgekehrte Christus, der diese machtvolle, aber ausführende Rolle übernimmt. 

Und gerade eben lese ich folgendes. Auf die Frage, ob es Einschränkungen für seine weltweite Macht gebe, antwortete der amerikanische Präsident Donald Trump, es gebe nur eine Sache: „Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das einzige, was mich stoppen kann.“ (FAZ, 10.01.2026, S.1)

Klingt das nicht sonderbar, im Licht unseres Verses? Gott schütze uns alle, er schütze auch Donald Trump. Der Herr führe uns aus dem Gericht, er führe uns zum wahren Leben schon in dieser Welt,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 02/2026

Blick in einen Kugelsternhaufen, wie in ein Feuerwerk

Darum wird sie auch der Löwe, der aus dem Walde kommt, zerreißen, und der Wolf aus der Wüste wird sie verderben, und der Parder wird um ihre Städte lauern; alle, die daselbst herausgehen, wird er fressen. Denn ihrer Sünden sind zuviel, und sie bleiben verstockt in ihrem Ungehorsam.
Jer 5,6

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Feuerwerk

Mmh. Klingt nicht gerade anheimelnd. Wie ich dies schreibe, ist Silvesterabend, und eigentlich wünscht man sich da etwas Zuspruch für die Zukunft. In der vergangenen Woche gab es einen sehr ähnlich klingenden Vers aus Micha, und vor drei Wochen — erinnern Sie sich? — hatten wir schon einen anderen Vers aus Jeremia 5! Das bleibt nicht ohne Eindruck bei mir.

Der Vers vor drei Wochen, BdW 51/2025 war Jer 5,15, ebenfalls eine Ankündigung von Vernichtung und Strafe, funktional sehr ähnlich. Wo Vers 15 den bevorstehenden Untergang sehr präzise und konkret charakterisiert, ist Vers 6 noch unbestimmt. Er gebraucht starke Bilder, die auf eine Hungersnot ebenso passen würden wie auf eine Seuche oder einen Krieg. Der Vers gilt der Elite des Volks, den „Großen“, von denen Jeremia so enttäuscht ist.

Was tun mit diesem wenig heimeligen Vers?  

Vorhin habe ich versucht, ein Abendessen für unsere Familie zu holen. Das Restaurant liegt in einem kleinen Einkaufszentrum in unserer Nähe. Es war gegen 20:30 Uhr. Auf dem Weg sah ich, wie auf der Straßenseite gegenüber aus einem Hochhaus schwere Böller auf Passanten geworfen wurden, Polizei fuhr vorbei. Überall Krachen. Als ich ankam, war das kleine Einkaufszentrum dunkel und verwaist. Nur eine Familie mit einem Kind war da und böllerte. Auf dem Rückweg war ich auf die Gefahr konzentriert, die von den Hochhäusern ausging, und ich lief in die falsche Richtung. An einem der Hochhäuser stand ein Krankenwagen. Ich eilte zurück nach Hause, ohne Abendessen. Unter dem Tisch zitterte der Hund. 

Vor Zeiten diente der Neujahrslärm dazu, Dämonen zu vertreiben und der Angst in den Raunächten etwas handfestes entgegenzusetzen. Jetzt machen wir sie uns selbst, die Dämonen und die Angst. Tote wird es geben heute Nacht, Verwundete und viele Menschen mit Vergiftungen, Alkohol und anderes.

Die Verse von Jeremia und Micha treffen meinen Gemütszustand und meine Erwartungen. Es geht uns nicht gut, als Gesellschaft meine ich. Was an Entwicklungen offen liegt, kann sich in seiner Dynamik nicht lange fortsetzen, ohne dass sich Grundsätzliches ändert — zum Guten oder zum Schlechten. Es wird unbequem.

Wir sind zum Tod verurteilt, sagt der Vers, unsere Sünden verurteilen uns. Was wir tun, tötet uns, und ebenso auch wie wir es tun — die Gleichgültigkeit, die Lügen, die Ichbezogenheit. Das sagt Jeremia klar und deutlich. Es wird etwas übrig bleiben, sagt Jeremia auch, genug, dass eine neue Welt entstehen kann. Der Untergang macht Platz für Heil. Auch das. Beides gleichermaßen! Und Gott gibt uns einen Schlüssel in die Hand.

Gott spricht: siehe: ich mache alles neu!

Das ist Offenb 21, ganz am Ende der Bibel, die Jahreslosung für 2026. Das Beitragsbild oben ist das Astronomic Picture of the Day für den 28.12.2025, Urheber des Bilds sind ESA/Hubble und NASA. Es ist ein ganz besonderes Feuerwerk — ein Blick in NGC 1898, ein Kugelsternhaufen in der großen Magellan’schen Wolke. Kosmisch ist Werden und Vergehen ein und dasselbe, und es liegt große Schönheit darin.

Was uns beherrscht, den Pardern überlassen, damit Platz wird für Neues, für Heil? Vielleicht ist das neue Jahr ein Schritt dorthin.

Gott sei immer mit uns!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 01/2026

Illustration zu Micha 5 -- Ein Licht in der Finsternis und Dunkel im Licht

…und will die Städte deines Landes ausrotten und alle deine Festen zerbrechen.
Micha 5,10

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984. 

Dunkel im Licht

Erschrecken Sie nicht — in der Wochenzählung hat 2026 bereits begonnen. Im Netz steht unser Vers im alten Jahr, aber die dazugehörige Woche gilt schon als die erste des neuen. „Zwischen den Jahren“ nennt man diese Zeit, die unbestimmte Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Und da habe ich den richtigen Vers für Sie gezogen.

Das Buch Micha ist sehr alt, Micha ist Zeitgenosse Jesajas und gehört zu den ‚kleinen Propheten‘. Das bezieht sich auf den Umfang der Schrift, der Abschnitt, aus dem wir gezogen haben, ist ausgesprochen prominent. Micha macht konkrete Aussagen über den Messias, den erwarteten Heilsbringer, und auch darüber, wo er zur Welt kommen wird: Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. (Micha 5,1)

Erinnern Sie sich an die Weisen aus dem Morgenland? Matthäus 2 berichtet, wie sie achthundert Jahre nach Micha von fern in die judäische Hauptstadt Jerusalem kommen, um dem neuen großen König zu huldigen, dessen Stern sie weit im Osten hatten aufgehen sehen. In Jerusalem wusste man nichts von einem neuen großen König der Juden. Herodes der Ältere, der Machthaber, befragt sehr besorgt seine Schriftgelehrten, wo denn dieser Heilsbringer zur Welt kommen solle. Mit Verweis auf Micha 5 antworten sie: in Bethlehem! 

Etwas ist sonderbar. Nicht nur Herodes ist besorgt, das ist unmittelbar einsichtig, sondern seine ganze Umgebung: Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, (Mt 2,3). Warum das? Warum erschrecken die Menschen und freuen sich nicht, wie Maria sich freut, und Simeon, und die Hirten auf dem Feld? 

Ich denke, es hat mit unserem Vers zu tun, und mit der Natur der Herrschaft des Messias und des Reichs Gottes. In Micha 5 steht viel Wunderbares zu lesen über die neue Zeit. Aber man liest dort ebenso deutlich, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Das Umfeld unseres Verses lautet, bezogen auf die Zeit der Heraufkunft des Messias (Micha 9-13):

Zur selben Zeit, spricht der HERR, will ich deine Rosse ausrotten und deine Wagen zunichtemachen und will die Städte deines Landes vernichten und alle deine Festungen zerbrechen. Und ich will die Zauberei bei dir ausrotten, dass keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen. Ich will deine Götzenbilder und Steinmale aus deiner Mitte ausrotten, dass du nicht mehr anbeten sollst deiner Hände Werk, und will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen.

Keine neue Ordnung ohne den Untergang der alten. Irgendwie logisch. Das Muster ist uns in den vergangenen Wochen in den Versen 51/2025, 50/2025 und 47/2025, 42/2025 bereits begegnet. Ganz allgemein gibt es in der Bibel die Tendenz, als Voraussetzung für echten Wandel die Umkehrung der bestehenden Ordnung zu verlangen.

Welcher Begünstigte der bestehenden Ordnung wird ihren Umsturz wollen? Wenn es einem gut geht im Ancien Régime, warum sollte man sich eine Katastrophe wünschen, die der alten Ordnung den Garaus macht? 

Ich verstehe das gut. Ich arbeite für den Staat, und ich bewege mich auf meine Pensionierung zu. Ich kenne kein Arbeitsplatzrisiko und kein nennenswertes Armutsrisiko mehr. Ich bin gesund. Ich habe allen Grund zur Dankbarkeit. Bin ich reich? Der Reichtum liegt nicht so sehr in bezifferbarem Vermögen als vielmehr in der Lebenslage. Sie zu ändern, würde alles gefährden…! 

Aber dann — wie würde ich reagieren, wenn ich die Tür zum Reich Gottes einen Spalt offen stehen sähe? Wie würde ich auf die alte Welt blicken? Könnte ich den Schritt tun? Die Frage macht mir Sorge. Jesus sagte einmal, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gelange als ein Reicher in den Himmel. Über den Ausspruch wird viel gestritten, aber denke, ich weiß, was er meint und wen er meint. Und wenn das so ist, was soll man sich denn eigentlich wünschen, für sich selbst und für seine Kinder? 

Die Aussicht aufs Reich Gottes: Dieser Tage steht es vor uns, schön und furchtbar zugleich, Sehnsuchtsort und Schreckensszenario. Wenn die Bibel von der neuen Welt erzählt, spricht sie immer auch vom Untergang der alten. Weihnachten hat seinen Platz als Licht in der Finsternis gerade in der dunkelsten Zeit. Kaum ein Prediger vergisst, das zu betonen. Aber da gibt es ein Gegenstück — das Dunkel im Licht. Den Menschen zu Jesu Zeit war das sehr bewußt. 

Das ist er also, unser Vers zum Jahreswechsel und zur Woche zwischen den Jahren. Ich wünsche uns allen ein gesegnetes Neues Jahr. Im Vaterunser beten wir, dass der Herr uns nicht in Versuchung führe. So sei es. Amen, Gott sei mit uns.  
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 27/2025

Denn die, so irrigen Geist haben, werden Verstand annehmen, und die Schwätzer werden sich lehren lassen.
Jes 29,24

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Unsere Kinder sehen

Lesen Sie den Vers zweimal und atmen Sie tief ein und wieder aus: Die, so irrigen Geist haben, werden Verstand annehmen und die Schwätzer werden sich lehren lassen!

Das Buch Jesaja speist sich aus mindestens drei verschiedenen Quellen und unterlag einem Redaktionsprozess, der sich über viele Jahrhunderte hinzog. Aber in allen seinen Teilen ist es gekennzeichnet durch einen Wechsel von Gericht, Untergang und Errettung — ein Wechsel, der manchmal so schnell geschnitten ist, dass eine Art Gleichzeitigkeit entsteht: die drei werden eins. Unser Abschnitt entstammt den ältesten und ursprünglichsten Teilen. Er richtet sich an Jerusalem, von Jesaja hier „Ariel“ genannt. Ariel bedeutet „Löwe Gottes“, ist also eigentlich ein Kampfname. Aber schnell zeigt sich, dass Jesaja üblen Spott im Sinn hat: Der Held ist hohl und leer und bar aller Kraft und wird am Ende wahrhaftig zu „Ariel“ — das Wort kann nämlich auch Opferschale bedeuten (V.2).

Aber auch hier: wenn die Ränke und Ausflüchte versagt haben, wenn die Lage militärisch unhaltbar geworden ist und gleichzeitig alle inneren Strukturen zerbrechen, wenn die trübe Wahrheit offenkundig ist — dann wird Gott retten. Und die Rettung gipfelt in unserem Bibelvers. 

Spannend und ein wenig geheimnisvoll ist der unmittelbar vorangehende Vers: Geschehen wird dies alles, wenn wir — gemeinsam, als Volk Gottes — unsere Kinder betrachten, die Gott geschaffen hat als Werk seiner Hände, und wenn wir daraufhin seinen Namen heiligen und ihn fürchten. 

Ich habe manchmal Angst, was aus unseren Kindern wird, welche Chancen sie haben, und wie wichtig Menschen überhaupt noch sind in einer Welt, die verzahnt ist durch KI und nicht mehr durch Beziehungen lebender Menschen. Die uralte Vision Jesajas ist überraschend und zutiefst hoffnungsvoll: Wir betrachten unsere Kinder, sehen sie, erkennen sie als großartige Schöpfung Gottes, wir loben Gott und die Welt wird neu, klar und hell, durch uns, aber mit seiner Kraft. Und das Geschwätz verstummt! 

Es ist eine Frage der Perspektive. Was wir sehen, hängt davon ab, wie wir schauen. Aber wie geschieht, was uns Jesaja verspricht? Hat es mit den Kindern selbst zu tun? Was ändert es, wenn sie erfahren, dass sie Gottes großartiges Werk sind und von uns so gesehen werden?

Gern will ich meine Kinder so betrachten, in der kommenden Woche und immer. Auch wenn es nicht immer leicht ist.

Gottes Segen sei mit uns allen,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 07/2025

Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.
Offb 14,13

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Seligkeit — und Tantiemen

Ein wenig ist dies wie ein Echo, eine Antwort auf den Vers der letzten Woche. Dort war von der Strafe Gottes die Rede, wobei nicht völlig klar ist, ob sie in diesem Leben trifft oder danach. Im Vers dieser Woche geht es eindeutig ums Jenseits, genauer: um das Leben nach dem Tod, denn ein Jenseits nach heutigem Verständnis kennt das Neue Testament gar nicht. Gott macht die Welt neu, mit allem, was darinnen ist. Ausbuchstabiert wird dies in den letzten vier Kapiteln der Offenbarung. Im Text vorher geht es um den Untergang der alten Welt, und nur gelegentlich blitzt Hoffnung und Heilsankündigung auf, so wie hier in diesem Vers. 

Der gezogene Vers steht unverbunden inmitten einer Passage, die von der Heraufkunft des Gerichts handelt: drei Engel kündigen es an, und dann geschieht es: die Sichel wird angesetzt und die Kelter getreten. Die Bilder sind durchaus verstörend, wenn man sie an sich heranlässt. 

Über die Seligkeit wird im Vers sehr konkret gesprochen. Die Seligen ruhen — sie müssen nicht mehr arbeiten, denn das, was sie getan haben, folgt ihnen nach, als sei es lebendig. Es steht für sie, die Werke verrichten gewissermaßen die Arbeit der Seligen. Mir fällt ein Vergleich ein: Erfolgreiche Musiker und Autoren können von den Tantiemen ihrer Werke leben. Diese generieren Einkommen für die Künstler, gerade so als stünden die Stars noch auf der Bühne, als hielten sie noch Lesungen. 

Wie mögen sie wohl klingen, die Lieder, die Gedichte, die dies im Reich Gottes vermögen? Können wir sie hören?

Der Herr sei mit uns in dieser Woche,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 02/2025

Es sollen nicht mehr dasein Kinder, die nur etliche Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen; sondern die Knaben sollen hundert Jahre alt sterben und die Sünder hundert Jahre alt verflucht werden.
Jes 65,20

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Ein neuer Himmel, eine neue Erde…!

Ich freue mich über diesen Vers. Um ihn verständlich zu machen, muss ich eigentlich nur den Kontext zeigen. Der Vers ist aus Jesaja 65, dem vorletzten Kapitel der großen Prophetie. Dort und im darauf folgenden Kapitel sehen wir Jesajas Vision von der Endzeit, die in den Schlusskapiteln der Offenbarung ihre fast nahtlose Ergänzung findet.  

Dies ist der Text, in den unser Vers eingebettet ist, Jes 65, 17-25. Lesen Sie ihn einfach, er kann Sie glücklich machen: 

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Anzumerken ist vielleicht, dass die sonderbare Wendung „… und die Sünder hundert Jahre alt verflucht werden“ durchaus dem hebräischen Wortlaut entspricht. Dies ist die Übersetzung von 1912. Die neuen großen Bibelübersetzungen interpretieren hier, dass als verfluchter Sünder gilt, wer keine hundert Jahre erreicht.

Ein neuer Himmel, eine neue Erde… Man soll nicht mehr hören die Stimme des Weinens… Sie sind das Geschlecht der Gesegneten des Herrn, und ihre Nachkommen sind bei ihnen… Und sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berg… So soll es sein! 

Vor der neuen Welt aber steht der Untergang der alten — das ist bei Jesaja ebenso wie in der Offenbarung. Das mag man sich durchaus traumatisch vorstellen. Grund genug, einander nochmals ein gutes und gesegnetes neues Jahr zu wünschen!  
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 17/2024

…und die, so auf den Dächern des Himmels Heer anbeten; die es anbeten und schwören doch bei dem HErrn und zugleich bei Milkom;…
Zef 1,5

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Deine Villa geschehe

Noch einmal Endzeit, ein Vers, der nahtlos passt zu dem der vergangenen Woche. Zefania gehört zu den sogenannten „kleinen Propheten“, so genannt wegen des Umfangs ihrer Schriften, und in der Tat: in meiner Bibel ist das Buch Zefanja ganze zweieinhalb Seiten lang. Es liest sich wie eine Kurzfassung Jesajas: Zefanja kündigt den „Tag des Herrn“ an. Das Erscheinen des Herrn mündet in ein Gericht über die Völker, ein Gericht über Jerusalem und — für die geringe Zahl der Überlebenden — in eine Zeit des Heils. Der Satz, aus dem der Vers stammt, liest sich vollständig wie folgt (Zef 1,4-6):

Ich will meine Hand ausstrecken gegen Juda und gegen alle, die in Jerusalem wohnen, und will ausrotten von dieser Stätte, was vom Baal noch übrig ist, dazu den Namen der Götzenpfaffen und Priester und die auf den Dächern anbeten des Himmels Heer, die es anbeten und schwören doch bei dem HERRN und zugleich bei Milkom und die vom HERRN abfallen und die nach dem HERRN nichts fragen und ihn nicht achten.

Des Himmels Heer sind Sterne, die als Götter angebetet wurden, und Milkom ist der Gott der Ammoniter, eines verhassten Nachbarvolks. Verdammt werden hier Judäer, die Gott nicht achten und sich religiös nach mehreren Seiten hin absichern.

Wir beten keine Sterne an und Milkom ist uns unbekannt. Wer sind relevante Götter in unserer Zeit? Von wem erwarten wir Heil, wer ist Gradmesser, ob das Leben gelingt oder nicht? Man könnte eine längere Abhandlung schreiben. Aber ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, und in der vergangenen Woche hatte ich beträchtliches Glück:  

Das abgebildete Plakat ist von Scalable Capital, einer Investitionsplattform, einem sogenannten Fintech. Mit einer App kann der Kunde Geld von seinem Konto auf die Plattform verschieben und Aktien, ETFs und andere Wertpapiere kaufen. Die Villa, die dann „geschieht“, steht erkennbar für alles, das wirklich wichtig ist: Wohneigentum, ein schönes Auto, Urlaub mit Renommee bei den Kollegen, Status, Sex-Appeal, ein attraktiver Partner, Gesundheit und ein langes Leben mit gesicherter Altersversorgung. 

Des Himmels Heer eben…

Der Herr behüte uns in dieser Woche,
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 16/2024

Denn siehe, der HErr wird ausgehen von seinem Ort, heimzusuchen die Bosheit der Einwohner des Landes über sie, dass das Land wird offenbaren ihr Blut und nicht weiter verhehlen, die darin erwürgt sind.
Jes 26,21

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Endzeit

Das ist schroff: Der Herr wird die Untaten aufdecken, mit denen zu leben wir gelernt haben, von denen wir wissen, aber nicht sprechen. Das Land selbst wird das Blut offenbaren, das auf ihm vergossen wurde und wird uns die Getöteten zeigen. Hier ist der Vers im Zusammenhang, in der Übersetzung von 1984, Vers 19-21:

Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen. Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde! Denn ein Tau der Lichter ist dein Tau, und die Erde wird die Toten herausgeben.

Geh hin, mein Volk, in deine Kammer und schließ die Tür hinter dir zu! Verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe. 

Denn siehe, der Herr wird ausgehen von seinem Ort, heimzusuchen die Bosheit der Bewohner der Erde. Dann wird die Erde offenbar machen das Blut, das auf ihr vergossen ist, und nicht weiter verbergen, die auf ihr getötet sind.

Die Verse steht am Ende eines langen Bittgebets. Es kulminiert in einem Jubelruf, im Wissen um die Auferstehung. Die Erde wird die Toten herausgeben. Aber dann wird sie auch herausgeben, wie sie gestorben sind, sie wird das vergossene Blut herausgeben.

Das ist fest verdrahtet in der Hardware der Hebräischen Bibel wie auch des Neuen Testaments. Am Ende macht der Herr die Welt gerecht. Am Ende ist Heil. Aber dazu muss das Unrecht gesühnt wird. Sonst geht es nicht. Sonst ist kein Heil. 

Wie geht es Ihnen damit? Mit ist nicht wirklich wohl. Christen und Juden leben auf die Endzeit hin. Freuen wir uns darauf? Die ‚Amidah‘ ist das Hauptgebet im jüdischen Gottesdienst. Es enthält den Wunsch, dass die Endzeit „schnell“ kommen möge, „in unseren Tagen“. Eigentlich sogar zweimal: in der Bitte um die Heraufkunft des Neuen Jerusalem und des Messias und in der Bitte auch um Strafe für Frevler und Häretiker. 

Der Herr behüte uns, in dieser Woche und immer,    
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 42/2023

Sonne und Mond werden sich verfinstern, und die Sterne werden ihren Schein verhalten.
Joel 4,15

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 1984.

Tag des Herrn

Der Vers ist Teil einer Apokalypse, das sieht man sofort. Das Buch Joel ist kurz, vier Kapitel nur, und seinen Inhalt fasst Wikipedia wie folgt zusammen: Joel prophezeit Gottes Gericht, das wie eine Heuschreckenplage hereinbricht, und Gottes Gnade; sowohl zu seiner Lebzeit, als auch in der Zukunft, am Tag des Herrn, dem endgültigen Gericht Gottes.

Um diesen Tag des Herrn geht es im Vers. Das Volk Israel hat nach schrecklichen Katastrophen als Strafe Gottes die Gnade des Herrn wiedererlangt. Gott gießt seinen Geist aus über alles Fleisch. Im Tal Joschafat — der Name bedeutet „Gott wird richten — wird Gericht gehalten. Die „Völker“ versammeln sich, ihre Armeen und alle Starken, und der Herr zieht sie zur Rechenschaft für das, was sie seinem Volk angetan haben. 

Der Tag des Herrn. Gezogen habe ich den Vers abends am Donnerstag, den 5.10. Ich ziehe immer eine Woche vorher, um Zeit für eine Betrachtung zu haben, und diesmal sogar etwas früher, weil wir auf Reisen gehen wollten. Das fühlte sich diesmal gespenstisch an. Am Samstag überfiel die Hamas Israel. Viele hundert Menschen wurden getötet oder entführt und nun steht ein großer Krieg mit Bodenoffensive im Gaza-Streifen vor der Tür. Am selben Samstag erschütterte ein furchtbares Erdbeben Afghanistan, mit tausenden Toten. In der Ukraine geht das Sterben weiter. Für uns selbst endete, ebenfalls am Samstag, eine Zusammenkunft der Großfamilie in einer großen und gänzlich unerwarteten Enttäuschung. Und immerzu hatte ich den Vers im Kopf.

Hier, in Frankfurt am Main, ist alles höchst sonderbar friedlich — kein Krieg oder Bürgerkrieg, kein Hunger, keine Erdbeben, nicht Dürre noch Flut, die Versorgung mit medizinischen Leistungen ist gut, die meisten Menschen können ohne Sorgen heiraten, Kinder bekommen und alt werden. Atemberaubend. Im Alten Testament könnte das als Beschreibung des Reichs Gottes durchgehen. Dabei treffen sich hier wirklich die „Völker“. Unter den Jüngeren in Frankfurt geraten die ethnisch Deutschen in die Minderheit. Der Umgang miteinander ist pfleglich und gut, meistens jedenfalls. Ist das — normal? Wie kommen wir dazu? Was können wir tun, es zu erhalten? 

Der Vers und sein Umfeld sind bildmächtig. Die Illustration, die Sie oben sehen, habe ich mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz Dall-E erzeugt. Als Anweisung habe ich ihr einfach die Verse 4,14b und 15 in englischer Sprache gegeben — das und sonst nichts. Das Bild trifft mein Gefühl.

Der Herr möge seinen Segen geben und seinen Zorn von uns wenden.
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 27/2022

Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du wohl allen diesen großen Bau? Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Mk 13,2

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017. 

Apokalypse — how?

Der Tempel war das Herz des religiösen und gesellschaftlichen Lebens im jüdischen Palästina. Die Ruinen der Fundamente, die man heute noch sehen kann, sind beeindruckend genug. Auf die Zeitgenossen hatte er eine ungeheure Wirkung. Als Jesus daher unvermittelt sein baldiges Ende voraussagte, hat es die Jünger „kalt erwischt“: 

Und als er aus dem Tempel ging, sprach zu ihm einer seiner Jünger: Meister, siehe, was für Steine und was für Bauten! Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Hier wird nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

Im Markusevangelium steht diese Ankündigung im Zusammenhang mit Worten über das Ende der Welt, wie wir sie kennen und — nur angedeutet — der Heraufkunft einer neuen. Was Jesus sagt, erinnert in vielem an die Prophezeihungen am Ende des Buchs Daniel, vor allem Kapitel 12-14. Dort werden viele Angaben gemacht, die zu einer Datierung des Untergangs einladen. So steht etwa geschrieben: „Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Gräuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind 1290 Tage“ (Dan 12,11). Von diesem Gräuelbild spricht auch Jesus (Mk 13,14). 

Jesus selbst war vom nahen Ende überzeugt — „… dies Geschlecht wird nicht vergehen, bevor dies alles geschieht“ (Mk 13,39). Der Tempel ging wirklich unter. Im Jahr 70 zerstörten ihn die Römern im Zuge der blutigen und gewaltsamen Unterdrückung einer Revolte, und die Stadt wurde entvölkert. Die Apokalypse, das Ende der Welt, wie wir sie kennen, das Gericht, die Heraufkunft des Messias und des Reichs Gottes, lassen hingegen auf sich warten. Oftmals in den zweitausend Jahren seither haben sich Menschen versammelt in der Erwartung, dass es nun so weit sei. 

Aber macht es einen Unterschied? Rom wirklich ist untergegangen, nur einige Sprachen, imposante Ruinen und die Reste des römischen Zivilrechts erinnern noch an das große Imperium. Ganz andere Menschen leben heute in Germanien, Italien, Palästina. Geschichte ist ein Mahlstrom, der in der langen Frist alles zerreibt. Und auch die große Katastrophe, der Untergang der Welt, wie wir sie kennen, steht jedem von uns bevor: als individueller Tod. Er ist dem einen nahe, dem anderen noch näher. Ich bin in dieser Woche 59 Jahre alt geworden, das schärft den Blick.

Nichts bleibt. Das ist die Perspektive der Apokalypse, und sie ist realistisch, sehr im Unterschied zu unseren vielfältigen und komischen Versuchen, uns doch irgendwie unsterblich zu machen. 

Und daneben, dahinter und davor steht die Aussage Jesu, die Aussage Gottes: Ja, alles vergeht, was du siehst, aber auf das, was du siehst, kommt es nicht wirklich an. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Es ist beständig und vergeht nicht: die Kraft Gottes, sein ewiges Reich und unsere Zugehörigkeit, unsere Heimstatt in dieser anderen Welt. Diese Welt gibt es schon, wir leben in ihr und sehen es nicht. 

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Woche!
Ulf von Kalckreuth