Bibelvers der Woche 7/2021

Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters
1. Joh 2,15

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Gott und die Welt

Absage an die Welt — mit diesen Worten ist in der neuen Lutherbibel der Abschnitt überschrieben, aus dem unser Vers stammt. Der Vers gibt einen Kern johannäischer Theologie wieder: den Dualismus von Göttlichem und Weltlichem. Es gibt ihn bereits im jüdischen Ursprung des Christentums, aber bei Johannes wird eine Gegnerschaft, eine Feindschaft daraus. Die Welt hat sich gegen Gott entschieden und sich ins Dunkel gewandt. Gott hat seinen Sohn geschickt, fleischgewordene Torah, er ist das Licht im Dunkel, zu dem die Menschen sich wenden können — und es zumeist nicht tun. Die Welt ist vergänglich und dem Untergang geweiht und mit ihr jeder, der sich an ihr festhält. Ewig hingegen ist Gott: wer sich dem Licht zukehrt, den nimmt er auf. 

Wir haben also die Wahl zwischen der Liebe des Vaters und dem Hang zur Welt, sagt Johannes.

Der Dualismus hatte eine ungeheure Wirkung in der Geschichte der christlichen Religion. Die Gegnerschaft von Gott und Welt festzustellen ist gleichbedeutend mit der Aufforderung, sich der Welt ab- und Gott zuzuwenden. In der Frühzeit der Kirche waren es die Eremiten und Asketen, später die Mönchsorden, die Büßer und die Ordensritter, die diesem Ruf folgten. Der große Prediger Wilhelm Busch spricht von der „verfluchten Welt“, die jeder Großstadtpfarrer kennt.

Wovon sollen wir uns abwenden? Sich von der Welt abzuwenden kann ja auch bedeuten, die eigenen ungelösten Probleme zu entsorgen, in der Gewissheit noch dazu, das Rechte zu tun. Wilhelm Busch meint eine Welt ohne Gott, die sich sinnlos um sich selbst dreht. Man kann sein Leben in Selbstmord wegwerfen, sagt er, oder in Vergnügen und Genießen. 

Aber die Welt — das sind auch Sonne, Mond und Sterne, das Meer und der Himmel über dem Gebirge, sind Ehepartner, Kinder, Eltern und Freunde, Musik und Kunst. Hat nicht Gott die Welt erschaffen? Ist sie nicht sein Interface, spricht er nicht durch sie zu uns? Die Welt als Ganze abzulehnen wirkt wie eine höhere Form der Undankbarkeit — und auch etwas arrogant. Kann ich meinen Nächsten lieben, wenn ich die Welt hasse? Gott selbst sehen wir nicht — wenn wir ihn nicht in der Welt und in den Menschen suchen, die darin leben, so können wir ihn nur in uns selbst zu finden hoffen, wie es die Mystiker taten. Kann ich das wagen? 

Wir alle sind ja auf Entzug gesetzt, was die Welt betrifft, und Fasten schärft die Sinne. Ich bin heute (Dienstag) nach mehreren Tagen wieder draussen. Es ist ein hellsonniger Tag, klirrend kalt, nach so vielen dunklen Wochen. Matsch und Morast sind überfroren von Reif, Eis und Schnee, der Boden trägt wieder und ist griffig, das Gehen fällt leicht, trotz der Rückenschmerzen. Das Eis blitzt. Kälte und Licht ergreifen nach und nach Besitz von den trüben Gedanken und machen sie bedeutungslos und unwirklich. Ich kann wieder reden mit Gott und meinen Platz sehen in der Welt. Ich schicke einer Freundin einige Bilder.

Nein, wenn ich mich gänzlich abkehre von der Welt, kann ich mich ebenso verlieren, wie wenn ich ihr verfalle. Abkehren muß ich mich von dem, was krank macht an Leib und Seele. Das ist sicherlich viel, aber ebenso sicherlich nicht alles. Denn auch Gott ist in der Welt, sonst wäre sie nicht. 

Gottes Segen sei mit uns in dieser Woche!
Ulf von Kalckreuth

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